Ausdehnung ist die Eigenschaft der Körper, einen begrenzten Raum einzunehmen; die Größe dieses Raums heißt der Rauminhalt (Kubikinhalt) oder das Volumen des betreffenden Körpers. Das Verhältnis zwischen der Ausdehnung in den verschiedenen Richtungen oder Dimensionen ergibt die Gestalt des Körpers. Da man drei Haupt⸗ oder Grunddimensionen unterscheidet, die zueinander rechtwinkelig sind, nämlich Länge, Breite und Dicke oder Höhe, so schreibt man der mathem. Linie nur eine A., der Fläche zwei und dem Körper drei A. oder Dimensionen zu. In der Physik wird die A. 47 den wesentlichen allgemeinen rdie merh der Körper gezählt, weil ein Körper für die menschlichen Sinne eben nur dadurch wahrnehmbar ist, daß er einen Raum einnimmt, und folglich ein Körper ohne dreifache A. nicht gedacht werden kann. Die räumliche Größe der Körper unterliegt Veränderungen durch Kräfte; eine Vermehrung der Größe wird ebenfalls A., eine nannt; die Eigenschaft der Körper, solche Volumenveränderungen, bei gleichbleibender Menge ihrer Materie, d. i. bei derselben Masse, zuzulassen, wird in dem ilita Falle ihre In Kalbe bre oder Expansibilität, im letztern Falle ihre Zusammendrückbarkeit oder Kompressibilität genannt. Alle Körper werden in der Regel (die Ausnahmen sind entweder nur scheinbar oder höchst selten) durch die Wärme ausgedehnt und ziehen sich beim Erkalten wieder zusammen. Wenn feste Körper sich durch Erwärmung ausdehnen, so kann man entweder nur die A. ihrer Länge (lineare A.) oder die lumens) in Betkn räumlichen Inhalts (A. des Volumens) in Betracht ziehen. Die A. der festen Körper ist bei derselben Temperaturerhöhung geringer als die der tropfbar flüssigen, die A. der letztern, unter sonst gleichen Umstanden, geringer als die der Inente 4. 5 Körper. Um bei der Erwärmung die lineare A. der festen Körper ersichtlich und meßbar zu machen, dient das Hebelpyrometer (Fig. 1). Der zu erwärmende Stabet stößt mit dem einen Ende gegen einen festen Widerstand v, mit seinem andern Ende gegen den kürzern Arm eines Winkelhebels, dessen längerer Arm auf einer Skalaes die A. des Stabes st in vergrößertem Maßstabe zeigt. Je mehr sich der Stab t ausdehnt, desto mehr erhebt sich der Hebelarm 1. Aus der an der Skala s abgelesenen W d. für die Erene 5 von 1 kann man die A. des Stabes für eine bestimmte Temperaturerhöhung berechnen. Derartige messende Versuche haben gelehrt: 1m Zink verlängert sich, wenn seine Temperatur zwischen Oꝰ und 100C. um 1 C. steigt, um 0,000 204 m. Ran nennt die Zahl, welche angibt, um den wievielten Teil ihrer Länge sich die Längeneinheit eines Körpers bei der Temperaturerhöhung von C. (zwischen 0* und 100 C.) ausdehnt, den Ausdehnungskosffizienten des betreffenden Körpers. Diese Zahl hat man mit n zu multiplizieren, wenn man die A. für die Temperaturerhöhung von n' C. berechnen soll. Der Ausdehnungskoeffizient für 1˙ C. beträgt bei Messing 0,0000 188, Kupfer 0,000 111, Eisen 0,0000 122, Platin O,oooohοũS und Glas 0,00 oor. In der Regel erfolgt die A. der festen amorphen Körper und der hexaédrischen Krystalle nach allen Richtungen hin gleichmäßig; bei den andern Krystallen findet dies jedoch nicht statt. Die Zahl, welche angibt, um den wievielten Teil ihres Volumens sich die Volumseinheit eines Körpers bei der Temperaturdehnt. von 1• C. (wischen 0 und 100 C.) ausehnt, heißt kubischer usdehnungskoeffizient; er beträgt (wie in Fig. 2 durch den Zuwachs angedeutet ist) das Dreifache des linearen Ausdehnungskoeffizienten. Ein