FeedMareénde (vom ital. merenda)
ErdkundeBrockhaus 1882

Mareénde (vom ital. merenda), in Tirol soviel wie Vesperbrot; marenden, vespern. Marengo, ZJlecken in der ital. Provinz Alessandria, zwischen Alessandria und Tortona, am Fontanone, 6 km oberhalb dessen Mündung in den Tanaro, in kahler, mit Kies bedeckter Cbene gelegen, berühmt durch die Schlacht, in welcher der franz. Konsul Bonaparte 14. Juni 1800 den österr. General Melas besiegte. Melas hatte das Küstenland von Genua und Genua selbst (4. Juni) erobert, während Bonaparte mit der Reservearmee 2. Juni Mailand besetzte und gegen den Po vordrang. Melas beschloß im Pothal eine Schlacht zu liefern. Er schickte den Feldmarschalllieutenant Ott an den Po vor, der jedoch nach einem harten Gefecht bei Casteggido auf die Bormida zurückgeworfen wurde, und hatte bei Alessandria 23000 Mann Infanterie, 7500 Reiter und 60 Kanonen vereinigt. Bonaparte, welcher über 33000 Mann (davon nur 3700 Reiter) verfügte, glaubte indessen, sein Gegner wolle ins Genuesische entweichen, und ließ 13. Juni Desaix mit 5000 Mann auf der Straße nach Novi vorrücken. Am 14. jedoch, bei Anbruch des Tags, überschritt die österr. Armee die Bormida, griff gegen 8 Uhr Victor in der Stellung bei M. an und trieb dessen Korps in größter Unordnung bis hinter San-Giuliano zurück. Gegen 9 Uhr erhielt Melas die Nachricht, daß sich franz. Plänkler (Suchet) hinter seinem Rücken zeigten, und entsendete dagegen den größten Teil seiner Kavallerie. Gegen 10 Uhr erschien Bonaparte mit der Division Monnier auf dem Schlachtfelde und fand Lannes ebenfalls hart bedrängt. Er unterstützte denselben mit einigen Brigaden und der Konsulargarde. Indes drangen die Ssterreicher hartnäckig vor und durchbrachen gegen 1 Uhr das franz. Centrum; auch die Grenadiere der Garde wurden von vier Schwadronen Husaren zersprengt, und am Nachmittag war die ganze Gegend mit flüchtigen und verwundeten Franzosen bedeckt; die Schlacht schien verloren. Melas verließ am Nachmittag das Schlachtfeld, um den Sieg nach Wien zu berichten, und übertrug die Verfolgung des Feindes dem Generalstabschef Zach; doch fehlte es an Kavallerie. Gegen 3 Uhr nachmittags erschien endlich Desaix, und Bonaparte faßte wieder Hoffnung auf Sieg. Desair drang an der Spitze seiner Division vor, wurde aber sogleich tödlich verwundet, und seine Truppen mußten mit starkem Verlust der feindlichen übermacht weichen. Da entschied Kellermann mit einer schwachen Dragonerbrigade das Schicksal der Schlacht durch einen kühnen Angriff. Er zersprengte die vorderste Grenadierkolonne und nahm 2000 Mann mit dem General Zach selbst gefangen. Dann warf er eine Dragonerbrigade, welche auf der Flucht zum Teil ihre eigene Infanterie niederritt. Bonaparte ließ nun die ganze Linie vorrücken und überwältigte die getrennten Kolonnen einzeln. Der Rückzug der Ssterreicher artete bald in eine wilde Flucht hinter die Bormida unter die Mauern von Alessandria aus. Fast sämtliche Geschütze fielen in die Hände des Siegers. Die Ssterreicher verloren 6400 Mann, die Franzosen 7000 Mann an Toten und Verwundeten. Am folgenden Tage unterzeichnete Melas den Waffenstillstand von Alessandria, der den Feldzug endete und die Franzosen zu Herren von Oberitalien- machte. Bonaparte wollte nicht eingestehen, daß er vor Desair' Ankunft vollständig geschlagen war, und gab daher später einen stark gefälschten Schlachtbericht.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 439Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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