Malerei heißt diejenige bildende Kunst, welche das Schöne mittels der Linien und Farben auf Flächen darstellt. Von den bildenden Künsten ist die M. körperlich die beschränkteste, insofern sie wesentlich an die Fläche gebunden ist, geistig dagegen die freieste, weil sie auf dieser Fläche nicht blos den Schein der Körperlichkeit hervorzurufen, sondern auch Leben der Seele wiederzugeben fähig ist. Sie erstreckt sich auf alle Gebiete des Sichtbaren, Menschen⸗, Thierleben und landschaftliche Natur. Die Fläche, welche der M. zur Grundlage dient, ist entweder die von der Baukunst gegebene Wand (monumentale M.) oder die eigens aus Holz oder Leinwand u. s. w. hergestellte (Staffelei⸗, Tafelmalerei). Die Mittel der Bemalung bestehen aus zerriebenen, aufgelösten Körpern (Malerfarben). Die verschiedene Art des äußern Verfahrens ergibt die Freskomalerei (s. d.), die Enkaustik (I. d.), die Glasmalerei (. d.), die Olmalerei (s. d.), die M. mit Wasserfarben (s. d.). Das technisch-künstlerische Verfahren beginnt mit der Zeichnung, die den Schein der Form durch den Umriß auf die Fläche zieht, aber durch Verkürzung und Linearperspektive aus den Grenzen der Plastik heraustritt. Zur weitern Herstellung des vollen räumlichen Scheins dient die Licht⸗ und Schattengebung, die zur Modellierung und zum Helldunkel (Clairobscur) fortzuschreiten hat. Vereinigt mit der Linearperspektive wirkt die Luftperspektive, deren Entfernungsgrade durch Vorder⸗, Mittel⸗ und Hintergrund bezeichnet werden. Endlich kommt durch die Farbengebung das Wesen der M. voll zur Erscheinung. Die notwendige Haupteigenschaft des guten Gemäldes besteht in der harmonischen Verbindung und Vermittelung der Grundfarben unter Maßgabe klarer und bestimmter Lichtführung. Wie alle höhere Kunstthätigkeit, so ist auch die M. ursprünglich vom religiösen Bedürfnis ausgegangen. Gegenwärtig werden sämtliche Außerungen der malerischen Phantasie nach dem Gesichtspunkte der Historie und des Genre eingeteilt. Die Historische Malerei (s. d.) hat es nicht bloß mit bestimmten Personen der Geschichte zu thun, sondern umfaßt ebenso die religiöse wie die mytholog. Stoffwelt und unterscheidet sich nur durch die Auffassung von der Genremalerei (s. d.), welche auf die Schilderung von Individuen als Typen der Gattung ausgeht. Eine Mittelstellung nimmt das Porträt (s. d.) ein. Als Fächer der Genremalerei unterscheidet man die Landschaftsmalerei (s. d.), das Tierstück, die Architekturmalerei (s. d.), das Blumen⸗ und Fruchtstück (s. Blumenmalerei), endlich das Stillleben (s. d.). Geschichte der Malerei. Der Orient verharrte und verharrt größtenteils noch heute auf der Vorstufe der mit Farbe ausgefüllten Umrißzeichnung, ohne Kenntnis der Perspektive, wenngleich nicht ohne Charakteristik der äußern menschlichen Form in ihren verschiedenen Zuständen und Thätigkeiten. Auf eine hohe Stufe der Vollendung gelangte die M. erst bei den Griechen. über die riechische und die von diesen abhängige römische Malerei s. unter Griechische Kunst. Im Zustande des Verfalls wurde die antike M. dem Christentum dienstbar gemacht, und dieses entlehnte anfänglich die spätröm. Typen zum Ausdruck der neuen Glaubensvorstellungen (Katakomben). Während jedoch die Byzantinische Kunst (s. d.) das antike Erbe in der Erstarrung bewahrte, vollzog sich seit Ende des 13. Jahrh. in Italien ein neuer Aufschwung des Phantasielebens, welcher sich der M. als seines spezifischen Ausdrucksmittels bemächtigte. (S. Italienische Kunst.) In den Niederlanden und in Deutschland geriet die Entfaltung der M., welche besonders durch die Verfeinerung des Bindemittels (s. Slmalerei) einen großen Vorsprung vor der italienischen gewann und fördernd auf diese zurückwirkte (s. Deutsche Kunst), nach Dürer ins Stocken, doch tritt im 16. und 17. Jahrh. die Niederländische und die Holländische Schule (s. Niederländische Kunst) in neuer Form ins Leben, jene in großartigem Naturalismus, diese in Pflege der Kabinettsmalerei; in derselben Zeit erblüht die Spanische Schule (s. Spanische Kunst), welche einen glühenden Mystizismus und realistischen Lebenssinn gleichmäßig zur Geltung bringt. Jene Pflege der getrennten Darstellungskreise, welche besonders die Holländische Schule betrieb, sicherte einem gesunden Realismus die feste Stelle inmitten des Verfalls der Kunst in der letzten Zeit des 17. und der größern Hälfte des 18. Jahrh. Unter dem Einfluß der großen Bewegung der Geister zu Ende des Jahrhunderts wurde die antike Form wieder zur mustergültigen Regel erhoben. In erster Linie suchte die franz. Kunst durch David dies Prinzip einzuführen, aber in der Einschränkung auf das röm. Vorbild und unter ziemlich einseitiger Nachahmung desselben. Die Wiederbelebung des klassisch-griech. Kunstgeistes war dem Deutschen Carstens vorbehalten. Im Kampfe gegen die Einseitigkeit des Klassizismus tritt dann die nicht minder einseitige neudeutschromantisch-religiöse Richtung auf, deren Hauptvertreter Overbeck ist, während sich Cornelius zu einer höhern Vereinigung hinanarbeitet und Haupt der ältern Münchener Schule wird. Die jüngere Münchener Schule wird durch Kaulbach und Piloty vertreten. (S. Deutsche Kunst.) Franzosen und Belgier brechen mit dem franz. Klassizismus und pflegen den Deutschen gegenüber, welche Zeichnung, lineare Komposition und die Idee bevorzugt haben, den Realismus und die Farbe. Sie gaben den Aabren für die fast allenthalben seit den vierziger Jahren des 19. Jahrh. durchbrechende realistische oder koloristische Richtung der modernen M. (S. Französische Kunst und Englische Kunst.) Vgl. Vischer, Asthetik» (3 Bde., Stuttg. 1846 —57); Carriere, «Asthetiko (3. Aufl., Lpz. 1885); Unger, Das Wesen der M.» (Opz. 1851); Crowe und Cavalcaselle, «Geschichte der italienischen M.» (deutsch von Jordan, 6 Bde., Lpz. 1869—76); dieselben, 4Geschichte der altniederländischen M.v (deutsche Ausg. von Springer, Lpz. 1875); Teichlein, „Louis Gallait und die M. in Deutschlando (Münch. 1853); Kugler, «Geschichte der M.y (2 Bde., Berl. 1837; 2. Aufl., von Burckhardt, 1847), sowie die Werke von Schnaase, Waagen, Passavant, Förster, Woltmann, Wörmann, Lübke.