FeedMaguetischer Äquator
HeilkundeBrockhaus 1882

Maguetischer Äquator, s. unter Aquator. Magnetische Deklination, s. unter Kompaß. Magnetische Induktion, s. Induktion (magnetische). agnetische Kuren nennt man in der Medizin die Anwendung des Magnets zu therapeutischen Zwecken. Der Magnet oder Mineralmagnet übt nach der Meinung älterer Arzte auf den menschlichen Körper, wenigstens gewisser Personen, eine Wirkung aus, welche sich besonders durch Beschwichtigung von Nervenschmerzen (3. B. Kopf⸗ oder Zahnschmerz) oder von Krämpfen (besonders den sog. hysterischen) kundgeben soll. Indes ist neuerdings konstatiert, daß der Magnet keinerlei Wirkung auf Organismen ausübt und daß solche Kuren auf Irrtum oder Betrug beruhen. Anders verhält es sich mit der Magnetelektricität, dem Galvanismus, der in seinen verschiedenen Modifikationen (als direkter und als indirekter, als ab⸗ und aufsteigender Strom) mit den besten Erfolgen bei Nerven⸗ und Muskelkrankheiten, namentlich Lähmungen, zur Anwendung gekommen ist und jetzt eine wichtige Spezialität der praktischen Medizin ausmacht. (S. Elektrotherapie.) Über den sog. Lebensmagnetismus oder -Resmerismus und seine angeblichen Heilerfolge s. Tierischer Magnetismus. Magnetisches Schlafwachen, s. Somnambulismus. lscher Magnetismus. Magnetiseur, Magnetisieren, s. u. Tierimagnetismus, Bd. VI, S. 37. Maguetismus. An dem als Mineral vorkommenden Magneteisenstein, der aus ungefähr 72 Gewichtsteilen Eisen und 28 Gewichtsteilen Sauerstoff besteht, kannte man schon im Altertum die Eigenschaft, kleinere Stücke Eisen anzuziehen und festzuhalten. Später entdeckte man auch, daß sich diese Eigenschaft einem Stahlstabe durch Bestreichen mit einem Magnetstein dauernd mitteilen ließ. Man nennt die Magnetsteine und die Stahlstäbe, welche diese Eigenschaft besitzen, Magnete (s. d.); die unbekannte Ursache dieser Eigenschaft heißt magnetische Kraft oder M. Eine genauere Untersuchung lehrt nun, daß die von einem solchen Magnet auf das Eisen ausgeübte Anziehung an zwei Punkten desselben besonders stark ist, und man bezeichnet dieselben als Pole. Hängt man einen Magnet (Magnetstein oder magnetischen Stahlstab) an einem Faden in seinem Schwerpunkt derart auf, daß die magnetische Achse, d. i. jene Gerade, welche die beiden Pole miteinander verbindet, horizontal liegt, so kommt der Magnet nur in einer bestimmten Richtung zur Ruhe, so nämlich, daß die magnetische Achse die Richtung von Norden nach Süden einnimmt. Den bei dieser Stellung des Magnets nach Norden liegenden Pol nennt man Nordpol, den nach Süden gelegenen den Südpol. Hängt man den einen Magnet auf die zuvor angegebene Weise an einem Faden auf, oder stellt man ihn auf einer Spitze drehbar auf und nähert die Pole eines zweiten in der Hand gehaltenen Magnets den Polen des ersten langsam aus der Ferne, so erkennt man, daß die beiden Nordpole einander abstoßen und ebenso die beiden Südpole, während der Nordpol des einen Magnets den Südpol des andern und ebenso umgekehrt anzieht, sodaß man das hierauf bezügliche Gesetz kurz so aussprechen kann: gleichnamige Pole stoßen sich ab, ungleichnamige Pole ziehen sich an. Denkt man sich die Erde als einen großen, mächtigen Magnet, so läßt sich die Richtung, welche eine beweglich aufgehangene Magnetnadel annimmt, als eine Folge der magnetischen Wirkung der Erde auffassen. (S. Magnetismus der Erde.) Ein in der Nähe des Pols eines Magnets gebrachtes Stück Eisen wird, solange es sich in dem Wirkungskreise dieses Pols befindet, ebenfalls magnetisch, Eee auch zwei Pole, und zwar so, daß das dem Pole des Magnets zugewandte Ende des Eisens einen ungleichnamigen, das abgewandte dagegen einen gleichnamigen Pol erhält (magnetische Induktion von Apinus gegen 1759). Die Anziehung, welche ein Stück Eisen von einem Magnetpol erfährt, ist überhaupt nur eine Folge des im Eisen durch den Magnetpol erregten M. Seit 1820 hat man auch gelernt, durch elektrische Ströme magnetische Wirkungen hervorzubringen und selbst Magnete aus weichem, d. i. möglichst entkohltem Eisen zu erzeugen, welche, solange der elektrische Strom dieselben umkreist, je nach Umständen Hunderte bis Tausende von Kilogrammen tragen können. (S. Elektromagnetismus.) Wenn man ein magnetisches Stahlstäbchen genauer untersucht, so findet man, daß, geht man z. B. vom Nordpol desselben aus, die magnetische Kraft nach der Mitte zu immer mehr abnimmt, in der Mitte selbst Null ist (Indifferenzgürtel), dann aber von hier in entgegengesetzter Weise bis zum Südpol wieder zunimmt: die ganze erste Hälfte zeigt sich nordpolarisch, die ganze zweite Hälfte südpolarisch. Zerbricht man jedoch einen solchen Stab in der Mitte, so stellt jede Hälfte sofort