Colonna, m Alane röm. Geschlecht, welches von dem an den Albanerhügeln gelegenen Ortchen La C. (gegenwärtig im Besitz der Familie Rospigliosi-Pallavicini) den Namen führt. Die C. stammen höchst wahrscheinlich von den Grafen von Tusculum ab, welche im 10. und 11. Jahrh. in Rom zu größtem Ansehen gelangten. Sie kommen zuerst gegen das Ende des 11. Jahrh. vor und haben seitdem bis tief in das 16. hinein eine so einflußreiche Rolle in Rom gespielt, wie, vielleicht mit einziger Ausnahme ihrer Gegner, der Orsini, keine andere röm. Familie. Durch ihre vielen Kastelle, welche sich von den Albanerhügeln an längs den Sabinerbergen bis gegen die neapolit. Grenze hin erstreckten, wurden sie mehrmals den Päpsten und dem röm. Volke ein Gegenstand des Schreckens und übten auf die städtischen Angelegenheiten bestimmenden Einfluß, während sie an den oft blutigen Parteikämpfen stetigen Anteil nahmen. Gewöhnlich erscheinen die C. als Häupter der ghibellinischen Faktion, doch finden sie sich auch auf guelfischer eite. Die Söhne Giovanni C.s (der um 1278 Senator von Rom und 1288 Markgraf von Ancona war), Stefano der Alte und Agapito, sind die Stifter der beiden heute noch blühenden Linien des Zweige der von Palestrina, gegenwärtig durch die weige C. di Sciarra und Barberini-C. repräsentiert, und jener von Paliano, gewöhnlich Linie des Großconnétable genannt, mit dem Nebenzweige C. Stigliano in Neapel. Papst Martin V. (Oddone C.), viele Kardinäle, Feldherren, Staatsmänner, Gelehrte und Schriftsteller sind aus dieser Familie hervorgegangen. Die namhaftesten Glieder der Familie waren: Egidio C., s. Agidiusa Columnis. — Giacomo C., Kardinal, und sein Bruder Sciarra C. unterstützten Philipp den Schönen bei dem überfalle Bonifacius' VIII. in Anagni, nachdem sie nach langem Kriege von dem Papste besiegt und ihre Stadt Palestrina zerstört worden. Sciarra war nachmals einer der eifrigsten Anhänger König Ludwigs des Bayern, den er 1328 in St. Peter krönte. Ihr Bruder Stefano C., Petrarcas Freund, war das Haupt der Adelsopposition gegen Cola di Rienzo. Prospero C. erwarb sich den Ruf eines großen Feldherrn in dem im Verein mit Gonsalvo de Cordova 1495 geführten Kriege gegen Karl VIII. von Frankreich. Im Kriege Karls V. gegen Franz I. befehligte er 1521 in der Lombardei das kaiserl.⸗päpstl. Heer, vertrieb die Franzosen aus Mailand, schlug 1522 mit Georg von Frundsberg den Marschall Lautrec bei La-Bicocca, nahm Genua und verteidigte gegen den Admiral Bonnivet Mailand, wo er Ende 1523 starb. Sein Vetter Fabrizio, Großconnétable von Neapel, wurde von Machiavelli in der Arte della guerrav gefeiert. Kardinal Pompeo starb 1532 als span. Vizekönig von Neapel. — Mare Antonio C., Herzog von Paliano, erwarb sich großen Ruhm in der Seeschlacht bei Lepanto (7. Okt. 1571), wo die vereinigten Flotten der Spanier, Venetianer und des Papstes (Pius' V.) gegen die Türken um Cypern kämpften. Bei seiner Rückkehr nach Rom feierte er einen Triumph nach alter Weise. Er starb als Bürro von Sicilien 2. Aug. 1584. ittoria C., die berühmteste Dichterin Maniao-Tochter Fabrizio C.s, wurde 1490 zu Marino, „einem der Familie gehörigen 3 geboren und vermählte sich mit Ferrante d'Avalos, Marchese von Pescara. Seltene Vorzüge des Körpers und Geistes machten sie zum Gegenstande allgemeiner Bewunderung. Als ihr Gemahl infolge der in der Schlacht von Pavia erhaltenen Wunden 1525 gestorben war, suchte Vittoria Trost in der Einsamkeit und in der Poesie. Abwechselnd lebte sie in Klöstern in Rom, zu Neapel und auf Ischia, Orvieto, Viterbo, zuletzt wieder in Rom, wo sie im Febr. 1547 starb. Sie schloß sich eng an die bedeutenden Männer an, welche eine gründliche Reform der kath. Kirche anstrebten, an Bernardino Ochino, den Kapuzinergeneral und berühmten Kanzelredner, welcher 1542 in das prot. Lager übertrat, an die Kardinäle Contarini, Pole, Fregoso, Morone u. a. Zwischen ihr und Michel Angelo Buonarroti bestand das innigste Freundschaftsverhältnis. Vorzüglichen Wert haben ihre Rime spiritualio (Vened. 1548), welche tiefes Gefühl und eine geläuterte Frömmigkeit verraten. Die vollständigste Ausgabe ihrer sämtlichen Dichtungen besorgte P. E. Visconti (Rom 1840), mit einer Biographie Vittorias. Eine übersetzung derselben gab Bertha Arndts (2 Tle., Schaffh. 1858). Vgl. ihre Biographien von Wackerhagen (Halle 1861), Th. Roscoe (Lond. 1868), A. von Reumont (Freiburg 1881). Der Palast C. in Rom, am Fuße des Quirinal, ist berühmt durch seine prachtvolle, 50 mlange und 11 m breite Galerie, durch welche man die herrlichen Gärten betritt, sowie durch seine auch nach der Teilung beim Tode des letzten Großconnétable 1818 immer noch reichen Kunstschätze. Vgl. Littas „Famiglie celebri italianeb; Coppi, Memorie Colonnesio (Rom 1855); Reumont in den «Beiträgen zur ital. Geschichtes (Bd. 5, Berl. 1857).