Maerlant (Jak.), der einflußreichste niederländ. Dichter des 13. Jahrh., von Geburt ein Vläming, lebte längere Zeit in Holland; in seine Heimat zurückgekehrt, starb er um 1300 zu Damm bei Brügge. Er war aus bürgerlichem Stande und besaß eine ausgedehnte Gelehrsamkeit. Seine frühesten Gedichte, der um 1256 abgefaßte Alexander⸗ (herausg. von Franck, Gröningen 1882), nach dem Lateinischen des Gualterus de Castellione, ferner der „Merlyno (herausg. von van Vloten, Leid. 1880), der «Trojanische Kriege (herausg. von Verdam, Groningen 1873), nach dem Französischen des Benoit de Sainte⸗-Maure, und der Roman von (Toreco (herausg. von Te Winkel, Leid. 1875), zeigen bereits eine wenngleich noch unbeholfene histor. Kritik und ein Vorwiegen des lehrhaften Elements. Später veröffentlichte M. nur historisch glaubhafte biblische, geistliche oder weltliche Erzählungen und rein didaktische Darstellungen. Zu den Gedichten aus M.s zweiter Periode gehören ein Leben des heil. Franciscuso nach dem Lateinischen des Bonaventura (herausg. von Tideman, Leid. 1848), die Heimelijkheid der heimelijkhedeno, nach dem lat. Buche Secreta secretorumo (herausg. von Clarisse, Dordr. 1838, und von Kausler im 2. Bande der Denkmäler altniederländ. Sprache und Litteratur », 1844); verschiedene strophische, zum Teil geistliche Gedichte, unter denen sich auszeichnet ein Gespräch in drei Büchern über den Lauf der Welt und verschiedene wichtige Fragen, nach seinem Anfange „(Wapene Martijno genannt (Antw. 1496; herausg. von Verwijs, Leid. 1857 u. 1879); sodann Wan den lande van overzeer, in 19 Strophen, ein Aufruf, die Fortschritte der Sarazenen im Heiligen Lande zu hemmen (gedruckt unter anderm in Verwijs' Ausgabe der Strophischen Gedichtey). Im J. 1270 vollendete M. eine Rymbybelp (herausg. von David, 3 Bde., Brüss. 1858—60). In seinem (Bestiariso oder „Der naturen bloemey (herausg. von Bormans, Brüss. 1857, und von Verwijs, Groningen 1878), einer gereimten, vom Menschen anhebenden und mit den Metallen schließenden Naturgeschichte in 13 Büchern, folgte er dem Liber de rerum naturan des Thomas Cantipratensis. Endlich begann M. 1283 sein umfänglichstes und in keiner Handschrift vollständig erhaltenes Werk, den 4Spieghel historiaelo (herausg. von de Vries und Verwijs für die Maatschappij der nederlandsche letterkunde, Bd. 1—3, Leid. 1863), eine gereimte Weltchronik nach dem Speculum historiales des Vincentius Bellovacensis, wovon er die erste und dritte, wie auch teilweise die vierte Abteilung vollendete. Fortgesetzt ward die zweite Abteilung durch Utenbroeke (herausg. von Ferd. von Hellwald, de Vries und Verwijs, Leid. 1879). Die vierte Abteilung wurde fortgesetzt durch den brabanter Priester Lodewijk van Velthem, der eine fünfte Abteilung hinzufügte (schlechte Ausgabe durch Le Long, Amsterd. 1717; sorgsame Separatausg. des 3. Buchs durch Jonckbloet, Haag 1840).