Martini (Giovanni Battistah, gewöhnlich Pater Martini, der namhafteste Tongelehrte des 18. Jahrh., geb. zu Bologna 25. April 1706, trat 1721 in den Minoritenorden und studierte eifrig Musik, zugleich auch die philos. Wissenschaften und wurde bereits 1725 Kapellmeister an der Franziskanerkirche in Bologna. Von großem Einfluß war die Kompositionsschule, welche er eröffnet hatte, aus der eine große Zahl bedeutender Musiker hervorging; in der Theorie war er ein Anhänger von Fux. M. starb 4. Aug. 1784. M.s wichtigste Werke sind die «Storia della musicao (3 Bde., Bologna 1751—8), nicht vollendet und fast nur mit der Musik der Griechen sich befassend, und eine Sammlung mehrstimmiger kontrapunktischer Gesangstücke mit Erklärungen unter dem Titel Esemplare, osia saggio fondamentale pratico di contrapuntop (2 Bde., Bologna 1774— 75), welche als sein praktisch-theoretisches Lehrbuch anzusehen ist. Als Komponist vieler Kirchensachen (meist Manuskript), Klavier⸗ und Orgelsonaten, Kammerduetten u. s. w. zeigt er weniger Erfindung als korrekte Gelehrsamkeit. Martini-Henry-Gewehr wurde nach dreijährigen Versuchen unter 65 mitkonkurrierenden Modellen von der Gewehrprüfungskommission in England aals Kriegshandfeuerwaffe vorzüglich geeignety adoptiert und führt die Bezeichnung M. 1871/74. Der Lauf ist nach der Konstruktion des edinburgher Büchsenmachers Henry, der Verschluß und das Schloß vom Direktor der Maschinenfabrik zu Frauenfeld in der Schweiz Martini, das Geschoß von Henry, die Patrone vom General Boxer. Nachteile des M. sind das etwas zu große Kaliber von 11,43 mm und im Zusammenhang damit die zu große Schwere des Geschosses (31,2 g), die schwierige Zerlegung des Schlosses, der bedeutende Rückstoß und die Konstruktion der Patronenhülse (gerollte Hülse, s. unter Patrone). Als Vorzüge gelten besonders die große Präcision des Schusses und die bedeutende Perkussionskraft des Geschosses. Die türk. Armee führt gleichfalls das M. und hat mit demselben im Russisch-Türkischen Kriege 1877/78 gute Leistungen aufzuweisen gehabt. Portugal hat an seinem neuen Gewehr den Mechanismus von Martini. (Vgl. Handfeuerwaffen, Bd. VIII, S. 802“ und Tafel I, Fig. 14.)