FeedMantua lital. Mantöva)
ErdkundeBrockhaus 1882

Mantua lital. Mantöva), Hauptstadt eines ehemaligen Herzogtums in Oberitalien, jetzt Hauptstadt einer lombard. Provinz Italiens, zugleich eine wichtige Festung, Station der Linien Avio-M., Modena-M. und Cremona-M. der Oberitalienischen Eisenbahnen, liegt 37 km südlich von Verona, au einer Insel im Mincio, welcher hier mehrere Arme und sehr morastige Ufer hat und zugleich einen Landsee bildet, der sich auf der Nord- und Ostseite um die Stadt zieht, während dieselbe im Westen und Süden vom Mincio und einer breiten Sumpfstrecke umgeben ist. In diesen westl. Sümpfen liegt das abgesonderte Hornwerk Pradella, an der Südseite die stark befestigte Insel Cerese oder Il-Te und zugleich das Außenwerk Miglioretto, welches ein verschanztes Lager deckt und ein gewaltiges Schleusenwerk zu überschwemmungen des Terrains, deren Rayon durch das starke Fort Pietola (gleichnamig einem in die Festungslinie hereingezogenen Dorfe, welches für das ehemalige Andes, den Geburtsort Virgils, gilt) als Außenwerk gedeckt wird. Die Nordseite gegen Verona zu oder die Vorstadt Borgo di Fortezza, zu welcher über den See ein 436 m langer, starker Damm (Argine Mulino) führt, wird durch die große Citadelle di Porto, die Ostseite oder die Vorstadt Borgo di San-Giorgio aber, wohin eine 853 mlange, durch sechs Bastionen und zwei Strandbatterien verteidigte Steinbrücke führt, durch das Fort San-Giorgio gedeckt. Die Stadt selbst, welche (1881) 29 974 E. zählt, ist nur von einer alten bastionierten Mauer umgeben, nicht gut gebaut und wegen ihrer sumpfigen Lage und schlechten Wassers ein sehr ungesunder Aufenthalt. Merkwürdige Gebäude sind: die alte, sehr weitläufige herzogl. Burg (Palazzo vecchio), einer der größten Paläste Europas, jetzt teilweise Kaserne, mit dem sog. Appartamento di Troja, welches Fresken von Mantegna und Giulio Romand enthält; ferner der berühmte, größtenteils von Giulio Romando erbaute Palast del Te (abgekürzt aus «Tajettoo) vor dem südl. Thore, der Justizpalast, die Gebäude der 1625 gestifteten, aber längst eingegangenen Universität, das Zeughaus, das elegante Theater, das schöne ovale Tagestheater oder Amtiteatro, die Kathedrale, die großartige Kirche San-Andrea mit einer prachtvollen, 78 mehohen Kuppel, einem freistehenden got. Glockenturm und Statuen von Canova, die Kirche San-Barnaba mit bleigedeckter Kuppel und andere Kirchen, die fast alle, wie mehrere andere öffentliche Gebäude, Gemälde von Mantegna, G. Romano u. a. enthalten. Von öffentlichen Anstalten besitzt M. eine theol. Lehranstalt, zwei Gymnasien, eine Haupt⸗ und Unterrealschule, eine Akademie der Wissenschaften und Künste (Vergiliana) mit einer Gemälde-und Antikensammlung, einen botan. Garten, eine Sternwarte, eine reichhaltige öffentliche Bibliothek von 800000 Bänden und ein durch viele Denkwürdigkeiten ausgezeichnetes Museum. Ferner befinden sich hier ein großes Militärhospital, ein Stadtkrankenhaus mit Irrenanstalt und Findelhaus, zwei Waisenhäuser, ein Leihamt, eine Arbeits-und Versorgungsanstalt, ein allgemeines Strafhaus, Unterkunft für 30—40000 Soldaten u. s. w. Die Bevölkerung treibt außer den gewöhnlichen Gewerben bedeutende Gerberei und Handel mit Seide. Die Stadt soll schon von Kark d. Gr. befestigt worden sein und teilte das Schicksal des Herzogtums. Als die Kaiserlichen 18. Juli 1630 sich mit stürmender Hand ihrer bemeisterten, wurde sie furchtbar verwüstet und ihrer kostbarsten Werke beraubt. Zwar erholte sie sich nachher wieder; doch seitdem sie aufgehört hatte, Residenz zu sein, kam sie allmählich mehr und mehr in Verfall. Sie wurde 1796 von den Franzosen blockiert und durch WurmsersKapitulation 2. Febr. 1797 erobert, 1799 von den Osterreichern unter Kray durch eine förmliche Belagerung denselben wieder entrissen, im Anfang des J. 1801 aber von neuem den Franzosen übergeben. Nach dem Pariser Frieden von 1814 räumten die Franzosen M. ohne Widerstand. Das Gebiet des ehemaligen Herzogtums

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 423Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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