FeedMilton (John)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Milton (John), einer der größten engl. Dichter, wurde in London 9. Dez. 1608 geboren. Durch seinen Vater, einen Notar, der wegen seines übertritts zur prot. Kirche von seinen kath. Eltern enterbt worden und ein ernster, strenger Mann war, erhielt er eine sorgfältige Erziehung. Er besuchte die Universität zu Cambridge (1625—32) und verlebte dann fünf Jahre auf dem Landgute seines Vaters zu Horton in Buckinghamshire. Hier entstanden seine beschreibenden Gedichte L'Allegro und II Penseroso, ferner die Masken Arcadeso und „Comuso (gedruckt 1637) und das Gedicht cidasv, eine Klage über den Tod eines Freundes. In den J. 1638 und 1639 bereiste er Frankreich, die Schweiz und Italien und wurde überall ehrenvoll aufgenommen. Nach seiner Rückkehr begann er sich in die religiösen und polit. Streitfragen seiner Zeit zu mischen. Er schrieb Abhandlungen über Ehe und Ehescheidung (veranlaßt durch seine 1643 geschlossene unglückliche erste Ehe), über Erziehung (1644), über Kirchenverwaltung und über Preßfreiheit (Areopagiticav, 1644), verteidigte die Hinrichtung Karls I. (The tenure of kings and magistratéso„, 1649), widerlegte die Karl J. zugeschriebene Schrift Eikon basilikev in dem «Iconoclastesv und bekämpfte des Salmasius Defensio regiay in der berühmten Defensio pro populo Anglicano (1651), der er 1654 noch eine Detensio secundar und 1655 eine „Defensio pro sey folgen ließ. Cromwell ernannte ihn 1649 zum Geheimschreiber des Staatsrats für die lat. Ausfertigungen. Obwohl seit 1654 unheilbar erblindet, ließ er doch seine Feder nicht ruhen. Bei der Wiederherstellung des Königtums wurden zwar seine Defensio o und sein Iconoclastes o von Henkershand verbrannt, er selbst aber blieb unangefochten und wandte sich nun wieder der Dichtung zu. Bereits 57 J. alt, vollendete er 1665 sein berühmtes Gedicht «Paradise losto, für welches er erst nach zwei Jahren einen Verleger fand, der ihm 10 Pfd. St. zahlte (erste Ausg., Lond. 1667; deutsch von Bodmer, Zür. 1732; von Bürde, Braunschw. 1793 und Bresl. 1823; von Kottenkamp, Pforzh. 1842; von Eitner, Hildburgh. 1867; von Böttger, 4. Aufl., Lpz. 1873; von Schuhmann, 2. Aufl., Stuttg. 1877). Dasselbe ist mehr dramatisch als episch angelegt und ausgezeichnet durch Schönheit, Kraft und Adel der Sprache und herrliche Charakterschilderungen, unter denen die des Satans und der gefallenen Engel einerseits und die von Adam und Eva andererseits obenan stehen. M. ließ 1671 das «Paradise regainedo (deutsch von Böttger, 4. Aufl., Lpz. 1873; von Schuhmann, 2. Aufl., Stuttg. 1877) folgen, das bei großen Schönheiten doch dem «Paradise losto nachsteht. Seine Tragödie Samson Agonistes v, die zu gleicher Zeit erschien, ist als Trauerspiel verfehlt. Er starb 8. Nov. 1674. Seine Werke sind wiederholt gesammelt; die dichterischen von Th. Newton (4 Bde., Lond. 1761), Hawkins (4 Bde., Lond. 1824), Todd (neueste Aufl., 4 Bde., Lond. 1842), Keightley (2 Bde., Lond. 1859 u. 1864) und Masson (3 Bde., Lond. 1874 fg.); die prosaischen von Fletcher (Lond. 1833), sowie in Bohns «Standard library (5 Bde., Lond. 1852); die sämtlichen Werke ebenfalls von Fletcher (Lond. 1834 u. 1838) und, mit einer Biographie, von John Mitford (8 Bde., Lond. 1851). Die vorzüglichsten biographischen Werke über ihn lieferten Masson (5 Bde., Lond. 1859 — 78) und Alfred Stern (2 Tle., Lpz. 1877 —79); Bernhardi gab in deutscher Übersetzung «M.s politische Hauptschriften» (3 Bde., Lpz. 1871—77) heraus. Die Echtheit von M.s 1823 in der Handschrift aufgefundenem Werke De doctrina christiana (herausg. von Sumner, Lond. 1825; abgedruckt Lpz. 1827) ist mehrfach in Zweifel gezogen worden.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 732Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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