FeedMaria I.
GeschichteBrockhaus 1882

Maria I., Königin von England, 1553—58, die Tochter Heinrichs VIII. (s. d.) aus dessen CEhe mit Katharina von Aragonien, wurde 18. Febr. 1516 geboren. Ihr Vater ließ sie 1534, nachdem er sich von seiner Gemahlin getrennt, für unehelich und nicht thronfähig erklären, gab ihr aber, sowie ihrer Stiefschwester Elisabeth, das Thronrecht durch die Successionsakte von 1544 zurück. M. blieb streng der kath. Kirche ergeben und lebte während der Regierung ihres Vaters und ihres Stiefbruders, Eduards VI., in Zurückgezogenheit. Auf dem Todbett entschloß sich der junge König, auf die Ratschläge des ehrgeizigen Herzogs von Northumberland einzugehen, welche die Ausschließung M.s und deren Schwester Elisabeth von der Nachfolge und die Erhebung einer entferntern Verwandten, Johanna Grey (f. d.), der Schwiegertochter Northumberlands, auf den Thron bezweckten. Es gelang zwar Northumberland, als der König 6. Juli 1553 gestorben, seine Schwiegertochter als Königin ausrufen zu lassen. Allein schon nach einigen Tagen sah er sich verlassen, und 3. Aug. hielt M. ihren feierlichen Einzug in die Hauptstadt. Northumberland und einige seiner Genossen büßten mit dem Kopfe. Einen Monat nachher begann die Einkerkerung der prot. Wortführer, und im Oktober hob das unter dem Eindruck des Thronwechsels gewählte Parlament alle reformatorischen Anordnungen der vorigen Regierung auf. Zugleich erfolgte die Einsetzung der kath. Bischöfe und die Berufung des Kardinallegaten Pole, und der Bischof Gardiner, den die Königin zum Kanzler wählte, verhandelte die Vermählung der Königin mit dem spätern Philipp II. von Spanien. Ein Edelmann aus Kent, Thomas Wyatt, wagte hierauf mit einigen andern kühnen Männern einen Aufstand, an dem sich auch der Herzog von Suffolk beteiligte, um seine im Gefängnis schmachtende Tochter Johanna Grey wieder auf den Thron zu setzen. Der Anschlag mißlang gänzlich, und die Königin ließ nicht nur die Häupter der Verschwörung, sondern auch die unschuldige Johanna und deren Gemahl das Blutgerüst besteigen. Nachdem M. ihre Ehe 25. Juli 1554 mit Philipp vollzogen hatte, betrieben sie gemeinsam mit großem Eifer die Herstellung des Papsttums. Die Aristokratie im Parlament ließ sich dazu willig finden, nachdem ihr der Besitz der eingezogenen Klostergüter gewährleistet war. Unter der Leitung Gardiners, Bonners und Poles wurden die alten Ketzergesetze wieder ausgeführt. Viele Protestanten, darunter die Bischöfe Latimer, Ridley, Ferrar und Hooper, starben schon 1555 den Feuertod. Im März 1556 mußte auch Cranmer den Feuertod sterben. Philipp, der unterdes nach Spanien gegangen war, kehrte darauf nach England zurück, um die Teilnahme Englands am Kriege zwischen Spanien und Frankreich durchzusetzen, der Spanien große Vorteile, England aber den Verlust von Calais, der letzten engl. Besitzung auf franz. Boden, brachte. Noch während der Friedensverhandlungen starb die Königin 17. Nov. 1558. Im Gedächtnis des prot. England lebte sie als die Blutige Maria (Bloody Mary) fort. Vgl. Froude, (History of Englando (Bd. 5 u. 6, Lond. 1860); L. von Ranke, «Engl. Geschichte, vornehmlich im 17. Jahrh.» (3. Aufl., Bd. 1, Lpz. 1870).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 446Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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