Markscheide bezeichnet im allgemeinen die Grenze zwischen Feld⸗, Wald⸗ oder Flurgemarkungen; speziell beim Bergbau die Grenze des gemuteten Grubenfeldes, welche über Tage durch Lochsteine, in der Grube zuweilen durch sog. Markscheidestuffen kenntlich gemacht wird. Die Markscheidekunst, unterirdische Vermessungskunst (geometria subterranea), übt der Markscheider aus. Das allgemeinste Markscheiderinstrument ist der Kompaß, mit Hängekranz und Bügel versehenes Hängezeug, in einer rechteckigen Messingplatte ruhend, Zulegerkompaß genannt. Er ist eingeteilt entweder in 24 Stunden zu 15 (ungar. Teilung) oder in zweimal 12 Stunden zu 8 Achtel u 4 Viertelachtel 0 28“ 7,5“); überdies wird durch Schätzung plus oder minus O 9“ 22,5“ angegeben (sächs. Teilung). Neuerdings teilt man den Vollkreis auch in 360“ und schätzt Zehntelgrade. Durch Anhängen des Kompasses an eine gespannte Schnur erhält man die Abweichung ihrer Richtung vom magnetischen Meridian, ihre Streichrichtung; eine fortlaufende Reihe solcher Schnurenmessungen, sog. Winkel, nennt man einen Markscheiderzug, kehrte derselbe zum Anfangspunkte, Anhaltepunkt, zurück, so ist dies ein Rundzug. Von jeder Schnur wird auch die Neigung mit dem Gradbogen und die Länge mit Stab, Kette oder Meßband gemessen und daraus ihre wahre horizontale Länge, Sohle, berechnet, wobei man zugleich ein Nivellement erhält. Der Streichwinkel erfährt eine Korrektur durch Berücksichtigung der Deklination oder Abweichung des magnetischen Meridians vom astronomischen (1663 - 0, 1810 = maximum = 22 30, jetzt etwa 11 westlich). Das erhaltene Resultat wird nach einem verjüngten Maßstabe entweder zugelegt, mittels Zulegekompaß oder Transporteur, oder nach einer weitern Berechnung nach Koordinaten auf quadriertes Papier gezeichnet, und man erhält so einen Grubenriß und zwar einen Grundriß. Die Projektion der erhaltenen festen Punkte (in der Grube markiert durch Jahrtafeln, Dübel, Kreuze u. s. w.) und Linien in die Vertikalebene, Saigerebene, gibt einen Saigerriß, zum Teil identisch mit Längenprofil; die Projektion auf die dazu rechtwinkelig stehende Saigerebene gibt einen Kreuzriß, zum Teil identisch mit Querprofil. Das Bild einer Lagerstätte parallel Conversations-Lexikon. 13. Aufl. XI. ihrem Streichen und Fallen, also in ihrer eigenen (Ebene, zeigt der flache Riß. Die korrespondierende Tagesoberfläche enthält der durch geodätische Auf⸗ ]nahme erhaltene Situationsplan. Darum gehören auch die gewöhnlichen geodätischen Instrumente zu den notwendigen Utensilien des Markscheiders. Für genaue Messungen in der Grube oder da, wo Eisen für den Kompaß störend wirkt, werden optische Instrumente verwendet, Goniometer, Theodoliten oder Universalinstrumente; sie bestehen aus einem Fernrohr mit Fadenkreuz, sind stellbar durch Stellplatte, Schraubenfüße, Libellen und Lot; die Ablesung des Horizontal- und Vertikalkreises bchten mit Nonien und Lupen; die Objekte sind beleuchtete Signale oder für das reine Nivellement Meßlatten. Wichtige Arbeiten sind ferner die Schachtlotungen, die genaue Bestimmung der Tiefe eines saigern Schachtes und Anschluß der Messungen über Tage an die Grubenzüge. Die Markscheider werden ausgebildet auf den Bergschulen höherer Ordnung in Preußen und auf den Bergakademien, und bedürfen einer besondern Konzession; sie stehen unter Kontrolle der Bergamtsmarkscheider und ihre Ge— . sind durch Tarife geregelt. itteratur. Georg Agricola, De re metallican (Basel 1556); Beer, «Lehrbuch der Markscheidekunsto (Prag 1856); Weisbach, «Die neue Markscheidekunste (2 Abteil, Braunschw. 1859); von Miller-Haunfels, «Höhere Markscheidekunsto (Wien 1868); Borchers, «Die praktische Markscheidekunsto (Hannov. 1870); Werner, »Markscheidertabelleno (Wien 1876); Liebenam, Lehrbuch der Markscheidekunsto (Lpz. 1876); Bauernfeind, «Elemente der Vermessungskundey (Stuttg. 1879); Brathuhn, „(Lehrbuch der prakt. Markscheidekunstz (Lpz. 1884).