FeedLyrik oder Lyrische Poesie
MusikBrockhaus 1882

Lyrik oder Lyrische Poesie, deren Name von dem griech. Saiteninstrument Lyra (s. d.) entlehnt ist, heißt diejenige Hauptgattung der Poesie, die das innere Gefühlsleben zum unmittelbaren Aus⸗ „druck bringt. Sie ist das subjektive Aussprechen subjektiver Gefühle und Gedanken und zeigt sich [daher in ihrer geschichtlichen Entstehung überall später als das Epos, das an die äußere Welt anknüpft und deren Begebenheiten erzählt. Die L. ist um so poesievoller, je mehr durch die vereinzelte Empfindung und Stimmung der dunkle, unerschöpfte Urgrund des gesamten Gemütslebens hindurchklingt. Daher der innige Zusammenhang der L. mit der Musik. Der Form nach unterscheidet man in der L. 1) die hymnische (Hymne, Ode, Dithyrambe); sie ist die L. der Erhabenheit; 2) die liedmäßige (das Lied); diese ist die L. der ruhigen, harmonischen Schönheit, in welcher Inhalt und [Stimmung rein und unmittelbar ineinander aufgehen; 3) die L. der Betrachtung (Elegie, Sonett, Epigramm); sie stellt den übergang des reinen Gefühlszustandes in das Gedankenleben dar. Außer den Schriften über Asthetik von Vischer, Rob. Zimmermann und Carriere vgl. Gottschall, „Poetikv (5. Aufl., Bresl. 1882).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 293Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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