FeedMastdarm (Intestinum rectum)
HeilkundeBrockhaus 1882

Mastdarm (Intestinum rectum), das unterste Stück des Darmkanals (s. Darm), welches als Fortsetzung des Dickdarms beginnt und im After (f. d.) endigt. Der M. steigt längs der hintern Wand des kleinen Beckens an der vordern Fläche des Kreuzbeins vom fünften Lendenwirbel an bis zum Schwanzbein ziemlich geradlinig (daher sein latein. Name) herab und grenzt nach vorn beim Manne an die Harnblase, beim Weibe an die Scheide und die Gebärmutter. Er besitzt dieselben Wandungen wie die übrigen Teile des Darms, nur sind sie dicker. An der Aftermündung umgibt ihn ein ringförmiger Schließmuskel (sphincter ani), der in seiner Wirkung noch durch einen zweiten, weiter oben gelegenen unterstützt wird. Im M. sammeln sich die Kotmassen bis zu ihrer Entleerung an. Von den Krankheiten, welche den M. befallen können, sind vorzüglich zu nennen: die Mastdarmblutungen oder Hämorrhoiden (s. d.), die Mastdarmentzündung (s. d.), die Mastdarmverengung infolge von vernarbenden Geschwüren und Neubildungen, der Mastdarmkrebs (s. d.), die Mastdarmgeschwüre, welche leicht Fisteln bilden können („Mastdarmfistel und Mastdarmscheidenfisteh und der Mastdarmvorfall (s. d.); auch stülpen sich mitunter einzelne Schleimhautfalten als Polypen aus dem M. vor (s. Mastdarmpolypen). Bildungsfehler sind Mastdarmverschließung (atresià ani), sowie gänzliches Fehlen des M., welche bei Neugeborenen vorkommen und zum Teil noch operativ heilbar sind.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 514Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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