Maß und Gewicht. Um die Menge oder Quantität irgend einer Größe zu bestimmen, muß man sie mit einer bekannten Größe derselben Art, welche als Einheit dient, vergleichen, indem man untersucht, wie viel mal die letztere in der zu bestimmenden Größe enthalten ist. Die Einheit nennt man „Maßo, beziehungsweise Gewicht, die Vergleichung selbst aber amessen ». Hieraus ist klar, daß beim Messen von Längen eine Länge oder Linie, beim Messen von Flächen eine Fläche, beim Messen von Körpern ein körperlicher Raum als Einheit oder Maß angenommen werden muß. Ebenso kann das Gewicht eines Körpers nur durch Vergleichung mit einem andern als bekannt angenommenen Gewicht bestimmt werden; die Einheiten des Flächen- und Körpermaßes lassen sich aber von der Einheit des Längenmaßes herleiten. Da die absolute Größe jeder Maßeinheit an sich willkürlich ist, so kann es nicht auffallen, daß die Maße der einzelnen Länder sehr verschieden sind, und ihre Mannigfaltigkeit ist so groß, daß die Kenntnis der in den verschiedenen Ländern gültigen Maße und Gewichte einen wesentlichen Teil einer eigenen Wissenschaft (der Metrologie) bildet, deren anderer, allgemeiner Teil es mit den Bedingungen der übs und Gewichte, sowie des Messens und Wägens überhaupt zu thun hat. In der ältesten Zeit hat man die Einheiten des Längenmaßes (Elle, Fuß, Zoll) von dem menschlichen Körper entlehnt, eine Bestimmung, die offenbar große Verschiedenheiten zur Folge haben mußte, wie denn in Deutschland bis 1872 fast jeder Staat seinen besondern Fuß hatte. Erst in der neuern Zeit ist man auf den Gedanken gekommen, unveränderliche Maßeinheiten aus der Natur zu entnehmen, um dadurch ein Universalmaß zu erhalten. Von den dahin zielenden Vorschlägen verdienen nur zwei eine nähere Erwähnung. Huyghens schlug 1673 die Länge des Sekundenpendels, welche nach seiner Theorie auf der ganzen Erde unveränderlich sein mußte, oder vielmehr den dritten Teil desselben als Maßeinheit (Zeitfuß, pes horarius) vor. Aber diesem Vorschlage stand der fast gleichzeitig bekannt gewordene Umstand im Wege, daß die Länge des Sekundenpendels nicht überall auf der Erde gleich, sondern von der geogr. Breite abhängig ist, weshalb Bouguer um 1749 die Pendellänge unter dem 45. Breitengrad, La Condamine aber die Länge des Pendels unter dem Aquator als Maßeinheit vorschlug. Jedoch kam keiner von beiden Vorschlägen zur Ausführung. Zwar erklärte sich 1790 die franz. Nationalversammlung für die Pendellänge als natürliche Einheit und Grundlage des Maßsystems, aber die von der Akademie der Wissenschaften zur Begutachtung ernannte Kommission machte 1791 den Vorschlag, die Maßeinheit vielmehr von der Größe der Erde herzuleiten, und zwar den zehnmillionsten Teil des Erdquadranten oder der Entfernung des Pols vom Aquator als Einheit des Längenmaßes anzunehmen. Dieser Vorschlag wurde sofort angenommen, worauf die franz. Regierung eine möglichst genaue und sehr ausgedehnte Gradmessung veranstaltete, um durch diese die Größe jener Maßeinheit, welche Meter genannt wurde, genau zu bestimmen. Auf die so bestimmte Einheit ist das ganze, seit 1800 in Frankreich geltende sog. metrische Maß⸗ und Gewichtssystem gegründet. (S. Decimalsystem, Meter und