Maistre (Joseph, Graf von), publizistischer und philos. Schriftsteller, geb. zu Chambery 1. April 1754, war seit 1788 piemontes. Senator, lebte nach der Vereinigung Savoyens mit Frankreich (1792) in Lausanne, wurde später von Karl Emanuel IV. nach Turin berufen, 1799 Großkanzler von Sardinien, 1802 Gesandter Sardiniens in Petersburg, 1817 Vorsteher der Großkanzlei und Staatsminister in Turin, wo er 26. Febr. 1821 starb. Als Schriftsteller trat er zuerst mit den «Considérations sur la Francen (Par. 1796) auf. Seine strenge Lehre vom theokratischen Despotismus entwickelte er in dem Essai sur les principes générateurs des constitutions politiqueso (Petersb. 1810; neue Ausg., Par. 1814) und vorzüglich in der Schrift Du pape (2 Bde., Lyon 1819; neue Ausg., 2 Bde., Par. 1875). Außerdem sind zu erwähnen: Les soirées de St.-Pétersbourg, ou entretiens sur le gouvernement temporel de la providencey (2 Bde., Par. 1821), De P'église gallicanen (Par. 1821 und Lyon 1845) und sein nachgelassenes Werk ExXxamen critique de la philosophie de Baconv (2 Bde., Par. 1836; neue Ausg., 2 Bde., 1864 —75). M. ging sowohl in seinen theol. wie in seinen polit. Ansichten von der Erbsünde aus, deren Sühnung die Lebensaufgabe des Menschen sei, und hieraus folgerte er, daß die Regierungen, welche den Menschen zur Buße anzuhalten haben, streng und absolut sein müßten. Nach seinem Tode erschienen die Lettres et opuscules inéditsb (2 Bde., Par. 1851; neue Ausg., 2 Bde., 1853—72). M.s Correspondance diplomatiquev gab Blanc heraus (2 Bde., Par. 1860). Seine (Oeuvreso erschienen in 4 Bänden (Lyon 1864) ebenso seine «Oeuyres posthumes v (Lyon 1864) Vgl. Glaser, Graf Joseph M.y (Berl. 1865).