FeedAmazonas oder Alto-Amazonas
ErdkundeBrockhaus 1882

Amazonas oder Alto-Amazonas, größte Provinz des Kaisertums Brasilien, umfaßt das obere Gebiet des Amgzonenstroms bis an die Grenzen von Bolivia, Peru, Ecuador, Columbia und Venezuela. Sie wurde 1850 aus dem n. größern Teile der alten Provinz Para gebildet und zählt (1872) auf 1897020 akm (ein Fünftel des Kaisertums) nur 56 631 weiße E. und 979 Sklaven nebst etwa ebenso viel unabhängigen Indianern, welche in unermeßlichen Llanos und Urwäldern umherschweifen, die Ardaquis, Maousi, Maypures u. a., also erst 1 CE. auf etwa 18 qkm. Fast die ganze Provinz ist eine große Alluvialebene, nur an der Nordgrenze Iihr6 sich Ausläufer der Gebirge von Guiana in ihr Gebiet hinein und bilden zum Teil als Serra de Pacaraina die Grenze gegen Venezuela. In den gewaltigen Flußniederungen ragen einzelne Felsenhügel auf. Die Provinz bildet einen fast ununterbrochenen Urwald; ihre Bewässerung ist ohnegleichen auf der Erde, in D ganzen Ausdehnung von Westen nach Osten durchfließt sie der Amazonenstrom, der Pur seine größten Zuflüsse, den Rio-Negro, Jurua, urs und Madeira empfängt. Die Kultur ist in dieser Provinz noch sehr gering. Da die Arbeitskraft der geringen Bevölkerung vom Einsammeln der überreichlichen Naturprodukte in Anspruch genommen wird, so ist Ackerbau, Viehzucht und Industrie kaum in schwachen Anfängen vorhanden. Die Ausfuhrprodukte der Provinz sind Baumwolle mit Kernen, tierisches öl, Gummi, Kakao, Balsame, Sassaparille u. s. w. Von der Eröffnung der natürlichen Verkehrswege der . it bei ihrem großen Reichtum an Naturprodukten eine bedeutende Hebung des Handels und der Kultur zu erwarten. Der Amazonenstrom, der Purus und der Rio-Negro werden mit Dampfern befahren. Das Klima ist sehr heiß und feucht, aber ziemlich gesund; Fieber sind wegen Benutzung schlechten Trinkwassers nicht selten. Die Hauptstadt ist Manaos, früher Barra do Rio-Negro genannt. Sie liegt unter 3 denh Br. am linken Ufer des Rio-Negro, 15 km oberhalb seiner Mündung in den Amazonenstrom, wird durch ein Fort verteidigt, ist Sitz des Präsidenten und eines Municipalgerichts, hat ein Lyceum mit Bibliothek und zählt 5000 E. Die Stadt ist das Depot der Landesprodukte, die von hier nach Para gehen, und bildet die Hauptstation der Dampfschiffahrt auf dem Amazonenstrom (s. d.). Die übrigen Orte des Landes sind meistens ärmliche Dörfer oder amerik. Freistaates Peru. Dasselbe grenzt im W. an das Depart. Caxamarca, im S. an das Depart. Libertad, im N. an Ecuador, im O. an das Depart. Loreto und hat (1876) auf 34115 gkm eine Bevölkerung von 34245 Seelen. A. umfaßt einen kleinen Teil der Central⸗ und Ostcordillere und besteht zum größern Teil aus Ebenen; die den Hewo ist sehr reichlich. Hauptbeschäftigung der Bewohner ist Landbau; Erzeugnisse der Industrie sind Strohhüte und Hängematten. Hauptstadt des Departements ist C achapoy as mit (1876) 3366 E. Das Departement zerfällt in die beiden Provinzen Chachapoyas und Mainas. — A. heißt auch ein Territorium der Vereinigten Staaten von Venezuela von 265626 àkm mit (1873) 23048 E., außer etwa 15000 Indianern.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 523Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 3

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Erdkunde 6