FeedMarot (Clément)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Marot (Clément), franz. Dichter, 1495 zu Cahors geboren. Auch sein Vater, Jean M. (geb. 1463, gest. 1523 als Kammerdiener König Franz I.), machte sich als Dichter, namentlich durch sein „Doctrinal des princesses o bekannt. M. war zuerst Page bei Margarete von Valois, zu der er in ein zartes Verhältnis getreten sein soll, dann Kammerdiener bei Franz I., dessen Gunst er sich durch das allegorische Gedicht „Le temple de Cupidono erwarb; 1525 wurde er mit seinem Herrn in der Schlacht bei Pavia gefangen, bald aber befreit, um nach seiner Rückkehr nach Frankreich, wohl infolge eines Zerwürfnisses mit Diana von Poitiers, die zu ihm in unerlaubtem Verhältnis stand, und prot. Neigungen beschuldigt, aufs neue in Kerkerhaft zu geraten, aus der ihn Franz' I. Fürsprache 1526 erlöste. Im Kerker entstand das witzige, zum Teil ergreifende allegorisch-satirische Gedicht „L'enfero, gegen seine Richter und Ankläger, und eine Bearbeitung des Romans von der Rose (1527). Um den Protestantenverfolgungen zu entgehen, flüchtete er 1530 zu Margarete von Navarra, dann nach Ferrara, wo er mit Calvin zusammentraf und zur reform. Kirche übertrat, aber eine Bearbeitung der Psalmen begann, die Franz I. gewidmet, Zeugnis für seine Rechtgläubigkeit ablegen sollte. Neuen Verfolgungen dadurch ausgesetzt, ging er nach Genf, von dort wegen anstößigen Lebenswandels vertrieben nach Turin, wo er 1544 starb. M. hat eine große Zahl Chansons, Balladen, Elegien, Episteln, Epigramme sowie Gelegenheitsgedichte für den Hof verfaßt. Vielen Beifall fanden seine 50 Psalmen, welche nach den Kompositionen von Gondimel und Bourgeois gesungen wurden. Vgl. O. Douen, 4«CI. M. et le Psautier huguenoto (2 Bde., Par. 1878—79). Der humorvolle, graziöse Stil M.s, der «Style narotique o,‚ galt lange als Muster der leichtern Dichtungsgattungen. Seine Werke erschienen von Auguis (5 Bde., Par. 1823), Lacroix (3 Bde., Par. 1824), Jannet (3 Bde., Par. 1868), Guiffrey (6 Bde., Par. 1876), Saint-Mare (Par. 1879). Sein Sohn, Michel M., der 1534 Page der Königin Margarete ward, ist ebenfalls als Dichter bekannt. Vgl. Colletet, Notices biographiques sur les trois M. » (herausg. von Guiffrey, Par. 1871).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 478Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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