FeedCarissimi (Giacomo)
MusikBrockhaus 1882

Carissimi (Giacomo), der größte ital. Tonsetzer des 17. Jahrh., geb. um 1604 zu Marino bei Rom. Von seinem Leben ist wenig bekannt, auch der Name seines Lehrers ist nicht anzugeben. Mit 20 Jahren wurde er Kapellmeister in Assisi, wandte sich aber schon 1628 nach Rom, wo er als Kapellmeister an der St. Apollinariskirche das Collegium Germanicum bis an sein Ende 1674 gewirkt haben soll. In dieser bescheidenen Stellung entfaltete er eine wahrhaft reformatorische Thätigkeit in fast allen Fächern der Musik. Bei C. fanden die neuen Formen, welche seit 1600 in der Musik zur Geltung gekommen waren, zuerst eine kunstmäßige Gestalt. Er gab der weltlichen Cantate, der Arie und dem Duett so feste und allgemein gültige Formen, daß die gesamte spätere Entwickelung in seine Bahnen einlenkte. Besonders war dies beim Recitativ der Fall, welchem C. eine wunderbare Ausdrucksfähigkeit verlieh. Dasselbe kann auch von seinen Chören gesagt werden. Sein Hauptverdienst ist aber, daß er das Oratorium zuerst gestaltet und geschaffen hat. Etwa 12 solcher Oratorien, sämtlich zu lat. Texten, sind von ihm noch erhalten; die meisten behandeln alttestamentliche, die übrigen allegorischbiblische oder geistliche Gegenstände. Diese bisher unbekannten Werke werden von Chrysander her-Jonasv, Judicium Salomoniso) sind bis 1882 erschienen. Außer diesen komponierte C. viele Motetten (die meisten dreistimmig), Cantaten, Duette, Serenaden u. s. w. Ein Meister der Komposition wie des Gesangs, wurde er von vielen Schülern aufgesucht. Für diese schrieb er eine Ars cantandi, Anleitung zur Singkunst, welche in einer deutschen Übersetzung (Augsb. 1696) gedruckt erhalten ist.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 949Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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