Metrisches System.) Obgleich gegen die Grundlage desselben, das Meter, eingewendet worden it, daß sie als Längenmaß zu groß, zu verschieden von den bis dahin üblichen Längeneinheiten und überdies nicht einmal völlig richtig bestimmt sei, wie dies neuere Berechnungen allerdings dargethan haben, ist doch dieses System seines strengen innern Zusammenhangs und seiner konsequent durchgeführten Decimaleinteilung wegen in wissenschaftlicher Hinsicht als das vorzüglichste aller vorhandenen Maßsysteme anzusehen und zunächst für wissenschaftliche Bestimmungen auch auder Frankreich fast allgemein, mit Ausnahme besonders Englands, in Gebrauch gekommen. Das Gewicht wird am zweckmäßigsten aus dem Raummaße hergeleitet, indem man eine gewisse Maßmenge reinen Wassers als Gewichtseinheit festsetzt. So ist das Kilogramm das Gewicht derjenigen Menge destillierten Wassers, welche bei dessen größter Dichtigkeit (bei 4· C. oder 3½R.), im luftleeren Raume gewogen, ein Liter oder Kubikdecimeter (½1cog Kubikmeter) genau ausfüllt. Jeder Stoff erleidet durch die Veränderungen der Temperatur auch Veränderungen seiner Ausdehnung. Daher kann jedes konkrete Maß (jedes Meßwerkzeug, also jeder Maßstab und jedes Hohlmaß) nur bei einem bestimmten Temperaturgrad seine wahre Größe haben. Bei wissenschaftlichen Maßvergleichungen muß daher auf die gesetzliche Normaltemperatur Rücksicht genommen werden, wie auch auf den Stoff des Normalmaßes, da die verschiedenen Stoffe auch verschiedene Ausdehnung haben. Das Urmaß des franz. Meters z. B. ist ein Stab von Platin, der seine genaue Länge beim Gefrierpunkt des Wassers (O' C. und R.) hat. In neuester Zeit nahmen viele Staaten das Metrische System vollständig an, während andere bei der Revision ihrer Maße von dem engl. Längenmaß ausgingen und noch andere ihre bisher üblichen Maße und Gewichte durch Vergleichung mit dem metrischen genauer bestimmten. Die umstehende Tabelle gewährt eine übersicht über die hauptsächlichsten Maße und Gewichte. Vgl. Noback, «cMünz⸗, Maß⸗ und Gewichtsbucho (2. Aufl., Lpz. 1879), und Treuber, Münz⸗, Maß- und Gewichtsbuch (Dresd. 1879). Staaten Längenmaß I. Europa. Dänemarrk Cle (len) )v. 2Fuf Deutsches Reich .. Meter [(mʒm.. Großbritannien ..Dard von 3 Fuß Italien Meir Altere Größen, noch Varnra häufig üblich: Covabodod Altere Größen, noch häufig üblich: Schweden Meter Schweiz Meter Serbien Metaar Nltere Größen, noch häufig üblich: noch häufig üblich: Türkei Meter (Zirai) Rltere Größen, noch Pik Hälell häufig üblich: II. Amerika. Altere Größen, noch Vara häufig üblich: Altere Größen, noch Varaar häufig üblich: Vereinigte Staaten Vard III. Asien. China. Yard oder Meh. Ostindien, britisch. Göß oder Hard IV. Afrika. V. Australien und Polynesien s. das Maß des und Gewichte, verglichen mit den entsprechenden Größen des Metrischen Systems. 1 ectolitre 100 (Kilogramme 10⁰0⁰ 6 0,628 Poit v. 8 Scheffeln 139,121Pfund (] (100 1 (Kiloö von 100 Litre.. 100 Oka(44-1Kantär) 1280 0,14 Imperial-Quarter v. Pound Avoirdu1,100 Arratel (7, 128= 0,660 1 Quintal) 459 1 ectolitroo 100 (Kilogramo 100⁰ 1.40,380KolluUbuluu 181,482 Kätti od. Kin (100 0,57sArdeb von Kairo . .179 Rottel (100 = 1 Mutterlandes der betreffenden Kolonie.