Macaulay (Thomas Babington, Lord), berühmter engl. Geschichtschreiber und Kritiker, geb. 25. Okt. 1800 zu Rothley-Temple in Leicestershire, studierte seit 1818 im Trinity-College in Cambridge, widmete sich hierauf in Lincoln's-Inn der Jurisprudenz und trat 1826 als Barrister auf. Schon auf der Universität hatte er sich durch seine Preisgedichte Pompejiv (Cambr. 1819) und Eveningo (Cambr. 1821) ausgezeichnet, denen andere poetische Versuche folgten. Im J. 1825 lieferte er der (UEdinburgh Reviewo eine Abhandlung über Milton, womit er den Anfang zu einer Reihe von ebenso geistreichen als gründlichen litterarisch-kritischen Aufsätzen machte, die als «Critical and historical essaysy (3 Bde., Lond. 1843 u. öfter; deutsch von Bülau, 5 Bde., Lpz. 1852 — 58, und von Steger, 13 Bde., Braunschw. 1858—60) gesammelt erschienen. Unterdes war er 1830 für Calne ins Unterhaus gewählt worden, wo er eifrig für die Reform des Parlaments wirkte. Im J. 1832 erhielt er, nachdem die Stadt Leeds ihn zu ihrem Repräsentanten ernannt, eine Stelle im Ministerium als Sekretär des Indischen Amtes. Schon 1834 gab er jedoch seinen Parlamentssitz auf, um als Mitglied des obersten Rats von Kalkutta und Gouverneur von Agra nach Indien zu gehen. Hier sammelte er das Material zu seinen berühmten Essayso über Clive und Warren Hastings. Im J. 1838 kehrte er nach Europa zurück und trat als Abgeordneter der Stadt Edinburgh wieder ins Unterhaus. Vom Sept. 1839 bis zum Sturz des Ministeriums Melbourne bekleidete er den Posten des Kriegsministers und vom Juli 1846 bis zum Mai 1848 den des Kriegszahlmeisters mit Sitz und Stimme im Kabinettsrat. Bereits 1842 hatte er, auf Niebuhrs Ansichten über die röm. Geschichte fußend, die Lays ot ancient Romer veröffentlicht, Balladen, welche durch dramatische Handlung, kräftige Sprache und farbenreiche Schilderungen fesseln. Im J. 1848 erschienen die beiden ersten Bände seiner History of Inngland from the accession of James II.v, die mit Begeisterung aufgenommen und sogleich in mehrere Sprachen übersetzt wurden. Es zeigten sich hier im stärksten Lichte die Eigenschaften, die seine frühern Schriften ausgezeichnet hatten: die genaueste Kenntnis der Thatsachen, unübertroffenes Darstellungstalent in der Schilderung von Charakteren und geschichtlichen Begebenheiten, eine Fülle glücklich gewählter Citate und vornehme Ele—⸗ ganz des Stils. Der dritte und vierte Band des Werks erschienen 1855; der fünfte nach seinem Tode (Lond. 1861). Das Werk wurde vielfach übersetzt, ins Deutsche unter andern von Bülau (11 Bde., Lpz. 1849—51) und von Beseler (12 Bde., Braunschw. 1849—62). Nachdem er seit 1847 dem Unterhause nicht mehr angehört hatte, wurde er 1852 von der schott. Hauptstadt in dasselbe gewählt. Doch legte er 1856 sein Mandat nieder, worauf er 1857 unter dem Titel Baron M. von Rothley in den Peersstand erhoben wurde. Seine polit. Reden gab er 1854 in zwei Bänden heraus; übrigens hat M. als Redner nie hervorragenden Einfluß ausgeübt. Er starb 28. Dez. 1859 zu Kensington. Seine Leiche wurde 9. Jan. 1860 im «Poetenwinkelo der Westminster-Abtei beigesetzt. Eine Gesamtausgabe seiner Schriften hat seine Schwester, Lady Trevelyan, veranstaltet (8 Bde., Lond. 1866). Vgl. Arnold, «Public life of Lord M.v (Lond. 1863); G. O. Trevelyan, «The life and letters of Lord M.v (2 Bde., Lond. 1876; 2. Aufl. 1877; deutsch von Böttger, 2 Bde., Jena 1876).