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GeschichteBrockhaus 1882

Mediei, ein berühmtes florentin. Geschlecht, welches, wie es scheint, aus der toscanischen Provinz Mugello stammte und zuerst gegen Ende des 13. Jahrh. in Florenz auftritt, wo es zu den Familien des zweiten Standes, d. h. zu den großen Bürgern gehörte. Gleich der Mehrzahl dieser Familien, kamen auch die M. im 14. Jahrh. durch Handelsgeschäfte empor, standen in den vielen Kämpfen zwischen dem alten Adel und dem Popolop auf seiten des letztern, erlangten aber erst 1378 eine höhere Bedeutung, als Salvestro de' M., durch Volksgunst zu der Würde eines Gonfaloniere oder zeitigen obersten Vorstandes der Republik erhoben, durch seine Bemühungen, die Macht der aristokratischen Partei der Albizzi zu vermindern, den Hauptanlaß zu dem wüsten Aufstand der untersten Volksklasse und zu der daraus hervorgegangenen Pöbelherrschaft gab, die unter dem Namen des «Tumulto de' Ciompiv bekannt sind. Die siegreiche Reaktion der Aristokratie lastete zwar auf den M. wie auf ihrer ganzen Partei, aber Vieri und Giovanni di Bicci de' M., verschiedenen Linien entstammt, gelangten nacheinander zu großem Ansehen. Nachdem die infolge der langen und kostspieligen Kriege Suniel gegen die mailändischen Visconti und König Ladislaus von Neapel) sehr gesteigerten Abgaben die Unzufriedenheit des Volks in hohem Grade geweckt hatten, verstand Cosimo (s.d.), Giovannis Sohn, sich bei der demokratischen Partei so in Gunst zu setzen, daß die Albizzi, in der Absicht ihn unschädlich zu machen, Gewaltmaßregeln wider ihn veranlaßten, die 1434 ihren eigenen Sturz herbeiführten. Von dieser Zeit an herrschte die Mediceische Partei in Florenz. Obgleich nach Cosimos 1464 erfolgtem Tode, unter seinem kränklichen Sohne Piero, genannt Il Gottoso, Zwistigkeiten in der eigenen Faktion ausbrachen, hinterließ doch Piero bei seinem Tode (1469) die von seinem Vater und von ihm ausgeübte Gewalt seinen beiden Söhnen Lorenzo und Giuliano, um welche sich die Parteigenossen scharten, sodaß die Anschläge der Gegner mißlangen. Auch die 1478 ausgebrochene Verschwörung der Pazzi (s. d.), die den Mord Giulianos herbeiführte, trug nur zur Kräftigung der Macht des Hauses bei, da es Lorenzo gelang, nicht nur im Innern Ruhe zu schaffen, sondern den darauf ausgebrochenen Krieg durch Verträge zu beendigen. Nachdem Lorenzo durch seine von nun an bis zu seinem Ableben (1492) ruhige Regierung die Grundlagen der Republik, deren Formen er bestehen ließ, untergraben hatte, stürzte zwei Jahre später die Unklugheit seines ältesten Sohnes Piero die Herrschaft des Hauses, indem derselbe beim Heranrücken König Karls VIII. von Frankreich gegen Neapel diesem die wichtigsten Plätze einräumte, infolge dessen er als Verräter des Vaterlandes erklärt und mit seinen Brüdern, dem Kardinal Giovanni und Giuliano, nachmaligem Herzog von Nemours, vertrieben wurde, worauf eine volkstümliche Regierung eingeführt ward. Pieros Versuche, die verlorene Stellung wieder zu erlangen, schlugen fehl, und erst lange nachdem er (zu Ende 1503) in dem Kriege zwischen Frankreich und Spanien um Neapel den Tod gefunden hatte, gelang es im Sept. 1512 der Mediceischen Partei von neuem, sich an die Spitze zu stellen. Nachdem 11. März 1513 der Kardinal Giovanni unter dem Namen Leo X. (s. d.) den päpstl. Stuhl bestiegen, behielten der Kardinal Giulio, Giulianos des Altern Sohn, und Pieros Sohn Lorenzo, nachmals Herzog von Urbino und Vater Katharinas de' Medici, das Regiment in der Hand, welches, nachdem Lorenzo 1519 gestorben, Giulio 1523 als Clemens VII. Papst geworden, an zwei jüngere Sprößlinge der Familie, Alessandro und Ippolito, natürliche Söhne Lorenzos von Urbino und des jüngern Giuliano, anttabte Nach Roms Erstürmung durch den Connétable von Bourbon erhob sich 17. Mai 1527 Florenz nochmals gegen die M. und vertrieb dieselben, aber das nachmalige Bündnis zwischen Clemens VII. und Karl V. führte im Okt. 1529 das kaiserl.