FeedMeergötter
Sagen & MythenBrockhaus 1882

Meergötter ist in der Mythologie der Name für eine Klasse göttlicher Wesen, welche namentlich von den Griechen nach den verschiedenen Erscheinungen, die das Meer darbietet, neben dem Hauptgott des Wassers und Meers, Poseidon (Neptun), individuell ausgebildet wurden. Die wichtigsten sind Okeanos (s. d.), der Beherrscher des äußern Meers, der Stammyater aller Flüsse, Bäche und Quellen (Okeaniden), und seine Gattin, Tethys (s. d.); ferner Nereus (s. d.), der freundliche Meergreis, und dessen Gattin, die Okeanide Doris, nebst ihren 50 Töchtern, den weissagenden Nereiden, unter welchen Galatea, die Geliebte des Cyklopen Polyphem, und Thetis, die Mutter des Achilleus, und besonders Amphitrite (s. d.), des Poseidon Gemahlin, hervorzuheben sind; sodann der Sohn Poseidons, Triton (s. d.), neben welchem auch eine Mehrzahl gleichgearteter Wesen, Tritonen genannt, erscheint; weiter die einzelnen Meerdämonen Proteus, Glaukos, Leukothea und Melikertes (.. d.) oder Palämon (von den Römern mit ihrem Por⸗( tunus identifiziert), die Scylla (s. d.), die Sirenen (s. d.); endlich die Stromgötter, die männlichen Nachkommen des Okeanos. In der Kunst gehen die Dämonen des Meers von der erhabenen Gestalt des Poseidon, der Schönheit der Amphitrite und f Thetis durch mancherlei Mittelstufen in die phantastisch geformten Ungeheuer der See über. Namentlich bilden einen schönen Kontrast die fischgeschwänzten, oft mit Seepflanzen überwachsenen und auf Seemuscheln blasenden Tritonen und die meist auf dem Rücken derselben sitzenden Nereiden, welche als leichtbekleidete oder auch als ganz unbekleidete, anmutige Mädchengestalten dargestellt werden. Die schönste Entwickelung dieser Darstellungen in der griech. Plastik wird der jüngern Attischen Schule, insbesondere dem Bildhauer Skopas verdankt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 573Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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