Malaria (wörtlich: schlechte Luft, ital. Aria cattiva), Sumpfluft oder Sumpfmiasma, nennt man ursprünglich in Italien die manchen sumpfigen Gegenden (besonders den Maremmen an der Seeküste und den Pontinischen Sümpfen bei Rom) eigene, besonders fiebererzeugende Einwirkung auf lebende Organismen. Dersenige, welcher sich in solchen Gegenden, besonders nach Sonnenuntergang, der freien Luft aussetzt, wird sehr oft von Fieber befallen, und die Einheimischen hutgs zeigen oft ein bleiches, fahles, schlecht genährtes Aussehen und eine ungenügende körperliche und geistige Entwickelung. Einen ähnlichen Einfluß haben die Sümpfe auch in andern Gegenden, jedoch milder im Norden, giftiger hingegen in manchen Tropenländern, wo sie die dem Gelben Fieber verwandten Sumpffieberformen (Dschungelfieber etc.) hervorrufen. Es ist wahrscheinlich, daß die von den stehenden Wassern oder feuchtem Erdboden entwickelten, durch faulige Zersetzung pflanzlicher und tierischer Körper, welche in solchen Wassern leben, entstehenden schädlichen Luftarten die Ursache iener Erkrankungen sind. Auch wirken wahrscheinlich noch andere Momente mit, so die Feuchtigkeit der Luft selbst, die in ihr schwebenden Mikrokokken, so- wie das Trinken des matten, gasarmen und mit organischen Bestandteilen geschwängerten Wassers. Ein kaltes Klima, ein üppiger Pflanzenwuchs und die Kultur des Bodens vernichten das Sumpfmiasma. Üübrigens gibt es auch sumpflose Gegenden, wo ebenfalls eine sogenannte M. herrscht, z. B. Gibraltar, manche Gegenden, sogar Hochebenen in Italien und in Peru. Alle Urwälderboden entwickeln, nachdem sie urbar gemacht worden, in den ersten Jahren ein fiebererzeugendes Prinzip, das den ersten Ansiedlern oft sehr verderblich wird. Die Malariakrankheiten sind hauptsächlich Wechselfieber (sog. kalte Fieber) und in heißen Klimaten die mit nachlassendem (remittierendem) Charakter verlaufenden Tropenfieber. Außerdem kommt in solchen Gegenden ein langwieriges, schleichendes Siechtum mit Anschwellung der Milz, der Leber u. s. w. und Neigung zu Wassersuchten vor. Vgl. Aug. Hirsch, «Handbuch der histor.⸗geogr. Pathologies (Bd. 1, 2. Aufl., Stuttg. 1881).