FeedMadrastüchern
VerkehrBrockhaus 1882

Madrastüchern zu Turbanen noch von Bedeutung ist. Auch gibt es Fabriken von Indigo, Zucker, Opium, ansehnliche Töpfereien, Ziegelbrennereien und Salzsiedereien. Großartig ist die Glasfabrikation, die namentlich viele Gegenstände zum Putz für die Hindufrauen liefert. Neben europ. und amerik. Handelshäusern bestehen Banken und Assecuranzen, während M. durch die Schiffe der Peninsular and Oriental Steam Navigation Company, der Messageries Frangaises und der British India Steam Navigation Cömpany nicht nur mit allen übrigen indischen, sondern auch allen andern asiat. Küstenorten, sowie mit Australien, Europa, Afrika und Amerika verbunden ist. Durch den nördlichen, sich an die Great Indian Peninsular-Eisenbahn anschließenden Zweig der Madras-Eisenbahn steht mit der ganzen übrigen Halbinsel in Verbindung. M. ist für den ind. Perlen⸗ und Edelsteinhandel, wie überhaupt für den Handel auf der ganzen Ostküste von Vorderindien Hauptsitz und Mittelpunkt. Dennoch hat der Platz keinen Hafen und keinen Schutz für die Schiffe. Der flache Verlauf der Küste und die starke Brandung nötigen die Schiffe, in der Entfernung von 11 km auf offener und schwer bewegter Reede mit ungünstigem Grunde zu ankern. M. ist die erste feste Niederlassung der Engländer in Ostindien. Der Rajah von Bisnagor gestattete ihnen 1639, hier ein Fort zu bauen, das den Namen St.⸗George erhielt und um welches bald die Stadt entstand. Die dortige Agentschaft der Ostindischen Kompagnie wurde 1653 zum Range einer Präsidentschaft erhoben, und gegen Ende des 17. Jahrh. zählte die Ansiedelung schon 300000 E. Seitdem stand M. still, während sich Kalkutta hob; aber in der neuesten Zeit dehnte es dafür seine Herrschaft um so weiter aus. Am 21. Sept. 1746 kapitulierte M. an die Franzosen unter Labourdonnaye, gelangte aber im Aachener Frieden wieder an England zurück. Im J. 1767 vom Sultan Hyder-Ali überfallen, wurde es vom General Smith entsetzt. Am 23. Febr. 1768 ward daselbst ein Frieden mit dem Subah von Dekan und 3. April 1769 mit Hyder-Ali ein Frieden in dessen Lager am St. Thomasberge abgeschlossen. Vgl. Wheeler, XM. in the olden timey (3 Bde., Madras 1861—62).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 319Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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