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ErdkundeBrockhaus 1882

Maracaibo, Meerbusen und Stadt an der Nordküste von Südamerika. Der herrliche Golf de Maracaibo, auch Saco de Maracaibo und Golfo de Venezuela genannt, breitet sich zwischen der Halbinsel Goajiro und der zu Venezuela gehörigen Halbinsel Paraguana aus. Durch einen nur 1590 m breiten, jedoch für Seeschiffe fahrbaren Kanal, die sog. Barra de Maracaibo, steht der Golf im Süden in Verbindung mit der La guna de Maracaibo, gewöhnlich der Sack genannt, einem Brackwassersee von 16 769 AKkm Oberfläche. Die Stadt Maracaibo, Hauptort des Staates Zulia in der südamerik. Republik Venezuela, liegt westlich am Nordende des Sees, gewährt im ganzen ein hübsches Ansehen und beginnt sich neuerdings mit dem Aufblühen des auswärtigen Handels sehr zu heben. An wissenschaftlichen Anstalten besitzt M. ein Nationalkollegium, eine nautische und mehrere andere Schulen. Viel mehr Bedeutung hatte das ehemalige Jesuitenkollegium, das erste in Veneczuela, welches die Stadt zum Hauptsitz der Gelehrsamkeit der Capitania von Caräcas machte. Der Hafen ist völlig sicher, der Eingang für große Schiffe aber etwas schwierig. Die am Eingange des Sees erbauten Festungswerke schützen den Hasen. Die Einwohner, deren Zahl sich 1881 auf 22 224 belief, treiben großenteils Handel, Seefahrt und Schiffbau und unterhalten namentlich starken Verkehr mit Westindien. Neuerdings hat auch der direkte Verkehr mit Europa und den Vereinigten Staaten von Amerika sehr zugenommen, und es bildet M. einen wichtigen Stapelplatz für Venezuela und Columbien. Hauptausfuhrartikel sind Kaffee, Kakao, Häute, Gelbholz, Dividivi, Kopaivabalsam, Fischblasen, Caßafistula, Droguen, Zucker, Rum, Vieh aus Goajiro. Im Nordwesten der Stadt bildet die Laguna de Sinamaica den schönsten Landsee der Provinz, an dessen Ufer die Indianer jetzt noch, wie ihre Vorfahren, ihre Wohnungen auf Pfählen erbauen, infolge dessen das Land den Namen Venezuela (Kleinvenedig) erhielt. M. wurde 1571 von Alonzo Pacheco an derselben Stelle gegründet, auf welcher schon der Entdecker des Sees, der Deutsche Ambrosius Alfinger, 1529 einige Häuser unter dem Namen Nueva-Zamora erbaut hatte. Die Stadt wurde wiederholt von den Indianern und später von den Flibustiern erobert und geplündert. In den Unabhängigkeitskämpfen litt M. außerordentlich und wurde von den Spaniern erst 9. Nov. 1823 nach tapferer Verteidigung durch Kapitulation geräumt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 428Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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