Glasgefäß, welches um 1˙ C. erwärmt wird, erhöht also sein Volumen um 3 mal 0,000 co7 des ursprünglichen Volumens. Die A. der festen Körper muß im praktischen Leben, z. B. beim Legen der Eisenbahnschienen, Fig. 2. welche für die A. Zwischen⸗ ö‚ räume erhalten müssen, berücksichtigt werden. Die Angaben von Präcisionsmaßstäben mussen nach den Temperaturen korrigiert werden; ihre Normaltemperatur muß angegeben sein. Die A. der tropfbaren zch harter ausd wird dadurch ersichtlich, daß sie sich stärker ausdehnen als ihre Gefäße; man erhält also zunächst nur ihre scheinbare Volumenausdehnung, aus welcher die wahre berechnet wird, indem man zur erstern die A. der Gefäße addiert. Um die A. der Flüssigkeiten zu messen, bedient man sich entweder thermometerartiger Gefäße oder man bestimmt das Gewi t der zu Sgeiaß bel ve Flüssigkeit, welche ein kleines Glasgefäß bei verschiedenen Temperaturen 3. B. 0e und 100' C.) enthält. Solche Gefäße (Fi 3 und 4) füllt man bei 0 C. mit der Flüssigkeit Fig. 4 bis zur Marke a) und bestimmt dann das Gewicht der letztern bei 0 C. Erhöht man hierauf die Temperatur auf 100° C., so tritt ein Teil der Flüssigkeit (Fig. 3) aus dem Gefäß oder (Fig. 4) über die Marke, von wo sie bis W. letztern entfernt wird. zig. 3. der das Gewicht der zurückgebliebenen Flüssigkeit bestimmt wird, so läßt sich aus den beiden Wägungen die scheinbare A. der Flüssigkeit für die Temperaturdistanz von O' bis 100 C. berechnen. Da sich wegen des Widerstandes der Gefäßwände die Flüssigkeiten nur nach Einer Richtung, d. i. nach der offenen Seite des Gefäßes hin, ausdehnen können, so leuchtet ein, daß bei flüssigen, und ebenso bei gasförmigen Körpern stets der kubische und nicht der lineare Ausdehnungskosffizient erhalten wird. Schon zwischen 0 und 100 C., wo sich die festen Körper meist proportional der Temperaturerhöhung ausdehnen, erfolgt meist die A. der Flüssigkeiten nicht proportionar der Temperatur; besonders unregelmäßig ist die A. des Wassers und Alkohols. Das Quecksilber jedoch dehnt sich zwischen O' und 100 C. proportional der Temperaturerhöhung aus und dessen kubischer Ausdehnungskoeffizient für 1 C. beträgt 0,0 018 016 ½330. Wegen der regelmäßigen und dastetbs Haunte starken A. des Quecksilbers wird dasselbe häufiger als andere Körper zu Thermometern (s. d.) angewendet; letztere beruhen über-Bein auf der A. der Körper durch die Wärme. eim Erstarren flüssiger Körper findet meist eine Waßer⸗ fn iehung, nur bei wenigen, wie z. B. beim asser, findet eine A. und zwar um seines Volumens statt, sodaß die Dichte des Eises nur 0, von jener des Wassers beträgt, daher das Eis auf dem Wasser schwimmt. Die Kraft, mit der sich das (Williams in Quebec 1785 und Hagenbach 1879), sprengen kann. Die Gase und Dünste dehnen sich noch bei weitem stärker aus, als die tropfbaren Flüssigkeiten und zwar alle, sie mögen materiell noch 0 verschieden sein, in gleicher Stärke. Ihre A. beträgt für je 12 C. Temperaturerhöhung ,os 665 ½75 jenes Volumens, welches das Gas zu Anfang seiner meielehung der Cöare besaß. Die A. oder Zusammenziehung der Gase wächst proportional mit der Luhaassche oder Herabsetzung der Temperatur (Gay-Lu 91. es Gesetz 1802). Sind die Gase allseitig durch feste Wände abgesperrt, so wächst ihre Spannkraft, also ihr Druck auf die Wände proportional mit der Temperaturzunahme. Die höchst regelmäßige A. der Gase wird zu wissenschaftlichen Zwecken bei Luft⸗ und Gasthermometern verwendet. (S. unter Thermometer.)