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Bildende KunstBrockhaus 1882

Mosaik (opus musivum, von museum, die nähere Ableitung ist zweifelhaft) ist die Kunst, flache Verzierungen oder Bilder durch die mechan. Zusammensetzung verschieden gefärbter harter Stücke hervorzubringen. Zum Unterschiede von ähnlichen Arbeiten in Holz (. Marqueterie) beschränkt man die eigentliche M. auf Zusammensetzungen aus farbigen Steinen oder deren Ersatz, insbesondere Glas. Obwohl im allgemeinen die Technik dieselbe ist, nämlich die gefärbten Stücke so auf eine Unterlage (resp. auf Wand⸗ und Fußboden) zu setzen und durch Kitt zu binden, daß sie eine bestimmte gewünschte Zeichnung ergeben, deren Oberfläche sodann geebnet und poliert wird, so gibt es doch verschiedene Methoden des Verfahrens und danach überhaupt verschiedene Arten der M., die nacheinander und nebeneinander Anwendung fanden. Die hauptsächlichsten Arten sind die Marmormosaik des Altertums, die Glasmosaik des Mittelalters, die Fliesenmosaik des Mittelalters und aus neuerer Zeit die florentiner Art und die römische Art. Die antike M. aus farbigen Marmorstücken und andern Steinarten reicht in sehr hohes Altertum hinauf und hat gewiß ihren Ursprung aus der Belegung des Fußbodens mit regelmäßigen Marmorfliesen in farbigem Wechsel genommen. Aus dem regelmäßigen geometr. Muster wurden ornamentale Zeichnungen mit Einfügung von Fi guren, danach ganze Gemälde, die durch die Zusam menfügung kleiner, der Zeichnung folgender Stein chen hergestellt wurden. Die Blütezeit fällt in di letzten Jahrhunderte vor Christo und in die röm Kaiserepoche. (S. Tafel: Mosaik, Fig. 1.) Berühm ist das aungefegte Zimmero des Sosos bei Könit Attalos von Pergamum, dessen Fußboden mit der wie zufällig verstreuten Abfällen der Tafel verzier. war, sowie das oft wiederholte Mosaikbild: die au dem Rande einer Schale sitzenden und trinkender Tauben. Die bedeutendste erhaltene Leistung, über haupt der antiken Malerei und der M. insbesondere ist die in Pompeji aufgefundene sog. Alexander schlacht, jetzt in Neapel. (S. Fig. 2.) Andere Bei spiele finden sich in verschiedenen Museen; viele der röm. Kaiserzeit sind am Rhein, zu Salzburg und anderswo in den Provinzen aufgefunden worden. Diese griech.⸗röm. Fußbodenmosaik in Marmor ging nach Byzanz hinüber und von da zu den Arabern, bei denen sie sich in ornamentaler Weise erhielt. Als Wandverzierung, ebenfalls in geometrisch-ornamentaler Art, blühte sie in den italischen Kirchen weiter und bildete den Schmuck im Außern wie im Innern (Florenz: San-Minigto, Dom, Baptisterium u. s. w.; s. Fig. 3 u. 4). Von den Arabern wurde sie statt in Marmor auch in Thonfliesen (Azulejos) geübt, die Glasur und Musterung hatten. Von ihnen erhielten sie die christl. Völker nordwärts der Alpen, die sie im Mittelalter mit Glasur oder ohne Glasur mit vertieft eingegrabenen Ornamenten übten. Die Bestandteile sind meist kleine viereckige Platten. Während die antike Marmormosaik so als eine mehr ornamentale Kunst in das Mittelalter hinüberging, erhob sich in frühchristl. Zeit als Wandschmuck der Kirchen die Glasmosaik mit großen Figuren von Heiligen auf goldenem Grunde. (S. Fig. 5—7.) Die Bestandteile waren kleine, in der Masse gefärbte, somit unveränderliche Glaswürfel; die goldenen waren dadurch hergestellt, daß ein Goldplättchen zwischen zwei Glasschichten angeschmolzen war. Diese Art dauerte von der frühen christl. Zeit (Ravenna, Byzanz, Rom, Palermo, Monreale, Venedig) bis in das 16. Jahrh., doch trat sie vor der erblühenden Wandmalerei der Frührenaissance schon zurück. Bis in die neuere Zeit sodann gänzlich außer Üübung, wurde sie in neuester Zeit gelegentlich der Restauration der Glasmosaiken in der Markuskirche zu Venedig durch Salviati wieder ins Leben gerufen und findet bereits vielfache Anwendung, so zumal in England in größerm Maßstabe. Auch Sevres und Innsbruck bemühen sich gegenwärtig um diese Kunst. Eine Nebenart der Glasmosaik ist die ornamentale, stark orientalisierende Art, welche im 13. und 14. Jahrh. die sog. Kosmaten in Italien übten. Die Bestandteile, kleine regelmäßige Stücke, welche geometr. Zeichnung bilden und Säulen und anderes überziehen, sind farbige Steine und Glas gemischt. Beispiele gibt es in Line neue, sehr schwierige und mühselige Art bildete sich zu Florenz unter den spätern seit dem 16. Jahrh. aus, daher die florentiner Art genannt oder die M. in pietra dura; meist Tischplatten, Füllstücke von Kasten und Kassetten, überhaupt nicht von größerm Umfange. Ursprünglich wurden die Gegenstände aus bunten oder edeln Steinarten mehr zusammengesetzt, später aber und so heute mehr eingelegt. Aus einer großen, meist dunkeln Platte wird die Zeichnung ausgesägt und die farbigen Steine nach den Contouren mit möglichster Schärfe und Genauigkeit eingesetzt. Die Gegenstände der Zeichnung sind heute gewöhnlich Blumen, Vögel, Ornamente. Eine Erweiterung dieser Technik ist die farbige musivische Marmorbekleidung der innern Kirchenarchitektur in vielen Kirchen Italiens, so in der Peterskirche in Rom und San-Martino in Neapel. Die Kunst blüht noch heute vorzugsweise in Florenz. Schon am Ende des 16. Jahrh. ging sie mit florentin. Künstlern nach Indien, wo sie von den Großmoguln zu „Delhi in ihren Pa lästen, Moscheen und Grabmonumenten in großartigster Weise auf einem Grunde rvon weißem Marmor angewendet wurde. Während die florentiner Art mit den farbigen Steinen genan den Linien der Zeichnung folgt und sie danach schneidet und schleift, verwendet die neben ihr heute blühende sog. römische Art winzig kleine, unregelmäßige Stückchen von Stein oder Glas, deren Oberfläche dann meist abgeschliffen und poliert wird. Obwol man ganze, übrigens nicht große Gemälde daraus macht, ist die hauptsächlichste Anwendung davon heute zu Schmuckartikeln aller Art. Ihr Hauptsitz ist die päpsil. Fabrik in Rom, doch übt man diese Technik auch in Florenz und Venedig. lberhaupt bemüht man sich heute, die M. an verschiedenen Orten und in verschiedenen Arten, insbesondere auch mit Rel. Bu Fliesen (England), wieder zu beleben. Vgl. Bucher, 4Geschichte der technischen Künster (Bd. 1, Stuttg. 1875); Gerspach, La Mosaiques (Par. 1881).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 881Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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