Manzöni (Alessandro), einer der berühmtesten neuern ital. Dichter, der Begründer und das Haupt der romantischen Schule Italiens, geb. zu Mailand 7. März 1785, stammte väterlicherseits aus gräfl. Familie, mütterlicherseits vom berühmten Cesare Beccaria, dessen geistvolle Tochter seine Mutter war. Zunächst machte er sich bekannt durch eine Elegie auf den Tod seines Lehrers Carlo Imbonati (Versi scioltio, Par. 1806), sowie durch ein allegorisches Gedicht: Uraniap (1807), eine Verherrlichung der Poesie. Aber erst mit den Inni sacris (1810) schlug er originelle Töne an und schuf eine neue Art der Lyrik. Seit seiner Vermählung mit der Tochter des genfer Bankiers Blondel, welche bald darauf zur röm. Kirche übertrat, wandte sich M. mehr und mehr der strengkath. Richtung zu und ward der eifrigste Kämpfer für die orthodoxe Kirche und das mittelalterliche Papsttum. Hiervon legen seine „Osservazioni sulla morale cattolicao (1819 u. öfter; deutsch von Orsbach, Köln 1835) ein beredtes Zeugnis ab. Seine Tragödie II conte di Carmagnolas (Mail. 1820; deutsch von Arnold, Gotha 1824), worin er das Söldnertum des 15. Jahrh. schildert, fand auch außerhalb Italiens großen Beifall. Ihr folgte die Tragödie Adelchis (Mail. 1823; deutsch von Schlosser, 2. Aufl., Heidelb. 1856), eine Schilderung des Sturzes der Longobardenherrschaft durch Karl d. Gr. Zur Erhöhung seines Ruhms trugen auch seine kleinen Gedichte, darunter namentlich die Ode auf Napoleons Tod: I cinque Maggiop (1823; deutsch von Goethe und andern), nicht wenig bei. Das größte Aufsehen erregte aber sein histor. Roman: I Promessi Sposi. Storia Milanese del secolo XVIIo (3 Bde., Mail. 1825 —26; seitdem etwa 200 mal gedruckt; deutsch unter dem Titel Die Verlobteno, von Bülow, 3. Aufl., 2 Bde., Lpz. 1855; Leßmann, 3 Bde., Berl. 1827—28; neue Aufl., 2 Tle., Lpz. 1873, und mit litterarhistor. Einleitung über M. von Clarus, 2. Aufl. 1867). Dieser Roman, wesentlich die Geschichte zweier armen Liebenden vom Comersee, Renzo und Lucia, ist eine beredte Verherrlichung der kath. Kirche und ihrer Priester und reich an Sitten- und Charakterbildern von histor. Treue und meisterhafter Anschaulichkeit, wie z. B. die unübertreffliche Darstellung der Zustände Mailands während der Pest von 1630. Später erschien das Werk von M. selbst vielfältig, doch ausschließlich nur im Stile umgearbeitet (3 Tle., Mail. 1840) mit einem Anhange: «Storia della Colonna infamey, eine Ehrenrettung der während der Pest zu Mailand als Urheber derselben Hingerichteten. In seinen spätern Jahren befaßte sich M. vorzüglich mit philol. Studien. Im J. 1860 ward er zum Senator des Königreichs Italien ernannt; aber nur zweimal erschien er in der Versammlung. Er starb zu Mailand in der Nacht vom 22. zum 3. Mai 1873. Seine «Operes gab zuerst, mit kritischen Bemerkungen versehen, Nicold Tommaseo heraus (5 Bde., Flor. 1828—29); seither sind sie oft aufgelegt worden (beste und vollständigste Ausg., 3 Bde., Mail. 1872). Sforza gab M.s WLettere in gran parte inedites (Mail. 1875) heraus. Vismara veröffentlichte eine «Bibliografia Manzoniana (Tur. 1875). Vgl. Sauer, «Alessandro M. Eine Studies (2. Aufl., Prag 1872): Balbiani, Alessandro M. esi suoi scrittio (Mail. 1873); Bersezio, KAlessandro M. Studio biografico e criticoo (Tur. 1873); Stoppani, I primi anni di Alessandro M.v(Mail. 1874); Prina, Alessandro M. Studio biografico e criticoo (Mail. 1874); Pugni, Alessandro M. Notizie biografiches (Zür. 1876); Fenini, M. und Guerazzi» (aus dem Italienischen von Kitt, Mail. 1876).