⸗päpstl. Heer vor die Stadt, welche nach achtmonatlicher Belagerung ihre Thore öffnete und im Juli 1531 Alessandro als Herzog aufnehmen mußte, dem Namen nach mit gemischter monarchisch-republikanischer Verfassung, in der That als Alleinherrscher. Mit Alessandro, welcher Karls V. natürliche Tochter Margarete, nachmalige Herzogin von Parma, heiratete und durch seinen Vetter Lorenzino ermordet wurde, erlosch 5. Jan. 1537 der Mannsstamm Cosimos des Alten. Die Verdienste, welche diese Mediceer sich um geistige Bestrebungen erwarben, werden ihnen auf immer verdienten Ruhm sichern. Der Versuch der Florentiner, die Republik wiederherzustellen, schlug fehl, und Karl V. erkannte den jungen Cos mus, in vierter Generation von Lorenzo, dem zweiten Sohn Cosimos des Alten, stammend, als Herzog an. In 37jähriger Regierung befestigte dieser ebenso talentvolle und scharfsinnige wie gewissenlose Mann das monarchische Regiment. Er schuf aus einem Agglomerat verschiedenartigster Bestandteile das moderne Toscana, schlug alle Bemühungen der von der großen Familie Strozzi unter dem Schutz Frankreichs geleiteten Ausgewanderten zu Boden und eroberte 1555 im Bunde mit Spanien Siena. Er erhielt 27. Aug. 1569 von Papst Pius V. den Titel eines Großherzogs. Er stiftete den Stephansorden und gründete die toscan. Marine. Gemäß den Traditionen seiner Familie förderte er Künste und Litteratur. Sein ältester Sohn, Franz, Gemahl erst einer österr. Erzherzogin, dann der Bianca Cappello (s. d.), schritt, wiewohl mit weit geringerm Talent, auf demselben Wege weiter. Seine Tochter Maria (s. d.) heiratete Heinrich IV. von Frankreich. Im J. 1587 folgte dessen Bruder Ferdinand I., bis dahin Kardinal, der beste seiner Familie und derjenige, der es vermochte, zwischen Spanien und Frankreich eine polit. Mittellinie innezuhalten. Vermählt mit Christine von Lothringen, hatte er 1609 seinen Sohn Cosmus II., Gemahl Marie Magdalenens von Ssterreich, zum Nachfolger. Unter diesem und seinem Sohne Ferdinand II. bereitete sich allmählich der Verfall Toscanas vor, ungeachtet des lebendigen Geistes und guten Willens der Herrscher, welche namentlich die Wissenschaft förderten, wie denn Galilei, der Kardinal Leopold M., Ferdinands Bruder, die Akademien della Crusca für Sprachkunde und del Cimento für Naturwissenschaften dem Lande den Glanz verleihen, welchen Politik und Krieg ihm inmitten der Unselbständigkeit Italiens nicht mehr zu geben vermochten. Die Zeit Cosmus' III. (1670—1721) ist die des wirklichen Verfalls, obgleich die Mediceer und Toscana ihrer geistigen Mission auch dann und bei dem Vorwalten beschränkter kirchlicher Zwecke nie ganz untreu wurden, wie schon die Namen Filicaja, Redi, Magalotti, Magliabechi u. a. zeigen. In Johann Gasto (1721—37) und dessen Schwester Anna Luisa, verwitweten Kurfürstin von der Pfalz (gest. 1743), erlosch die Familie in ihrem regierenden Zweige. Noch blühen zwei Nebenlinien, in Florenz die Medici-Tornaquinci, in Neapel die M. von Ottajano, welche im 16. Jahrh. dorthin auswanderten. Zu letzterer gehörte der Cavaliere Luigi de' M., Minister Ferdinands und Franz' von Neapel, gest. in Madrid 1830. Vgl. Litta, Famiglie celebri italianen; Buser, „Die Beziehungen der M. zu Frankreicho (Ipz. 1879); Galluzzi, «Storia del Granducato di Toscanay (Flor. 1781); Reumont, „Geschichte Toscanas seit dem Ende des florentin. Freistaatso (Bd. 1, „Die M. 1530—1737, Gotha 1876).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 562Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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