FeedFrommann (Georg Karh)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Frommann (Georg Karh), ein besonders um die Dialektforschung verdienter Germanist, geb. 31. Dez. 1814 zu Coburg, besuchte das Gymnasium seiner Vaterstadt, widmete sich seit w1835 erst zu Heidelberg, dann zu Göttingen neben klassischer Philologie mit besonderer Vorliebe germanist. Studien und gab 1837 aus heidelberger Handschriften Herborts von Fritzlar Liet von Troyed (Quedlinb. 1837) heraus. Nachdem er auf einer wissenschaftlichen Reise 1840 —42 durch Deutschland, Italien und die Schweiz Materialien insbesondere zu kritischen Ausgaben von Thomasins «Wälscher Gasto und Konrads von Würzburg «Trojanerkriego gesammelt, kehrte er nach Coburg zurück und übernahm die Errichtung und Leitung eines Erziehungsinstituts, wodurch er in der Fortsetzung seiner germanist. Arbeiten behindert wurde. Indes vollendete er noch das «Altdeutsche Lesebuch vom 4. bis zum 15. Jahrh. (Heidelb. u. Lpz. 1845), das sich an Gervinus'«Geschichte der poetischen Nationallitterature anlehnt. Als 1848 zu Coburg eine Realschule gegründet ward, gab er sein Institut auf und übernahm eine Lehrerstelle an jener, die er 1853 wieder niederlegte, um einem Rufe an das neuerrichtete Germanische Museum zu Nürnberg zu folgen, wo er anfangs das Amt eines Vorstandes des Archivs und der Bibliothek bekleidete, im Juni 1865 aber die Stelle des zweiten Museumsvorstandes erhielt. F. übernahm 1854 nach Pangkofers Tode die kaum begonnene u Nr „Die deutschen Mundartend (6 Bde., Nürnb. u. Nördl. 1854 -59). Er hat in derselben nicht nur einen Schatz von Material han die Kunde der deutschen Mundarten zusammengehäuft, sondern auch die wissenschaftliche Behandlung derselben wesentlich gefördert. Durch seine Ausgaben von Grübels und Weikerts Gedichten mit Grammatik und Glossar erwarb er sich namentlich um die Kenntnis der nürnberger Mundart Verdienst. Seit 1858 war er vorzugsweise mit der sprachlichen Revision von Luthers Bibelübersetzung beschäftigt, die ihm vom Protestantischen Kirchentage Deutschlands übertragen worden und von der er in der Schrift „Vorschläge zur Revision von Dr. M. Luthers gegeben, an welche die in der Cansteinschen Bibelanstalt 1870 erschienene revidierte Ausgabe des-Neuen Testaments sich anschloßö. Im J. 1869 begann er im Auftrage der Historischen Kommission bei der königl. Akademie der Wissenschaften zu München die Bearbeitung einer neuen, mit des Verfassers Nachträgen vermehrten Ausgabe von Schmellers«Bayr. Wörterbucher, die 1876 vollendet wurde. Vielseitige Aufforderungen veranlaßten ihn, im Herbst 1875 seine Zeitschrift Die deutschen Mundarteno wieder aufzunehmen; doch konnte auch diesmal wegen zu geringer Verbreitung nur noch ein Band erscheinen. Von der revidierten Lutherbibel wird, nachdem dieselbe auch vom theol. Standpunkte aus durch besonders dazu berufene Kommissionen eine gründliche Bearbeitung gefunden, der Druck einer vollständigen Ausgabe vorbereitet, die bis zum Lutherjubiläum (Nov. 1883) vollendet sein und vorläufig als «Probebibelo verbreitet werden soll. Dieser Arbeit gedenkt F. eine «Grammatik der Bibelsprache Lutherso folgen zu lassen. rommel (Emil Wilh.), theol. und Volksschriftsteller, geb. 5. Jan. 1828 zu Karlsruhe als Sohn des Professors und Galeriedirektors Karl F., besuchte das Lyceum seiner Vaterstadt, studierte Theologie in Halle, Erlangen und Heidelberg, wurde 1850 Vikar in Alt-Lusheim bei Schwetzingen, 1854 Hof⸗ und Stadtvikar in Karlsruhe, 1864 Pastor in Barmen, 1869 Garnisonprediger der Garde in Berlin, machte als Feldprediger den Deutsch-Französischen Krieg von 1870 und 1871 im von Werderschen Korps mit und wurde 1872zum Hofprediger ernannt. Als Volksschriftsteller hat er sich durch körnigen Humor, echte Frömmigkeit und eine natürliche, schlichte Sprache beliebt gemacht. Seine dahin einschlagenden Schriften erschienen gesammelt unter den Titeln: &Gesammelte Schriften. Erzählungen für das Volk, Aufsätze und Vorträge mannigfaltigen Inhaltso (5 Bde., Berl. 1873—77) und Erzählungen (Gesamtausg., Stuttg. 1877 fg.), Allerlei Sang und Klang. Erzählungen und Skizzeny (Berl. 1883). Predigtsammlungen erschienen von ihm über das Vaterunser, die Zehn Gebote, Fest⸗ und Fastenzeit. Außerdem veröffentlichte er: »Aus dem Leben des Dr. A. Henhöfer (Karlsr. 1865) und „Von der Kunst im täglichen Lebeno (4. Aufl., Berl. 1880). Sehr verbreitet ist seine Anthologie: In drei Stufeno (7. Aufl., Elberf. 1880); auch gibt er die Neue Christoterpen mit heraus.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 374Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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