FeedMalerfarben sind diejenigen Substanzen
Bildende KunstBrockhaus 1882

Malerfarben sind diejenigen Substanzen, mit deren Hilfe die Maler den Gegenständen ihrer Darstellung die Farbe geben. Das Altertum hielt bis auf Apelles die sog. vier Farben fest, welche als ebenso viele Hauptmaterialien durch Verschiedenheit in sich und Mischung mannigfache Farben zu bilden fähig waren. Diese vier Farben waren: Weiß, eine Erde aus Melas, Rot, eine Erde aus Kappadocien, Gelb aus attischen Silberbergwerken und Schwarz aus schwarzgebrannten Pflanzen, z. B. Weintrebern. Später kamen neben diesen strengen Farben (austeri colores) noch glänzendere (floridi) auf. Zu diesen gehört das Grün aus Kupferbergwerken, der Saft der Purpurschnecke, Indig seit der Kaiserzeit, die blaue Smalte (caeruleum) aus Alexandria u. s. w. Man brauchte diese Farben in Wasser suspendiert mit einem Zusatz von Leim und Gummi. Die enkaustische Malerei wurde bei den Alten mit Wachsfarben ausgeübt. Bei der Vasenmalerei kam am meisten die schwarzbraune, aus Eisenoxyd bereitete Farbe zur Anwendung. Vgl. Knirim, „Die endlich entdeckte wahre Malertechnik des Altertums und Mittelalterso (Lpz. 1845). Der Olmalerei liefern das Mineralreich und die moderne Chemie prächtige und haltbare Farben in jeder gewünschten Nuance. Der Maler reibt diese Farben, damit sie um so weniger sich in den unterliegenden Grund einziehen, mit irgend einer Flüssigkeit, die leicht trocknet und die Farbe nicht verändert, an und trägt sie dann auf. Diese Flüssigkeit ist entweder wässerig (Gummiwasser oder Seifenspiritus) oder fettig (die trocknenden Hle des Mohn⸗ oder Leinsamens). Die M. sind Metalloxyde oder Schwefelmetalle, wie Kupferoxydhydrat, Schwefelkupfer (für blau), gelbes Schwefelcadmium, Zinnober, Bleiweiß, Zinkweiß, Eisenoryd und gewisse Erdfarben, oder Thonerde⸗ und Zinnoxydlacke, in denen die färbenden Bestandteile Karmin, Brasilin, Alizarin u. s. w. sind. Von den modernen Teerfarbstoffen sind in Bezug auf Farbenbeständigkeit nur wenige als M. geeignet. Die M. müssen vor dem Reiben in El geschlemmt werden. Nach dem Reiben bilden sie eine weiche Masse, die in kleinen Beutelchen von Schweinsblase, jetzt meist in Zinntuben, verkauft wird. Deckfarben nenntman solche, womit andere gedeckt oder verborgen, Lasurfarben dagegen solche, welche an sich durchsichtig sind oder so dünn aufgetragen werden, daß die untere Farbe darunter hervorleuchtet. Bei der Porzellan⸗ und Glasmalerei dürfen nur metallische Farben angewendet werden, die im Feuer nicht flüchtig und nicht veränderlich sind. Vgl. Stieglitz, küber die M. der Griechen und Römery (Lpz. 1817); Völker, Die Kunst der Malereiv (Lpz. 1852); Gentele, Lehrbuch der Farben⸗

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 383Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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