FeedMaßstab
TechnikBrockhaus 1882

Maßstab ist eine nach gewissen Grundsätzen eingeteilte Strecke, welche zum Ausmessen oder zum Abgreifen von Längen dient. Dem M. liegt gewöhnlich das landesübliche Maß zu Grunde und zwar entweder unmittelbar oder in einem bestimmten Verhältnis vergrößert oder verkleinert. Der vergrößerte, beziehungsweise verkleinerte M., letzterer gewöhnlich als verjüngter M. bezeichnet, kommt bei Zeichnungen zur Anwendung, in welchen zu größerer Deutlichkeit der Darstellung über die natürlichen Dimensionen hinausgegangen, beziehungsweise zu größerer übersichtlichkeit und Handlichkeit des Bildes unter dieselben herabgegangen wird. Letzteres ist das Gewöhnlichere und wird bei Darstellung ausgedehnterer Gegenstände, namentlich aber von Teilen der Erdoberfläche, sogar eine bedeutende Verjüngung nötig. Zum Ausmessen oder zum Abtragen von Längen an den wirklichen Gegenständen oder an der Erdoberfläche dient der unverkürzte oder natürliche M., der gewöhnlich auf einem Stab von Holz oder Metall Messing, Stahl), auch wohl von Glas aufgetragen ist, welcher dann schlechtbeg M., bei größerer Länge Meßstange, Meßlatte, Meßrute u. s. w. heißt. Für sehr genaue Messungen wählt man M. aus Metall mit scharfer Einteilung und weit durchgeführter Unterteilung, im übrigen begnügt man sich mit M. aus Holz, die an den Enden erforderlichenfalls mit Metallbeschlägen versehen sind. Die Verwendung des Glases für genaue M. würde insofern vorteilhaft sein, als solche die mindeste Veränderlichkeit durch die Lufttemperatur besitzen, indes steht hier die Zerbrechlichkeit des Materials im Wege. Wichtig sind die M. in der Vermessungskunst, namentlich in der höhern, welche sich sehr genauer metallener M. mit eingelegtem Thermometer bedient, die bei der Messung nicht dicht aneinander geschoben, sondern mit kleinen Abständen nebeneinander gelegt werden. Letztere mißt man durch Meßkeile (. d., vgl. auch Baculometrie). Die niedere Vermessungskunst bedient sich der Meßlatten, welche aus trockenem Tannenholz gefertigt, in siedendem Öl getränkt, gefirnißt, an den Enden mit Stahlplatten belegt und mit Messingkappen gesichert sind. Sie sind bis 5 m ——68 und mit Einteilung in Meter, Decimeter und Centimeter versehen. M. zu Handwerkszwecken sind häufig zum Zusammenklappen eingerichtet. In Bezug auf Meßkette, Meßband vgl. u. Meßkette. Eine besondere Art von M. ist der Stangenzirkel, welcher benutzt wird, um größere Längen auf das Papier aufzutragen, als sie durch gewöhnliche Zirkel mit Genauigkeit sich abgreifen lassen. Es ist eine 50—100 em lange, bis in Millimeter eingeteilte Messingstange mit einer feststehenden und einer beweglichen Zirkelspitze, letztere mit Mikrometerbewegung und Nonius versehen, sodaß noch ½ο mm abgetragen werden können. Ganz ähnliche Einrichtungen haben die sog. Kalibermaßstäbe, welche bei Körpermessungen, speziell auch zur Aufnahme von Geschützrohren gebraucht werden. (Vgl. Kaliber.) — Natürliche und verzüngte M., welche zum Abgreifen mit dem Zirkel bestimmt sind, können entweder Linear- oder Transversalmaßstäbe sein. Erstere haben eine direkte Teilung und sind daher in der Durchführung derselben beschränkt, insofern die einzelnen Teilstriche der Deutlichkeit halber einander nur bis zu einer gewissen Grenze nähern dürfen. Um noch kleinere Unterabteilungen zu erhalten, bedient man sich des Transversalmaß-4 stabes, dessen Einrichtung aus dem beigefügten i Transversal-Centimetermaßstab, der bis abzugreifen gestattet, ersichtlich ist. Der erste Centi-t meter links ist in Millimeter geteilt, zur Basis sind d 10 Parallelen gezogen (da die kleinste abzulesende lr Einheit zehnmal in der kleinsten Einheit der Basis 6 steckt), diese sind von den Transversalen, die von i den Millimeterstrichen schräg nach oben gehen, durchsetzt; sodaß z. B. die von der Null ausgehende e Transversale von den Parallelen 0,1, 0,2 ... . bis 1, mm abschneidet u. s. w. AÄhnlich sind die verjüngten Transversalmaßstäbe eingerichtet. — Die in der Kartographie vorkommenden Verjüngungsverhältnisse werden auch schlechtweg die M. der Karten u. s. w. genannt. Ist die Verjüngung bedeutend, so spricht man vom kleinen, umgekehrt vom großen M. einer Karte. Je größer der M. in diesem Sinne ist, desto besser ist die Darstellung und Erkennung von Einzelheiten möglich; je kleiner der M., einen desto größern Teil der Erdoberfläche ist der Beschauer im Stande mit einem Blicke zůüu übersehen, desto größer ist also die Übersichtlichkeit der Karte. Verjüngungsverhältnisse bis zu 1150000 herab werden als großer, von da ab bis zu 11300000 als mittlerer, noch weitere als kleiner M. bezeichnet.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 513Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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