Medien (semit. Madai) hieß im Altertum der großenteils gebirgige nordwestl. Teil von Iran. Das Land wurde im N. und N. durch das Kaspische Meer, im O. und So. durch die iran. Salzwüste, im S. durch Persien, im W. durch Assyrien, im NW. durch Armenien begrenzt, und umfaßte die heutigen Provinzen Irak-Adschmi, einen Teil Kurdistans, Luristan, Aserbeidschan und Ghilan. Später teilten es die Geographen in Großmedien (umfassend die Sagartier, Choromithrene, die Tapurier, Rhagä, Sigriana, das Land der Sidices und der Parakö, Daritis, sowie die Gegend um das Gebirge Parachoatras), den südl. Teil, und in Kleinmedien oder Media-Atropatena. Letzterer Teil, der nach dem Atropates, einem von Alexander nicht unterworfenen Satrapen des Perserreichs, benannt wurde, erhielt sich unter eigenen Herrschern unabhängig bis auf Antiochus III. (220). Die Hauptstädte M.s waren Ekbatana (s. d.) und Rhagä (unter den Parthern). Von letzterer hieß ein Teil des Landes auch Rhagiana. Unter den Produkten M.s werden namentlich die edeln Pferde aus den nisäischen Gefilden, Salz und Smaragde genannt. Der Name M. scheint kein arischer zu sein; in den turan. Keilinschriften heißt MNada Land. Doch früh scheinen schon die Arier von Baktrien und Sogdiana das Land besetzt und die turan. Ureinwohner unterjocht zu haben. Daher die Angabe Herodots, daß die Meder früher Arier geheißen. Letzteres bezieht sich auf die im 3. Jahrtausend v. Chr. von Baktrien hereinbrechenden Indogermanen, die schon als Herren von Babylon in dem babylon. Geschichtschreiber Berosus erscheinen und den Namen des eroberten Landes annahmen. Die Stämme der Meder (nach Herodot) waren die Busen (Erdentsprossene), Paratacenen (im Süden), Struchaten Zeltbewohner), Arizanten (arischen Geschlechts), Budier und Magier (s. d.). Der Kern des Volks war schon im Altertum, wie noch heute, turan. Ursprungs, dagegen die herrschende Aristokratie arisch, die eine mit dem Altpersischen identische Sprache redete. Die Sprache der nichtarischen Meder war die medische, ein dem Susianischen nahe verwandtes Idiom; sie war die Sprache der med. Dynastie, und nimmt die zweite Stelle im dreisprachigen Texte der Perserkönige ein. (S. Keilschrift.) Die Meder machten sich von den Assyrern im 8. Jahrh. unabhängig und wählten sich später eigene Fürsten, von denen Deioces (710 — 657), nach Herodot, den Königstitel annahm. Sein Sohn Phraortes (657 — 635) unterwarf die noch unabhängigen Perser, fiel aber im Kampfe gegen die Assyrer. Kyaxares (635—595, s. d.) zog gegen Ninive, das er, in Gemeinschaft mit dem Babylonier Nabopolassar, erst 606 zerstören konnte, nachdem er die kurz nach seiner Thronbesteigung über M. hereinbrechenden Skythen bewältigt hatte. Nach der Zerstörung Ninives bestand das Reich der Meder, bis der Perser Cyrus nach dem Sturze des Astyages, des Sohnes des Kyaxares, und der Besiegung des Prätendenten Kyaxares II. sich des Landes bemeisterte (549). Das Medische Reich hat nie, trotz der Angaben des Ktesias und der ihm folgenden Griechen, eine Weltrolle gespielt wie die Assyrer und die Perser; es erstreckte sich nie über den Halys hinaus, und während der ganzen Dauer seines Bestehens wurde es immer von den Lydiern und den Babyloniern im Schach gehalten. Erst durch dieser Völker Unterwerfung gründete Cyrus das Persische Reich, in dem die arischen Meder mit den Persern gleiche Berechtigung hatten. Mehrmals suchte sich M. vergeblich unter eigenen Königen zu konstituiren, doch folgte es seitdem dem Schicksal Persiens. Durch Alexander d. Gr. wurde es macedonisch, durch Seleukus syrisch; unter Demetrius Soter (152) fiel es an den parthischen Arsaciden Mithridates I. Einen eigenen König hatte es momentan in Artavasdes, gegen den Antonius (36) Krieg führte. Seitdem ist auch sein Name aus der Geschichte geschwunden und findet sich nur noch als geogr. Bezeichnung in dem nur von Gelehrten gekannten neupers. Mai. smittel.