FeedMadeira (portug.)
ErdkundeBrockhaus 1882

Madeira (portug.), Madera (span.), eine den Portugiesen gehörige westafrik. Insel, 856 km südwestlich von Lissabon, 580 km von Afrika, 390 km von Teneriffa, 1944 km von Plymouth, mit dem nur 55 km nordöstlicher gelegenen kleinen Eilande Porto-Santo und den noch kleinern Wüsten Inseln (Ilhas desertas) zusammen auch die Madeiragruppe oder Nördliche Canarien genannt und mit denselben 815 qkm groß, wird schon auf der Mediceischen Hafenkarte 1351 unter dem Namen Isola di Legname (Holzinsel) aufgeführt, wurde aber erst 1419 von den Portugiesen Joäo Gongalves Zargo und Tristäo Vaz besucht und kolonisiert. Den Namen (Madeira, d. i. Holz) veranlaßten die Waldungen, die zu dieser Zeit die Insel bedeckten, jetzt«aber längst verschwunden sind. Die durchweg vulkanische Insel, 48 kmelang, 21 km breit, bildet ein Längengebirge, welches sich, an den Enden steil aufsteigend, nach der Mitte zu wölbt und im 1970m hohen Pico-Ruivo kulminiert. Durch mächtige Kesselthäler (Currales) wird dasselbe in mehrere Teile geteilt, und außerdem hat das Wasser tiefe Schluchten (Ribeiros) ausgegraben. Mehr als die Hälfte der Insel hat eine absolute Erhebung von 800 m. Die Uferränder steigen ringsherum so steil auf, daß man in einer Stunde auf Höhen von 3— 500 m gelangt, am gewaltigsten in dem schönen 600 m hohen Cabo Giräo. Ebenso steil sinkt der Meeresboden hinab, sodaß die 100 Fadenlinie fast ringsherum nur 1—3 km vom Ufer entfernt ist. Häfen fehlen gänzlich, und die als Reeden benutzten flachen Buchten müssen bei landeinwärts wehenden schärfern Winden verlassen werden, was aber auf der Südseite nur selten vorkommt. Durch diesen Gebirgscharakter, den Wechsel von Plateauflächen, von hohen, schroffen und durch tiefe Thalschluchten getrennten Felsmassen gewährt M. überall einen höchst mannigfaltigen und wunderbar malerischen Anblick. Der vorherrschend basaltische Boden ist jedoch an zwei Punkten trachytisch und besteht stellenweise aus Trachyttuff, losen Schlacken und vulkanischen, auf tertiärem Kalk ruhenden Tuffen. überaus merkwürdig gestaltete Basaltfelsen bilden besonders die senkrechten Ränder des in der Mitte der Insel gelegenen, 1000—1200 m tief eingeschnittenen schönen Thals Curral das Freiras (d. h. Park der Nonnen). Deutliche Krater und neuere Lavaströme sind selten; doch nimmt man zuweilen Erdbeben wahr. Das Klima ist äußerst mild und gleichmäßig, da die mittlere Jahfrestemperatur an der Südküste 18,8 C. beträgt, der Unterschied zwischen dem wärmsten und kältesten Monat nur 6 C. Selten steigt die Wärme auf 32,4, nur ganz ausnahmsweise sinkt sie auf 7,0 An der Nordküste ist es kühler, im Winter ist 6 nicht gerade selten. Jährlich fallen 713—740 mm Regen. Auf den höchsten Teilen des Gebirges fällt im Winter Schnee. Bei der großen Feuchtigkeit der Luft ist M. einer der besten Kurorte für Lungenleidende. Eine lästige Erscheinung ist oft der Leste, ein trockener, heißer Ostwind aus Afrika. Die Fruchtbarkeit ist sehr groß und das Haupterzeugnis Wein (Madeirawein). Die von der Insel Kreta 1421 hier angepflanzten Reben lieferten früher 20000 Pipen oder etwa 95000 hl Wein, wovon jedoch kaum die Hälfte ausgeführt wurde. Die bekanntesten Sorten sind der Malmsey oder Malvasier, nur vom ersten Kelterdrucke, und der Dry-⸗Madeira, so genannt, weil er ein Trockenwein, d. h. weder ein Liqueurwein, noch ein Schmalzwein ist; höher als der letztere stehen im Werte die Sorten Bual oder Boal und Sercial weiter und dritter Kelterdruck); der Dry-Madeira erhält erst seinen Wert als Vino di roda (gereister Wein), d. h. wenn er die Linie passiert hat. Seit 1840 versiegte der Weinertrag gänzlich durch die Traubenkrankheit; doch hat er sich jetzt wieder gehoben, sodaß 1878—81 jährlich 3045 Pipen à 92 Imperial Gallons ausgeführt wurden. An die Stelle des Weinbaues trat seit 1852 namentlich das Zuckerrohr, auch Mais, Getreide und Bataten. Daneben gedeihen auf der kühlern Nordseite alle europ. Früchte und Gemüse, auf der Südseite Bananen, Anonen, Ananas und selbst Kaffee. Dattelpalmen werden nur als Zierpflanzen gezogen. Oberhalb der Kulturregion finden sich prachtvolle Wälder von Lorber und baumartiger Heide (Erica arborea), unterbrochen von Heidelbeergebüsch (Vaceinium madeéirense), Ginster und auf den Hochflächensteppen von Adlerfarn. Wildlebende Tiere sind das Kaninchen und das Schwein; Rindvieh, Schafe und Pferde hat man aus Curopa eingeführt. Die Zahl der Einwohner beträgt (1882) 133 955; es sind meist portug. Abkömmlinge, auch Mulatten, Neger und mehrere hundert angesiedelte Engländer. Die Inselgruppe, deren Verwaltung seit 1836 unmittelbar von der des Königreichs Portugal abhängt, bildet einen eigenen Verwaltungsbezirk mit zehn Distrikten. In M. herrscht das Majoratssystem, nach welchem der Pächter die Hälfte des Ertrags an den Besitzer abzugeben hat. Doch ist es den erstern nach Einführung des Zuckerrohrs gelungen, durch fleißige Ausnutzung des Bodens zu Wohlhabenheit zu gelangen. Der Handel ist meist in den Händen der Engländer; der Wert der Einfuhr belief sich 1881 auf 287 800, der der Ausfuhr auf 134000 Pfd. St. Hauptstadt ist Funchal (s. d.). Die nur 12 kmelange Insel Porto-Santo ist hügelig, bis 500 m hoch, teils von ähnlicher Beschaffenheit wie M., teils aus Kalk bestehend, baumlos, sehr reich an Rebhühnern und Orseille und zählt 1748 E., welche sich früher ebenfalls meist vom Weinbau nährten. Die drei Wüsten Inseln oder Desertas, im Südosten von M., sind unbewohnt. Die weit im Südsüdosten abgelegenen Waldinseln oder Las-Selvages sind nur von wilden Kaninchen bevölkert und liefern gute Orseille. Vgl. Hartung, «Geolog. Beschreibung von M. v (Opz. 1864); Mittermaier, „M. und seine Bedeutung als Heilungsorty(Heidelb. 1855); Schultze, Die Insel M.(Stuttg. 1864); Rendell, «Concise handbook of the island of M. (Lond. 1881); Taylor, XM., its scenery and how to seée ito (Lond. 1882); Garcia Ramos, Ilha da M.» (2 Bde., Lissab. 1882).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 315Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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