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HeilkundeBrockhaus 1882

Miasma (grch.) nennt man denjenigen sich außerhalb des Tierkörpers im Boden entwickelnden und durch die Luft oder das Wasser verbreiteten Stoff, welcher bei seiner übertragung auf den tierischen oder menschlichen Organismus eine Krankheit erzeugt. Vom Kontagium (s. d.) unterscheidet er sich hauptsächlich durch seinen Ursprung, insofern dieses immer aus einem kranken tierischen Organismus stammt. Miasmatische Krankheiten (3. B. Wechselfieber) stecken daher nicht an, während dieses bei den kontagiösen der Fall ist. Man unterscheidet auch kontagiös-miasmatische Krankheiten (3. B. Gelbfieber, Cholera), bei welchen der Krankheitsstoff zwar von dem Kranken selbst stammt, aber erst eine weitere Entwickelung außerhalb des Organismus (im Boden, s. unter Grundwasser) erlangen muß, ehe er bei seiner Überpflanzung auf einen Gesunden die Krankheit zur Entwickelung bringen kann. In neuerer Zeit hat man alle diese Krankheiten als Infektionskrankheiten zusammengefaßt und sich genötigt gesehen, den strengen Unterschied zwischen M. und Kontagium, den man früher machte, fallen zu' lassen. Wiewohl die Stoffe, welche miasmatische Krankheiten hervorrufen, noch nicht dargestellt sind, so ist doch die Vermutung berechtigt, daß sie, wie die meisten Kontagien, nichts anderes sind als lebende, organisierte Gärungserreger. Nur diese Annahme erklärt alle dabei beobachteten Erscheinungen, wie die stoffliche Grundlage des Krankheitskeims, seine Vermehrung ins Unendliche, seine Entwickelung unter auch andern Gärungen günstigen Bedingungen (Feuchtigkeit, Wärme, Gegenwart mineralischer und organischer Nährstoffe), ferner das Inkubationsstadium, sowie die große Ähnlichkeit mancher Infektionskrankheiten mit verschiedenen, nachweislich durch parasitäre Pilze entstehenden Hautkrankheiten. Eine besondere Art des M. bildet die Malaria (s. d.), die Sumpfluft, unter deren Einfluß namentlich Wechselfieber und Gelbes Fieber entstehen. (S. Ansteckung, Endemie und Epidemie.)

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 693Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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