FeedDalling
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Dalling (Henry Lytton Earle Bulwer, Lord), engl. Diplomat, älterer Bruder des Romandichters Bulwer-Lytton, geb. 1804, widmete sich der diplo-Conversations-Lexikon. 13. Aufl. IV. matischen Laufbahn und wurde 1827 zum Attache bei der brit. Gesandtschaft in Berlin ernannt, von wo er 1829 nach Wien — ward. Im J. 1830 war er im Auftrage seiner Regierung in Brüssel, um die belg. Revolution in der Nähe zu beobachten, und trat bald darauf ins Parlament, wo er bis 1837, zuletzt für Marylebone, einen Sitz einnahm und sich als schlagfertiger Redner zeigte. Zugleich erwarb er sich durch die Werke France, social. literary, politicale (2 Bde., Lond. 1833; deutsch. 2 Tle., 1835—36) und «The monarchy of the middle classes (2 Bde., Lond. 1834; deutsch, 3 Tle., Aachen 1836), denen An autumn in Greece⸗ (Lond. 1824) vorangegangen war, als Schriftsteller einen geachteten Namen. Nachdem er seit 1835 als Geschäftsträger in Brüssel fungiert, ging er 1837 als Legationssekretär nach Konstantinopel und brachte hier einen Handelsvertrag mit der Pforte zu Stande. Bald darauf wurde er zum Botschaftssekretär in Paris, 1843 zum Gesandten in Madrid ernannt, mußte aber 1848 wegen eines gegen die Gewaltschritte des Ministeriums Narvaez erhobenen Protestes Spanien verlassen. Nach England Verdienste oa erhielt er zur Anerkennung seiner ahte ie das Ritterkreuz des Bathordens, vermählte sich mit Charlotte Wellesley, Tochter Lord Cowleys und Nichte des Herzogs von Wellington, und begab sich 1849 als außerordentlicher Gesandter und bevollmächtigter Minister nach den Vereinigten Staaten, wo er durch Abschließung des sog. Clayton-Bulwer-Vertrags einen unter damaligen Umständen nicht unwichtigen diplomatischen andter errang. Hierauf ward er von 1852—55 Gesandter in Toscana und erhielt Ende 1857 an Stratford de Redceliffes Stelle den Botschafterposten in Konstantinopel. Einen solchen Vorgänger zu ersetzen, war nicht leicht. D. zeigte sich indes der Aufgabe gewachsen und erwarb namentlich nach der Thronbesteigung des Sultans Abd-ul-Asis einen unbeschränkten Einfluß auf die Entschließungen des jungen Monarchen. Solange Lord Palmerston lebte, war D. in Bezug auf die orient. Angelegenheiten eine Hauptstütze der Politik dieses Staatsmannes. Durch das Ministerium Derby-Disraeli 1866 von Konstantinopel abberufen, wurde er 1868 als liberaler Kandidat für Tamworth ins Parlament gewählt, an dessen Verhandlungen er lebhaften Anteil nahm, bis er im März 1871 mit dem Titel Lord Dalling und Bulwer ins Oberhaus erhoben wurde. Seit seiner Rückkehr von Konstantinopel hatte er auch seine schriftstollerische Thätigkeit wieder aufgenommen. Als Hauptresultate derselben erschienen: 4Historical characterso (2 Bde., Lond. 1867; deutsch von Lanz, 2 Bde., Lpz. 1871) und (Life of Viscount Palmerstono (2 Bde., Lond. 1870. deutsch: 4„Lord Palmerstons Leben, frei nach B. von A. Rugey, 3 Bde., Berl. 1871 -74). D. starb kinderlos 24. Mai 187² in Neapel; mit ihm erlosch die Peerswürde. Aus seinem Nachlasse erschien: Sir Robert Peel. An historical sketcho (Lond. 1874). Dallinger von Dalling, österr. Malerfamilie. Das älteste Mitglied Johann zeichnete sich als , besonders aber als Tiermaler aus. Er wurde zu Wien 13. Aug. 1741 geboren, bereiste in seiner Jugend die Schweiz und Deutschland und strat 1759 in die Akademie zu Wien ein, wo ihn „der Direktor Martin von Meytens sehr förderte, 1764 auch seine Sendung nach Frankfurt erwirkte, um bei den Krönungsfestlichkeiten Aufnahmen zu machen. Später erhielt er den Posten als Inspektor der fürstl. Liechtensteinschen Gemäldegalerie, auf welchem er durch liberale Zugänglichmachung der Sammlung sehr ersprießlich wirkte. Er starb in Wien 6. Jan. 1806. Seine Bilder, Altargemälde und Tierstücke, gelangten meistens nach Rußland. — Sein 7 ebenfalls Johann genannt, war in Wien 7. Mai 1782 geboren, lernte bei dem Vater, und folgte le auch als Galerieinf pektor beim Fürsten Liechtenstein nach. Er bildete sich als Tiermaler nach den alten Holländern, steht ihnen aber durch die zu große Glätte seines Pinsels nach. Das Belvedere und die Liechtenstein-Galerie in Wien haben Werke von seiner Hand, jenes z. B. Die fünf Pferde auf der Weide, letztere Die Kuhherde am Bache. D. dere in Wien 19. Dez. 1868. — Der jüngere Bruer Alexander, geb. 1783, gest. 1844, verfolgte eine ähnliche Thätigkeit und betrieb wie dieser die Radierkunst, sowie das Restaurieren alter Gemälde.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 785Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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