FeedMazeppa (Joh.)
GeschichteBrockhaus 1882

Mazeppa (Joh.), russ. Iwan Stepanowitsch Masepa, berühmter Hetman der Kosaken, geb. um 1645, stammte nach einigen aus einer armen adeligen Familie in Podolien, nach andern aus Kleinrußland und wurde Page bei dem poln. Könige Johann Kasimir. Als M. bei einem Liebesabenteuer mit der Frau eines poln. Edelmanns, Falibowski, von diesem überrascht wurde, ließ Falibowsti ihn entkleidet und rückwärts liegend auf sein eigenes Pferd binden und gab ihn seinem Schicksal preis. Das Pferd brachte M. übel zugerichtet bis zu dessen entlegenem Gute. M. verließ darauf Polen, begab sich 1663 in die Ukraine und machte sich unter den Kosaken durch Körperstärke und Tapferkeit bemerkbar und beliebt. Er wurde Sekretär und Adjutant des Hetman Iwan Samoilowitsch, dessen Stelle er 1687 einnahm. Auch gewann er das Vertrauen Peters d. Gr., der ihn 1698 zum Geheimrat ernannte und darauf zum Fürsten der Ukraine erhob. Nach dem Frieden zu Altranstädt näherte er sich dem Könige Karl XII. von Schweden, suchte durch ihn sich der Oberherrschaft des Zaren zu entziehen und die Ukraine unter gewissen Bedingungen an die Krone Polen zu bringen. Diese Ränke wurden 1708 Peter d. Gr. durch den Kosakengeneral Kotschubey und den Obersten von Poltawa, Iskra, entdeckt; doch der Zar maß den Beschuldigungen keinen Glauben bei und schickte beide Ankläger M. selbst zur Bestrafung zu, der sie in der That hinrichten ließ. Als aber der Zar anderer überzeugung wurde, erstürmte er die frühere Residenz M.s, Baturin, und ließ ihn im Bildnis aufhängen. M. wendete sich nun zu Karl XII. und nahm an dessen Zuge in die Ukraine teil. Nach der Niederlage bei Pultawa flüchtete er mit dem schwed. König nach Bender, wo er 22. Sept. 1710 angeblich an Gift starb. Lord Byron hat M. zum Helden eines seiner schönsten Gedichte, Bulgarin zum Helden eines Romans, Gottschall zu dem eines Dramas gemacht und Horace Vernet ihn durch zwei Gemälde (udeuich:

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 550Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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