FeedScheremetjew
GeschichteBrockhaus 1882

Scheremetjew, russische Adelsfamilie, als deren Stammvater der im 14. Jahrh. angeblich aus Preußen eingewanderte Andrej Kabyla oder Kambyla (s. Romanop) gilt; nach andern ist sie tatar. Ursprungs. Iwan Wassiljiewitsch S., Bojar, that sich zur Zeit des Zaren Iwan Wassiljewitsch des Schrecklichen in vielen Schlachten gegen die krimschen Tataren und bei der Einnahme von Kasan 1552 rühmlichst hervor. Trotzdem fiel er in Ungnade und wurde zuletzt Mönch; er starb 1578. — Sein Bruder, Iwan Wassiljewitsch S., der Jüngere, ebenfalls ein tapferer Feldherr, fiel 1577 bei der Belagerung von Reval. — Fedor Iwanowitsch S., Sohn des letztern, schloß mit Polen 1. Dez. 1618 in Deulin einen Waffenstillstand ab, und brachte den Poljanowsker Friedenstraktat zu Stande, kraft dessen Polen den Zaren Michael Feodorowitsch als russ. Herrscher anerkannte. Er starb 1650. — Wassilij Borissowitsch S., Wojwode und Bojar, bekannt durch seine Mißerfolge in Kleinrußland gegen die Polen 1660; er wurde von Lubomirski gefangen genommen, dem Chan der Krim ausgeliefert und von diesem 20 Jahre in Gefangenschaft gehalten; er starb 9. Jan. 1690. Boris Petrowitsch, Graf von S., Generalfeldmarschall, ein berühmter Feldherr und der Kriegsgefährte Peters d. Gr., geb. 25. April 1652, schloß 1686 vereint mit dem Fürsten Galyzin den Frieden mit Polen und Bundestraktate mit dem König von Polen und dem deutschen Kaiser ab, besiegte den schwed. General Schlippenbach bei Dorpat und an der Embach. In der Schlacht bei Pultawa (1709) führte er das Centrum und trug hauptsächlich zum Siege der Russen bei. Nachdem er 1705 den Aufstand der Strelitzen in Astrachan niedergeschlagen, wurde er 1706 in den Grafenstand erhoben. Im J. 1710 eroberte er Riga und ganz Livland, war 1711—15 Generalgouverneur der Ukraine. Er starb 17. Febr. 1719. Vgl. G. F. Müller, Lebensbeschreibung des Grafen Boris Petrowitsch S.y, aus dem Russischen von Bacmeister (Riga 1789). — Michail Borissowitsch S., der älteste Sohn von Boris Petrowitsch, Generalmajor, geb. 1. Sept. 1678, unterzeichnete mit Schafirow die Traktate mit der Türkei am Pruth 12. Juli 1711 und in Adrianopel 13. Juli 1713. Er starb auf der Rückreise in Kiew 23. Okt. 1714. — Peter Borissowitsch, Graf S., Sohn des Feldmarschalls aus der zweiten Ehe, geb. 1713, gest. 1788, war Oberkammerherr der Kaiserin Katharina II. und sowohl wegen seines Reichtums als wegen seiner Gastfreundschaft und Kunstliebe bekannt. Um die russ. Geschichte machte er sich durch die Herausgabe der Korrespondenz seines Vaters mit Peter d. Gr.(5 Bde., Petersb. 1774—79/ verdient. — Nikolaj Petrowitsch, Graf S., Sohn des vorigen, Oberkammerherr, geb. 1751, gründete in Moskau das nach ihm genannte berühmte Hospital als einen Zufluchtsort für Fremde und Hilfsbedürftige. Zur Unterhaltung dieses 1803 mit kaiserl. Pracht aufgebauten Gebäudes bestimmte er eine jährliche Revenue von 75 000 Rubeln. Er starb 2. Jan. 1809 in Moskau.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 324Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 1

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Geschichte 6