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TierreichBrockhaus 1882

Mandingo, eigentlich Wangarawa (Singular Wangara) oder Wakore, eins der verbreitetsten Negervölker Westafrikas, stammt aus dem 1100 km von der Küste entfernten Bergländ-Ichen Manding an den östlichsten Quellarmen des Senegal und am obern Niger, hat sich aber von dort aus teils infolge von Eroberungen, teils durch friedliche Auswanderungen allmählich, wie am Riger gegen Nordosten, so am Senegal und Gambia abwärts gegen Westen und Südwesten in das Küstenland verbreitet, sodaß die M. in Senegambien schon am Casamansa und Rio Grande, in Guineg sogar vom Pongo südostwärts bis zum Kap Mesurado oder längs der Küste von Sierra Leone gefunden werden und ihre Sprache von der Senegalküste bis nach Segu am Niger die herrschende Umgangssprache ist. In Senegambien bilden die M. der Zahl und Verbreitung nach das bedeutendste Volk. Ihre Gesamtzahl schätzt Barth auf 6—8 Mill. Ihre Gesichtsbildung ist regelmäßiger als bei den gewöhnlichen Regern, ihr Geist ausgebildet und scharf, besonders bei den mohammed. Stämmen, ihr Wuchs hoch, schlank, proportioniert, ihr Haar jedoch ganz wollig, ihre Lippen dick und ihre Nase platt. Die mohammedanischen M. sind die eifrigsten Anhänger des Jslam und haben zu dessen Ausbreitung viel beigetragen. Sie sind der mäßigste, arbeitsamste und intelligenteste Teil der Bevölkerung Senegambiens und zeichnen sich zugleich durch Sitten, Industrie und Handelsthätigkeit aus, während ihre heidnischen Stammgenossen roh blieben. Einst hatten die M. das mächtige Königreich Melle gegründet, weshalb sie sich auch Mallinke nennen. Die namhaftesten ihrer zahlreichen Landschaften und teils monarchischen, teils republikanischen Staaten sind außer Bambara im äußersten Osten am mittlern Niger und Bambuk zwischen dem Senegal und Falemé folgende: Manding, mit der volkreichen befestigten Stadt Bangassi;: Ka arta; weiter im Nordosten El-Hodh oder das weite Gebiet der Assuanek, die von den Franzosen Serracolets genannt werden; Dentilia, vom Gambia nordwärts bis zum Falemé, mit dem Handelsorte Dschulifunda, dessen 2000 E. vorzugsweise Kommissionäre der europ. Komptoirs Senegambiens sind; Ouli am Gambia, mit der Hauptstadt Medina und mit Fattatenda, einem der ältesten und entferntesten Stapelplätze des europ. Binnenhandels; Niani, nördlich am Gambia, mit der jetzt aufgegebenen engl. Faktorei Pisania, von wo aus Mungo Park seine beiden Reisen zur Erforschung des Niger begann; Barra. Verwandte der M. sind, außer den Bambaras, die Susu, welche lichter sein sollen als die M.,! und an der Küste zwischen dem Rio Nußez und Scarcies wohnen, und die Vei, im Südwesten der Susu. Die Sprachen dieser Völker bilden einen eigenen Sprachstamm. Vgl. Steinthal, «Die Mande-Negersprachenv (Berl. 1867); F. Müller, «Grundriß der Sprachwissenschafte (Bd. 1, Wien 1877).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 403Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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