FeedAvenches
ErdkundeBrockhaus 1882

Avenches, deutsch Wifflisburg, lat. Aventicum, Hauptstadt des gleichnamigen Bezirks im schweiz. Kanton Waadt, liegt 463 m über dem Meere, 7,5 km südwestlich von Murten, auf einer Anhöhe über der sumpfigen Niederung, welche die Broie vor ihrer Mündung in den Murtensee bildet, an der Eisenbahn Lyß-Payerne-Lausanne, besitzt ein altes Schloß, eine aus röm. Quadern erbaute Kirche und ein Museum mit zahlreichen röm. Antiquitäten und zählt (1880) 1783 E., wovon etwa 5 Proz. katholischer, 14 Proz. mosaischer Confession sind. A. ist eine der ältesten Städte der Schweiz. Das alte Aventicum, von dem das heutige A. nur die südwestlichste Ecke, etwa den 10. Teil des Ganzen, ausmacht, war schon vor Cäsar Hauptstadt Helvetiens und stand unter Vespasian und Titus, die es zur röm. Kolonie erhoben, in seiner höchsten Blüte. Von seiner damaligen Ausdehnung und Bedeutung zeugen die überreste der alten Ringmauer, von deren zahlreichen Wachttürmen sich noch einer an der Ostseite erhalten hat, das jetzt noch erkennbare I angelegte Straßennetz, die Wasserleitung, die Substruktionen eines Theaters und eines n Mauerufei das Forum, von dessen Halle noch ein Mauerpfeiler, genannt le Cigognier, steht, so- wie zahlreiche Inschriften, Mosaikböden und Altertümer aller Art, die zum Teil in dem Museum der Stadt, zum Teil in den Sammlungen von Bern und Lausanne aufbewahrt werden. Die Blüte Aventicums wurde durch die Alamannen vernichtet, die 264 auf dem Wege von Gallien nach Italien die Stadt eroberten und verheerten. Zwei Jahrhunderte später wurde dieselbe von den Hunnen nochmals zerstört. Seitdem erhob sich Aventicum nie mehr zur frühern Größe und Bedeutung, und als im 6. Jahrh. der Bischofssitz von A. nach Lausanne verlegt wurde, sank die alte Hauptstadt Helvetiens zum Landstädtchen herab.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 2, S. 288Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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