FeedLys oder Leye
ErdkundeBrockhaus 1882

Lys oder Leye, Fluß in Frankreich und Belgien, entspringt bei dem Dörfchen Lysbourg auf dem Plateau von Artois im franz. Depart. Pasde-Calais, in der Nähe der Aa-Quelle, fließt über Thérouanne und Aire und tritt in das Norddepartement ein, welches er in eine nördl. und südöstl. Hälfte teilt, bildet dann auf eine Strecke von etwa 30 km die Grenze gegen Belgien, geht bei Menin ganz nach Belgien über, berührt hier Courtray und fällt bei Gent links in die Schelde nach einem Laufe von 205 km, wovon 115,5 auf Belgien und dessen Grenze kommen und 159 Km schiffbar sind. Der L. vermittelt mehrere Kanalverbindungen, unter denen der von Deynze nach Heyst führende Kanal 53 kmelang ist. Am L. ließ Ludwig XIV. 1695 beim Ausbruche des Koalitionskriegs durch 20000 Bauern in acht Tagen seine ersten Linien anlegen, die aber wegen ihrer zu weiten Ausdehnung sich als unhalthar erwiesen. Im Revolutionskriege fand am L. 13. Sept. 1793 zwischen den Holländern unter dem Erbprinzen von Oranien und den Franzosen unter Houchard ein für die erstern siegreiches Gefecht statt. Lysander (grch. Lysandros), berühmter spartan. Feldherr und Staatsmann, war der Sohn des Aristokritos aus einer angesehenen spartiatischen Familie, seine Mutter dagegen war eine Helotin. Er erhielt 408 v. Chr. den Befehl über die spartan. Flotte, lähmte mit Hilfe des jüngern Kyros, der als pers. Vizekönig in Sardes regierte, bald die Bewegungen der Athener und schlug 407 die athen. Flotte in Abwesenheit des Alkibiades bei Notion. Nach der Niederlage und dem Untergange seines Nachfolgers Kallikratidas in der Schlacht bei den Arginusen (406) trat er, da das Gesetz verbot, ihn zum zweiten mal zum Nauarchen zu ernennen, aufs neue faktisch an die Spitze der Flotte als Unterbefehlshaber unter dem nominellen Flottenführer Arakos. Er nahm 405 v. Chr. auf der Reede von Agos-Potamoi die letzte Flotte der Athener weg, worauf im folgenden Jahre der Krieg durch sein Verdienst mit der völligen Niederlage und der Ergebung Athens ein Ende nahm. Den Sieg benutzte er zur Unterwerfung der Bundesgenossen der Athener in Kleinasien und auf den Inseln, wo er überall oligarchische Verfassungen unter Aufsicht spartan. Harmosten (Statthalter) einführte. Nach seiner Rückkehr nach Sparta war er der mächtigste und gefeiertste Mann in Griechenland, wurde aber nicht ohne Grund von den Regierenden in Sparta mit Mißtrauen betrachtet und seit 403 wieder zurückgedrängt, bis die Thronbesteigung seines Freundes Agesilaos (s. d.) 400 ihm wieder sein Übergewicht gab. Aber auch diesem fiel L. durch seine Anmaßung lästig; er wurde bei dem Ausbruch des böotisch-korinth. Kriegs gegen Sparta als Befehlshaber nach Böotien gesandt und fiel in dem Treffen bei Haliartus (395 v. Chr.). L.s Leben beschrieben Plutarch und Cornelius Nepos. Vgl. Vischer, «Alcibiades und L. (Bas. 1846); Nitzsch, De Lysandro (Bonn 1847); Stedefeld, „De Lysandri Plutarchei fontibus o (Gött. 1874).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 293Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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