Anna, Königin von Großbritannien und Irland, 170214, geb. zu Twickenham bei London 6. Febr. 1664, war die zweite Tochter Jakobs II., damals Herzogs von York, aus dessen erster Ehe mit Anna Hyde, der Tochter des berühmten Clarendon. Ihr Vater war damals noch nicht öffentlich zur röm. Kirche übergetreten, und so wurde sie nach den Grundsätzen der Anglikanischen Kirche erzogen und 1683 mit dem Prinzen Georg, dem Bruder König Christians V. von Dänemark, vermählt. Die Revolution von 1688 führte sie wie ihre Schwester Maria, Gemahlin des Prinzen Wilhelm von Oranien (s. d.) auf die Seite der Parteien, die ihren Vater vertrieben und den Thron an Wilhelm und seine Gattin brachten. Da deren Che kinderlos blieb, so gelangte A. 8. (19.) März 1702 selbst zum Thron. Das große Ereignis ihrer Regierung war der sie fast ganz erfüllende Spanische Erbfolgekrieg, der Englands Weltstellung begründet hat. A.s eigene Verdienste waren nicht bedeutend; sie folgte jetzt wie schon 1688, oft entgegen ihren persönlichen Empfindungen, den mächtigen Parteiströmungen, von denen das polit. Leben Englands bewegt ward. Lange Jahre besaß ihre Gunst und damit den mächtigsten Einfluß im Reich und auf den Gang der europ. Politik Marlborough (s. d.), dessen ihm eng verbundene Gattin als Ober ösuteitterin das intimste Vertrauen A.s genoß. Schließlich gelang es doch den Tories unter WDurren Bolingbrökes, den Einfluß des mächtigen Paares zu brechen und mit der königl. Gunst auch das Ruder des Staats in die Hand zu bekommen, wodurch der Friede von Utrecht 1713 herbeigeführt ward. A. starb 1. (12.) Aug. 1714, nachdem sie 1708 Witwe geworden war. Unter ihrer Regierung wurden 1707 England und Schottland unter dem Namen Großbritannien vereinigt. Vgl. Stanhope, «History of England, comprising the reign of JQueen Annep (Lond. 1873).