Mauren, eins der in der Berberei wohnenden Völker. Dieselben haben ihren Namen von den M. der Alten Welt, ohne deren echte Nachkommen zu sein. Jene alten M., welche als Urbewohner Mauritania (s. d.) bewohnten, waren wahrscheinlich mit den Numidiern eines Stammes und haben ihre unverfälschten Nachkommen in den Amazirghen (. Berbern) des jetzigen Marokko. In den Küstengegenden des Landes waren sie wohl schon in vorhistor. Zeit mit Einwanderern teils semit., teils hamitischen Stammes gemischt; noch größere Mischungen vollzogen sich in späterer Zeit, wo röm. und german. Einwanderungen erfolgten und am meisten zuletzt, als die Araber das Land eroberten und sich in demselben seßhaft machten. Während nun die echten Nachkommen der alten M. im Gebirge diesen Namen im Mittelalter verloren und wohl schon damals den der Amazirghen annahmen, verblieb er dem hauptsächlich aus arab. und altmaurischem Blut entsprossenen Mischlingsgeschlecht in den Städten und der Küstenebene Mauritaniens und ging von diesen auf die Städtebewohner der übrigen Berberei über, die ebenfalls aus einer Mischung der Ureinwohner mit den Arabern entstanden waren. So versteht man gegenwärtig unter M. denjenigen Volksstamm der Berberei, welcher vorzugsweise die eingeborene Bevölkerung der Städte des Landes bildet. Die M. sind ein schöner Menschenschlag, mit edeln Gesichtszügen, die den Ausdruck von Milde und Melancholie tragen. Von Charakter sind sie kraftlos und geistig stumpf und trotz ihres moslemischen Fanatismus feige, dabei grausam, wollüstig und hinterlistig, geizig und habsüchtig. Ein großer Teil von ihnen treibt Kramhandel und Kaffeewirtschaften; die übrigen sind meist Handwerker, Gärtner und Landbauer. Da die Araber, welche Spanien eroberten, zum Teil aus Mauritanien kamen und auch wohl viel mit M. gemischt waren, so werden auch sie M. genannt und die Namen M., Araber und Sarazenen in der Geschichte Spaniens synonym gebraucht. Von ihnen stammen die Moriscos, d. h. die M., welche nach ihrer Besiegung durch Ferdinand den Katholischen gegen Ende des 15. Jahrh. scheinbar das Christen tum annahmen und daher nicht mit ihren dem JsSlam treu bleibenden Stammgenossen aus Spanien vertrieben wurden. Sie lebten als fleißige, ruhige Unterthanen bis auf Philipp II., welcher ihre gründliche Bekehrung oder ihren Untergang beschloß. Seine Bedrückungen und Verfolgungen brachten sie 1568—70 zu einem bewaffneten Aufstand, nach dessen Dämpfung über 100000 derselben zur Auswanderung gezwungen wurden. Erst Philipp III. gelang es 1609, sie aus Spanien gänzlich zu vertreiben. Etwa ½ Mill. Moriscos wanderten damals nach Nordafrika aus, wo sie sich 299466 auf Seeraub gegen die Christen legten. Vgl. Conde, Historia de la dominacion de los Arabes en Espana (3 Bde., Madr. 1820—21; deutsch von Rutschmann, 3 Bde., Karlsr. 1824— 25); Rochau, «Die Moriscos in Spanien»(Lpz. 1853); Dozy, Histoire des Musulmans d Espagne jusqu' la conquéte de 'Andalousie par les Almoravideso (4 Bde., Leid. 1861; deutsch, 2 Bde.,