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BaukunstBrockhaus 1882

Mauer oder Mauerwerkheißt im allgemeinen ein Baukörper, der aus einzelnen Steinen besteht, die sowohl mittels des Verbandes als auch durch Mörtel zu einem festen Ganzen verbunden sind. Im Altertum und zu gewissen Zwecken heute noch kommen jedoch auch M. vor, deren Steine ohne Mörtel aufeinanderliegen (trockenes Mauerwerk). In Bezug auf den Zweck unterscheidet man Grund- und Obermauern; letztere sind wieder Umfassungs⸗ und Scheidemauern, die sich einteilen in Front- und Giebelmauern, Einfriedigungs-, Futter- und Ufermauern einerseits und in Langscheidungen oder Mittelmauern, Querscheidungen und Zwischenscheidungen andererseits; in Bezug auf Bauart: massive, ganz aus Stein bestehende M. (Feuer⸗ oder Brandmauern ohne GÖffnungen) und halbmassive, d. h. schwächere, aus Stein und Holz bestehende M., für die auch der Name Wand gebraucht wird (Fachwände, Bundwände). Ferner volle, durchbrochene und hohle M.; in Bezug auf Material: Bruchstein⸗, Haustein⸗ oder Quader⸗, Ziegel⸗ oder Backsteinmauern und gemischtes Mauerwerk; endlich in Bezug auf Form und Stellung: ebene, gerade, geneigte oder Böschungsmauern, cylindrische, konische und dergleichen M., sowie liegendes (Pflaster), stehendes und schwebendes Mauerwerk (Gewölbe und Bogen). Hinsichtlich der technischen Herstellung der M. oder des Verbandes der Steine hat man viele besondere Bezeichnungen, z. B. Cyklopen-⸗ oder Polygonmauern mit unregelmäßigen, dicht zusammengearbeiteten Fugen; das aus gleich hohen Schichten bestehende Quadermauerwerk (opus isodomum) gegenüber dem aus ungleich hohen Schichten (opus pseudo-isodomum), ferner das bei den Römern häufig vorkommende Opus reticulatum, mit übereck gehenden netzförmigen Fugen: endlich das Kästel- und das Gußmauerwerk u. a. m. Die Festigkeit einer M. hängt ab von der Stärke oder Form, dem Material, dem Verband und dem Bindemittel. Die Stärke einer M. richtet sich nach der Belastung, beziehungsweise dem Seitendrucke, der Grundbeschaffenheit, der Höhe und dem Material oder dem mehr oder weniger regelmäßigen Verbande. Sehr hohe M. werden in Absätzen mit nach unten zunehmender Stärke ausgeführt, auch von Zeit zu Zeit durch Querscheidungen oder Balkenlagen verankert. Von großem Einfluß auf die Konstruktion der M. sind deren Durchbrechungen (Bogenöffnungen, Fenster und Thüren). Die äußern Wandflächen, besonders der Umfassungsmauern, werden durch Conversations-Lexikon. 13. Aufl. XI. iarchitektonische Teile oder Gesimse gegliedert , Gurt⸗, Brüstungs⸗ und Hauptgesimse), welche die innern Abteilungen des Gebäudes, sowie den Fuß, die Bekrönung u. s. w. der Mauer charakterisieren und gleichzeitig zum Schutze der M. gegen Feuchtigkeit beitragen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 529Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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