FeedApostel (grch.)
ReligionBrockhaus 1882

Apostel (grch.), d. i. Gesandte, hießen vorzugsweise die zwölf, nach der Zahl der israel. Stämme von Jesu zu Boten des Gottesreichs auserwählten Jünger, welche während seiner öffentlichen Wirk-Aei seine steten Begleiter waren und nach seinem Übscheiden an die Spitze der ältesten christl. Gemeinde traten. Ihre in den verschiedenen Apostelverzeichnissen nicht ganz übereinstimmend überlieferten Namen sind nach Matthäus (vgl. 10, 2 fg.): Simon Petrus, Andreas, Jakobus (des Zebedäus Sohn), Johannes, Philippus, Bartholomäus, Thomas, Matthäus, Jakobus (des Alphäus Sohn), Lebbäus, Simon und Judas Ischarioth. Bei Markus und Lukas wird statt des Matthäus ein Leri, bei Markus statt des Lebbäus ein Thaddäus, bei Lukas statt beider Namen vielmehr Judas, des Jakobus Bruder oder Sohn, genannt; außerdem Falh sich noch im Evangelium des Johannes ein athanagel, über dessen Persönlichkeit nur Vermutungen möglich sind. Die neam Wirksamkeit der A. für das Messiasreich begann nach der Er-E der Apostelgeschichte seit dem Tage, an welchem der Heilige Geist über sie gekommen war. Doch blieb ihre Predigt zunächst auf Jerusalem und die nächste Umgebun und dem und wie sie nach wie vor am Tempel und dem mosaischen Gesetze festhielten, so dachten sie auch längere Zeit nicht daran, das Evangelium von Jesus andern als ihren Volksgenossen zu verkünden. Auch die nach der Apostelgeschichte von ihnen für notwendig erachtete Selbstergänzung durch Matthias an der Stelle des Judas Ischarioth ist nur aus dieser Beschränkung ihrer Thätigkeit auf die 12 Stämme erklärlich. Die Verbreitung des Christentums in Samaria und an der Küste des Mittelländischen Meers bis Antiochia hin ging aller Wahrscheinlichkeit nach nicht von den A., sondern von griechisch gebildeten Juden aus, welche von Haus aus für freiere Meinungen empfänglich waren. Dagegen predigten Barnabas und bald darauf Paulus das Cvangelium zuerst unter den Heiden. Der hierüber ausgebrochene Zwist ward auf einer Zusammenkunft in Jerusalem dahin beigelegt, daß die ältern A. dem Paulus als A. der Heiden zwar die Bruderhand reichten, aber ihrerseits nach wie vor nur den Juden predigen zu wollen erklärten. Doch gerieten bald Petrus und Paulus von neuem über die Frage in Streit, ob das abgesch Gesetz auch für die Juden im Christentum abgeschafft sei. Selbst Barnabas, welcher im entscheidenden Augenblicke sich auf die Seite des Petrus geschlagen hatte, wandte seitdem von Paulus sich ab. Die judenchristl. Partei, welche in Jakobus (s. d.), dem Bruder des Herrn, Petrus und Johannes ihre Häupter verehrte, stritt dem Paulus den Apostelrang ab und wollte nur die von Jesus selbst bei seinen Lebzeiten berufenen Zwölf als rechte A. gelten lassen. Dagegen nennt die heidenchristl. Apostelgeschichte auch den Paulus und Barnabas mit dem Apostelnamen, und ersterer sah sich nicht nur veranlaßt, am Anfange seiner sämtlichen Briefe sich ausdrücklich mit diesem Namen zu o algter sondern auch gelegentlich im Briefe an die Galater und im zweiten Briefe an die Korinther sein apostolisches Recht in ausführlicher Rede zu begründen. Von den spätern Lebensschickfalen der meisten A. weiß man sehr wenig. Der Zeitpunkt, mit welchem die Apostelgeschichte schließt, trifft nach der wahrscheinlichsten eitrechnung zusammen mit der Neronischen Christenverfolgung, in welcher Paulus den Märtyrertod starb (Juli 64 n. Chr.). Von den ältern A. war bei der letzten Reise des Paulus nach Jerusalem keiner mehr dort anwesend außer Jakobus, der Bruder des Herrn, welcher in der Urgemeinde fast noch mehr als apostolisches Ansehen genoß. Petrus hat sich nach dem Zeugnisse des ersten der seinen Namen tragenden Briefe später in Babylon aufgehalten; doch hat man unter diesem Namen frühzeitig eine versteckte Hindeutung auf Rom vermutet. Die alte Tradition jedoch, daß er späterhin nach Rom gekommen und dort den Kreuzestod erlitten habe, verdankt ihren Ursprung lediglich einer judenchristl. Sage. (S. Petrus.) Johannes und Philippus sollen in Kleinasien, jener in Ephesus, dieser in Hierapolis, ewirkt haben, doch beruht letztere Angabe auf einer Verwechselung des A. Philippus mit dem gleichnamigen CEvangelisten. Vollends was in den apokryphischen Apostelgeschichten (s. Apokryphen) von den übrigen A. erzählt wird, beruht nur auf unglaubwürdigen Sagen und auf dem Wunsche der Christen in den verschiedensten Ländern, ihre Gemeinden auf unmittelbar apostolische Stiftung zurückzuführen. Keinen größern geschchtlichen ert hat die Sage, der zufolge sich die A. zum Behufe der Predigt des Evangeliums im 7. oder 12. Jahre nach Christ Himmelfahrt in die Länder der damals bekannten Welt geteilt haben sollen. Den Ort, wo dies in Jerusalem geschehen, zeigt noch die Tradition. Die kath. sahrh. feiert deshalb das, freilich erst seit dem 11. Jahrh. nachweisliche, von der prot. Kirche nie begangene Fest der Apostelteilung (Festum divisionis apostolorum) am 15. Juli. Die Angabe von den sog. 70 Jüngern, die nur Lukas 10, als von Jesu neben den Zwölfen auserwählt erwähnt, und deren Zahl nach der gewöhnlichen Auffassung der Verteilung der Heiden in 70 Völkerschaften bei den Juden entspricht, ist unsicher, ebenso auch die Namen dieser Apostolis chen Männer. übrigens hat man auch später ausgezeichnete Verkündiger des Evangeliums, wie Bonifacius, Ansgar, mit dem Ehrennamen A. belegt. Außer dem erwähnten Festtage der Apostelteilung feiert die griech. Kirche ein Apostelfasten zum Andenken der Aussendung der A., und zwar vom Montag nach Pfingsten an so viele Tage lang, als zwischen Ostern und dem 2. Mai liegen. Ferner e so die röm.⸗kath. Kirche die von der reform. Kirche sofort, von der lutherischen später allmählich aufgeebenen Aposteltage, Nachdem das in Afrika schon im 6. Jahrh. übliche und durch Papst Bonifacius IV. 610 der ganzen Kirche empfohlene Fest aller Apostel im 9. und 10. Jahrh. auch in der abendländ. Kirche untergegangen war, ließ Bonifacius VIII. seit dem 13. 999 9 den Andreastag (30.Nov.) als Aner aller 12 A. feierlich begehen. Die Feste einzelner A., besonders der himmlische Geburtstag Petri und Pauli am 29. Juni, blieben daneben in den meisten kath. Ländern bestehen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 770Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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