wieder einen vollständigen Magnet dar, der an dem einen Ende einen Nord⸗, an dem andern einen Südpol und in der Mitte einen Indifferenzgürtel besitzt. Coulomb nahm (1789) zur Erklärung der magnetischen Erscheinungen zwei magnetische Flüssigkeiten (eine nördliche und eine südliche) an, welche im Eisen und Stahl, solange sie nicht magnetisch, in jedem Teilchen in gleicher Menge miteinander verbunden wären. Beim Magnetisieren derselben sollten dann diese beiden Flüssigkeiten in jedem Teilchen so geschieden werden, daß die nordmagnetischen Flüssigkeiten in allen Teilchen nach der einen, die südmagnetischen aber nach derentgegengesetzten Richtung gewandt wären; ein übergang dieser Flüssigkeiten aus einem Eisen-oder Stahlteilchen in die andern benachbarten darf, wie der erwähnte Versuch über das Zerbrechen eines Magnetstabes zeigt, nicht angenommen werden. Nur durch das Zusammenwirken aller nach einer Seite wirkenden nordmagnetischen Flüssigkeiten erhält das an dieser Seite gelegene Ende des Stabes einen Nordpol und durch das Zusammenwirken aller nach der entgegengesetzten Seite gerichteten südmagnetischen Flüssigkeiten dieses letztern Endes einen Südpol. Im weichen Eisen steht dieser Scheidung der beiden Flüssigkeiten kein Hindernis entgegen, aber auch ebenso wenig ihrer Vereinigung, wenn sie geschieden waren. Daher nimmt das Eisen in der Nähe eines Magnets sogleich einen starken M. an, verliert ihn aber augenblicklich wieder, sobald es von ihm entfernt wird. Im Stahl dagegen tritt dieser Scheidung und ebenso der Wiedervereinigung der beiden Flüssigkeiten ein um so größeres Hindernis entgegen, je härter derselbe ist; man nennt diesen Widerstand des Eisens und Stahls gegen das Magnetischwerden und Entmagnetisieren ihre Coêreitivkraft. Je kleiner diese ist, desto leichter erfolgt das Magnetisieren und Entmagnetisieren. Der Stahl hat eine größere Cöricitivkraft als das Eisen, er läßt sich daher schwieriger magnetisieren und entmagnetisieren als letzteres. Je kohlenfreier oder weicher das Eisen, desto kleiner ist seine Coêrcitivkraft; je härter der Stahl, desto größer ist seine Coörcitivkraft. Um einen harten Stahlstab zu magnetisieren, bedarf man daher der Einwirkung eines starken Magnets; aber auch nach der Entfernung des letztern bleibt im erstern noch ein Teil der beiden Flüssigkeiten getrennt zurück, d. h. der Stahlstab bleibt magnetisch. Später ersetzten die Gegner unwägbarer Materien oder Fluida diese Hypothese durch die Annahme, jeder Magnet entstehe aus fertigen, wirr durcheinander liegenden Elementchen, welche alle durch das Magnetisieren mit ihren gleichnamigen Polen nach derselben Richtung gedreht werden, und zwar um so leichter, je kleiner die Coêreitivkraft (Widerstand) der magnetisierten Materie ist. Als durch Oersted 1819 ein Zusammenhang zwischen der magnetischen und elektrischen Kraft nachgewiesen war, ging schon im folgenden Jahre Ampeĩre noch einen Schritt weiter und wies nach, wie alle magnetischen Erscheinungen sich vollkommen erklären lassen, wenn man einen elektrischen Strom annimmt, welcher jedes Teilchen senkrecht zu seiner Längenachse umkreist. Ein solches System von elektrischen Strömen an die Stelle der einzelnen Teilchen (magnetischen Elementchen) eines Magnets gesetzt, wirkt in allen Beziehungen genau dasselbe wie dieser Magnet. Alle neuern Untersuchungen haben nur zur Stütze dieser Ampereschen Ansicht gedient. (S. Elektromagnetismus.) Die unter dem Namen M. zusammengefaßten Wirkungen übt ein Magnet nicht nur auf Eisen und Stahl, sondern auch auf einige andere Metalle, wie Nickel, Kobalt, Mangan u. s. w., aus; man nennt daher diese Metalle, welche von einem Magnet zufolge des in ihnen hervorgerufenen M. angezogen werden, magnetische Metalle (Paramagnete). Ein Magnet übt außerdem auch auf gewisse Körper, z. B. Wismut, Antimon, Zink, Zinn u. s. w. Abstoßung aus; man bezeichnet dieselbe mit dem Namen des Diamagnetismus (s. d.). Diese diamagnetische Einwirkung wird auch noch sichtbar durch die Drehung, welche ein polarisierter Lichtstrahl bei seinem Gange durch einen vor den Polen eines Magnets angebrachten durchsichtigen Körper erleidet. In Deutschland haben sich um die Ausbildung der Lehre vom M. außer A. von Humboldt, Gauß und W. Weber auch noch Pflücker, Wiedemann u. a. verdient gemacht. Vgl. Lamont, «„Handbuch des M.v (Lpz. 1867); Maxwell, Lehrbuch der Elektricität und des M.v Deutsch von Weinstein, 2 Bde., Berl. 1883); May, „Die Weltlitteratur der Elektricität und des M. von 1860—835 (Wien 1884).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 342Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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