Tilsit, Kreisstadt im Regierungsbezirk Gumbinnen der preuß. Provinz Ostpreußen, zugleich Hauptstadt des preuß. Litauen, liegt auf dem südl. Ufer der Memel, über welche seit 1875 eine eiserne Eifenbahnbrücke führt, am Einfluß der Tilse in dieselbe, Station der Linie Insterburg-Memel der Preußischen Staatsbahnen, ist Sitz eines Landratsamts, eines Landgerichts, eines Amtsgerichts, eines Hauptzollamts, einer Reichsbankstelle, sowie einer Superintendentur und zählt (1885) 22 428 meist prot. E. Die freundliche und geräumig gebaute Stadt hat drei evang. Kirchen (darunter die deutsche mit schönem Turme und die runde litauische), eine kath. Pfarrkirche, Ruinen eines alten Schlosses (1537 erbaut, 1876 abgebrannt) und mehrere sehr ansehnliche neuere Gebäude, wie das Rathaus, das Postgebäude, das Gerichtsgebäude, das neue Krankenhaus, die Kavalleriekaserne, Infanteriekaserne. Unter den Straßen ist die schöne lange und breite Deutsche Straße als Mittelpunkt des Handels und Verkehrs hervorzuheben. Von höhern Unterrichtsanstalten bestehen zu T. ein Guymnasium (seit 1586), ein Realgymnasium (seit w1839) und zwei höhere Töchterschulen. Industrie und Handel sind nicht unbedeutend. Es bestehen zu T. Eisengießereien, Maschinenfabriken, Dampfmehl⸗ und Schneidemühlen, große Seifensiedereien, drei Selterwasserfabriken, eine Kalkbrennerei, zwei Käsefabriken, zwei Kunstwollfabriken mit Dampfbetrieb, eine Gipsfabrik, eine Ziegelei, bedeutende Gerbereien, Schuhfabrikation u. s. w. Von Bedeutung ist auch die Handelsgärtnerei. Man treibt einen lebhaften Handel mit Holz, Getreide, Flachs, Hanf, Steinkohlen, Heringen und andern Fischen. Das Speditionsgeschäft nach Rußland hat zu T. seit dem Bau der Ostbahn gelitten, doch ist der Verkehr mit Rußland noch immer ein lebhafter. Sehr lebhaft ist die Stromschiffahrt, und Dampferverbindungen bestehen mit Königsberg, Memel und Kowno. Bedeutend ist noch immer der jährliche Kram⸗ und Pferdemarkt. Die Stadt bildete sich allmählich um eine bereits 1288 erbaute Burg, das Schalauner Haus genannt, erhielt 1552 von Herzog Albrecht Stadtrecht und wurde mit einem reichen Landbesitz beschenkt. — Der Kreis Tilsit zählt auf 815 qEm (1885) 69 638 E., worunter etwa 26000 Litauer. Geschichtlich merkwürdig ist T. durch den daselbst 7. und 9. Juli 1807 abgeschlossenen Frieden von Tilsit. Die Schlacht bei Friedland, 14. Juni, auf ausdrücklichen Befehl des Kaisers Alexander geliefert, hatte mit einer gänzlichen Niederlage geendigt, und mit ihr war Preußens letzte Hoffnung gescheitert. Schon standen die Franzosen am Niemen und rüsteten sich zum libergang, als Alexander von Tauroggen aus 18. Juni einen Waffenstillstand vorschlug, den Napoleon annahm. Da beide Teile Ursache hatten, den Krieg wenigstens vorläufig einzustellen, kam eine Annäherung zwischen dem franz. und russ. Monarchen um so schneller zu Stande. Zunächst erfolgte 25. Juni die persönliche Zusammenkunft beider Kaiser auf einem hergerichteten Floß auf dem Niemen, unter dem Zujauchzen der an den Ufern versammelten Heere. Die Stadt T. wurde von Napoleon für neutral erklärt und das Hauptquartier der kriegführenden Monarchen, namentlich auch das des preuß. Königs (28. Juni) dahin verlegt, um die Friedensunterhandlungen zu beschleunigen. Die Königin von Preußen begab sich, von Napoleon eingeladen, ebenfalls nach TZ. Am 7. Juli wurde der Friede mit Rußland, am 9. Juli der mit Preußen zu Stande gebracht. Die Bedingungen desselben s. unter Französisch-Preußisch-Russischer Krieg von 1806 bis 1807, Bd. VII, S. 232. Preußen blieb nach wie vor den franz. Kommissaren preisgegeben, bis es sich ein Jahr darauf mit einer willkürlich bestimmten runden Summe von 120 Mill. Frs. loskaufte. Dessenungeachtet war es durch die drei von den Franzosen besetzten Festungen an der Oder, Glogau, Küstrin und Stettin, durch Warschaus, Sachsens und Westfalens Stellung jeden Augenblick bedroht, bis 1813 seine 2 sich änderte. iman, Gebirge in Rußland, bildet die Wasserscheide zwischen dem System der Petschora und der Dwina. Es beginnt in der Quellgegend der Wytschegda als ein Ausläufer des Urals im Gouvernement Wologda und erstreckt sich darauf in nordwestl. Richtung durch die Gouvernements Wologda und Archangelsk, worauf es an der Ostseite der Tscheskajabucht im Vorgebirge Swjatoi-Noß endet. Das bis jetzt noch wenig bekannte Timangebirge erreicht in der Onikinagruppe nur eine Höhe von 300 m. In der südl. Hälfte ist das Gebirge mit schönen Wäldern bestanden, während es im Norden baumlos ist.