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ErdkundeBrockhaus 1882

Menorca oder Minorca Galearis minor), die kleinere der Balearen (s. d.), zählt auf 760 akm (1877) 34173 E. Die Insel hat, wie Mallorca (s. d.), fast durchgehends gebirgigen Boden, viele Buchten und Baien, ist weniger fruchtbar und wasserreich als jene, liefert aber die nämlichen Produkte, namentlich Wein und Getreide (beide jedoch nicht in hinreichender Menge), Honig, Kapern, Fische, Schafe, Ziegen, Schweine und sehr gute Kühe. Der Ackerbau ist sehr vernachlässigt, ebenso die Industrie. Die Hauptnahrungszweige sind Viehzucht, Schiffahrt und Fischerei. Die Bewohner, Menorquines, stimmen mit denen von Mallorca fast völlig überein und gelten für sehr indolent, die Frauen für schön und graziös. M. ist interessant wegen der vielen überreste kelt. Bauwerke. Es sind dies meist aus übereinander gehäuften Steinblöcken gebildete, bis 25 m hohe Pyramiden, jede von einer kreisrunden Mauer cyklopischer Bauart umgeben. Außerdem findet sich eine Menge ins Gestein gehauener Höhlen mit Schädeln und andern Knochen von Menschen und Tieren. Die Hauptstadt Ma hon oder Puerto-Mahon (Mago oder Portus Magonis), eine Ciudad von 15842 E., Hafenplatz und Festung ersten Ranges, an der Südostseite auf steiler Anhöhe an der Bucht gleichen Namens gelegen, hat kein span. Ansehen, da die jetzigen Häuser nach engl. Art eingerichtet sind. Sie besitzt eine schöne got. Hauptkirche, ein Nonnenkloster, einen schönen großen Platz (Plaza de armas) und einen imposanten Molo, an welchem die größten Schiffe anlegen können. Der Hafen gehört zu den geräumigsten und sichersten Spaniens, ist besonders als Kriegshafen von hoher Bedeutung und durch mehrere Forts und Strandbatterien gut verteidigt. Auch ist Mahon der Mittelpunkt des Handels für die ganze Insel und Station der franz. Dampfer der Linie von Toulon nach Algerien. Von Mahon führt quer durch die Insel eine von den Engländern angelegte, gutunterhaltene Kunststraße an die Westküste nach Ciudadela (bei den Alten Jamno), Ciudad und Bischofssitz von 777½7 E., ursprünglich Hauptstadt der Insel, mit einem kleinen, versandeten Hafen. Diese Stadt ist mit Mauern und Wällen umgeben, weshalb sie als Festung gilt, ist gut gebaut und hat, von jeher Sitz des menorquinischen Adels, viele palastähnliche Häuser und eine schöne got. Domkirche. In der Nähe befindet sich die Tropfsteinhöhle Perella. Der Besitz der Insel M. ist namentlich wegen des Handels im Mittelländischen Meere wichtig; daher nahmen sie im Spanischen Erbfolgekrieg 1708, angeblich für Karl III., die Engländer in Besitz, denen sie auch 1713 im Utrechter Frieden verblieb. Im J. 1756 eroberten sie die Franzosen. Der engl. Admiral Byng, der zu ihrer Entsetzung abgesendet wurde, sich aber vor dem schwächern Feinde zurückzog, ward deshalb zum Tode verurteilt. Im Frieden von 1763 kam sie indes wieder an England. Von den vereinigten franz.⸗span. Truppen wurde sie 1782 in drei Tagen erobert und 1783 förmlich an Spanien abgetreten, 1798 wieder von den Engländern besetzt, im Frieden von Amiens 1802 aber an Spanien zurückgegeben. Vgl. «Die Balearen. In Wort und Bild geschilderte (von Erzherzog Ludwig Salvator, Bd. 2, Lpz.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 620Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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