Marat (Jean Paul), eins der fanatischsten Häupter der Französischen Revolution, geb. 24. Mai 1744 zu Boudry im Fürstentum Neuchätel, widmete sich der Arzneikunst und Physik, war dann zu Edinburgh franz. Sprachlehrer und gab daselbst 1774 eine revolutionäre Schrift: The chains of slaveryo, heraus, die er später auch in franz. Sprache (Les chaines de L'esclavagen, Par. 1792 u. öfter) erscheinen ließ. Ein anderes Werk: De hommer (3 Bde., Amsterd. 1775), verwickelte ihn in einen langen Streit mit Voltaire. Durch mehrere physik. Schriften über das Feuer, das Licht und die Elektricität (1779—82), die auch von Weigel ins Deutsche übersetzt wurden (Lpz. 1782—84), suchte er besonders Newton zu widerlegen. Schließlich ließ er sich als Arzt in Paris nieder und erhielt hier eine Anstellung als Stallarzt beim Grafen von Artois. Beim Ausbruch der Revolution zeigte er sich sogleich als wilden Demagogen. Sein Einfluß auf die niedere Klasse stieg, als er 12. Dez. 1789 den Publiciste Parisieno herausgab, den er einige Monate später in den «Ami du peuples umwandelte. In diesem Volksblatt, das er am Abend der Menge in Person vorlas, denunzierte er den Hof, die Minister und die Nationalversammlung unaufhörlich. Danton, der M. als Werkzeug gebrauchen wollte, suchte seine Bekanntschaft und brachte ihn in den Klub der Cordeliers. Wegen seiner maßlosen Aufhetzereien befahl der Stadtrat im Jan. 1790 seine Verhaftung. M. verbarg sich in den Kellern der Cordeliers, wo er sein Blatt redigierte, und wagte sich erst nach dem Fluchtversuch des Königs wieder an die Offentlichkeit. Nach der Katastrophe vom 10. Aug. 1792 trat M. förmlich in die Dienste Dantons, der Justizminister geworden war. Als sich im Schoße des revolutionären Gemeinderats der berüchtigte Ausschuß zur Überwachung der Verräter bildete, ließ M. sich in denselben aufnehmen und übte auf die Beratungen, welche die Septembergreuel hervorriefen, den entschiedensten Einfluß. Unter dem Eindruck der Gefängnismorde wurde M. in den Konvent gewählt, wo er sich noch wilder und blutdürstiger zeigte als in seiner Zeitschrift, die er seit 21. Sept. 1792 „Journal de la Républiques nannte. Am 26. Febr. 1793 versuchten die Girondisten vergebens, gegen ihn ein Anklagedekret zu erlangen, weil er den Pöbel zur Plünderung der Kaufläden aufgereizt hatte. Im Maärz unterzeichnete er als Präsident des Jakobinerklubs eine Adresse an das Volk, in welcher dasselbe zum Aufstande und zur Ermordung der Girondisten aufgefordert wurde. Die Girondisten wollten dem Angriff zuvorkommen, indem sie M. auf eine aufrührerische Petition hin anklagten, aber die Geschworenen sprachen ihn nach einer possenhaften Verhandlung am 24. April frei. Seitdem verdoppelten M. und seine Freunde Danton und Robespierre ihre Angriffe auf die gegnerische Partei. Bei dem Staatsstreich vom 31. Mai bis 2. Juni war er vor andern thätig und blutdürstig. Nach dem Sturz der Gironde fesselte ihn eine Entzündung an seine Wohnung. Hier suchte ihn 13. Juli 1793 Charlotte Corday (s. d.) auf und erstach ihn im Bade, während er neue Proskriptionslisten fertigte. Die Leiche wurde unter Geleite des Konvents im Garten der Cordeliers begraben, und der Maler Louis David malte das Bild des Gemordeten mit klaffender Wunde, das man erst auf einem Altar im Hofe des Louvre feierlich aussetzte und dann in den Konvent hing. Seine Haushälterin wurde auf Kosten des Staats ernährt. Am 4. Nov. 1793 gewährte ein Dekret den Überresten M.s ein Grab im Pantheon; ein anderes aber vom 8. Febr. 1795 wies die Leiche wieder hinaus, und zugleich entfernte man auch das Bild aus dem Konvent.