FeedMelkart (d. h. Stadtkönig)
Sagen & MythenBrockhaus 1882

Melkart (d. h. Stadtkönig), bei den Griechen auch Melikertes genannt, der Haupt- und Schutzgott von Tyrus, wo er verschiedene, namentlich einen prächtigen, von Herodot bewunderten Tempel hatte. Von Tyrus aus verbreitete sich sein Kult über die Kolonien, z. B. Cypern, Thasus, Tarsus, Karthago, Gades. M. war die eigentümlich tyrische Form des phönizischen Baal, d. i. Himmels-⸗ und Sonnengottes, und vereinigte, wie die andern Formen des Baal, sowohl die wohlthätige als die verderbenbringende Macht dieses Gottes, wurde darum auch in Zeiten der Not (Krieg, Pest, Dürre u. s. w.) durch Menschenopfer versöhnt, sodaß die Griechen ihn auch mit Kronos (Saturn) zusammenstellen konnten. Sein Charakter als Sonnengott erhellt aus dem Auferstehungsfest, das ihm schon in uralten Zeiten in Tyrus gefeiert wurde, zu verstehen (wie die Adonisfeiern) vom Wiedererwachen der Sonne zum neuen Jahreslauf. Aber geschichtlich wurde er als der Gott, in dessen Namen und mit dessen Hilfe die Phönizier ihre Handelsunternehmungen ausführten, auch der Schutzgott der Schiffahrt, Städtegründung und Kolonisation, Schirmherr von Gesetz und Ordnung. Als Bändiger der feindlichen Gewalten und Bezähmer des Wilden, ebenso wie als wandernder, ewig junger Sonnengott wurde er von den Griechen insgemein mit ihrem Herakles zusammengestellt. Sein Kultus war bis Gades gedrungen, wo dem M. Säulen aufgerichtet waren. (S. Herculessäulen.7

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 603Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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