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Sagen & MythenBrockhaus 1882

Mithra ist in der altpers. Religion ein Gott des materiellen wie des geistigen Lichts, Feind der Finsternis und alles Bösen. Ursprünglich als der erste und mächtigste der 28, den 6 Amschaspands untergeordneten Izeds nur ein Götterwesen zweiten Rangs, wurde er später seit Artaxerxes II. (405— 359) gleich nach und auch neben Ormuzd, schließlich gar als die Hauptgottheit des ganzen Kultus, als die Sonne selbst verehrt. Die Römer übernahmen den Mithrasdienst, und derselbe gelangte, mit mancherlei auf die Reinigung der Seele durch Büßungen bezüglichen Mysterien (Mithrasmysterien, Cocacia) und fremdländischen Gebräuchen verbunden, in der spätern Kaiserzeit zu höchster Achtung und weitester Verbreitung. Hiervon legen noch zahllose, an den verschiedensten Orten in den einst von den Römern beherrschten Teilen Europas aufgefundene Denkmäler der bildenden Kunst, häufig mit den Worten Deo Soli invicto Mithrae, Zeugnis ab, die meist M. als einen schönen, orientalisch gekleideten Jüngling darstellen, der im Begriff steht, einen nebenher von allerlei Getier gequälten Stier zu opfern. Noch jetzt figuriert M. bei den Persern unter dem Namen Mihir als 16. Monatstag. Nach Herodot (I, 131) war Mitra der pers. Name der Mylitta (s. d.). Mit diesem persischen ist der altind. Mitra nur genetisch verwandt. (S. Indische Mythologie.) Vgl. Lajard, culteè de Mithrap (Par. 1845); Windischmann, M. Ein Beitrag zur Mythengeschichte des Orientsv (Bd. 1, Heft 1 der Abhandlungen für die Kunde des Morgenlandesv, Lpz. 1857).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 772Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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