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ErdkundeBrockhaus 1882

Meran, Stadt und Hauptort der gleichnamigen Bezirkshauptmannschaft der österr. Grafschaft Tirol, 320 m über dem Meere, an der Mündung des Passeyerthals in das Etschthal in herrlicher Umgebung gelegen, ist Station der Bozen-Meraner Eisenbahn, Sitz einer Bezirkshauptmannschaft und eines Bezirksgerichts, hat ein Obergymnasium, ein Kapuzinerkloster, ein Englisches Fräuleinstift, ein Institut der Barmherzigen Schwestern, kath. und evang. Pfarramt und zählt (1880) 5334, mit den unmittelbar anstoßenden Gemeinden Ober- und Untermais 9513 E. Da das nach Süden breit geöffnete Thal nach allen andern Richtungen durch Berge bis zu 3000 m Höhe geschützt wird, ist das Klima mild und trocken und namentlich durch große Windstille ausgezeichnet. Daher hat M. einen bedeutenden Ruf als klimatischer Herbst⸗ und Winterkurort namentlich für Brustkranke, schwächliche, skrofulöse und rhachitische Kinder, schwächliche, blutarme, junge Leute, Rekonvalescenten von schweren Krankheiten, Gicht- und Nervenleidende und zur Traubenkur für Unterleibsleidende. Der Morgen pflegt im Winter kalt zu sein (—1 bis 3 C., selten tiefer), aber die Zeit von einer Stunde nach Sonnenaufgang bis eine Viertelstunde vor deren Untergang, der sog. ⁷ bietet an den im Herbst und Winter die Regel bildenden, sonnenhellen Tagen eine so milde Temperatur, daß die schwächsten Kranken mehrere Stunden im Freien sitzen können. Dicht an den Fremdenwohnungen liegen die wohlgepflegten Anlagen mit zahlreichen geschützten Ruhebänken. Im Kurhause befinden sich ein vorzüglicher pneumatischer Apparat und eine wohleingerichtete Badeanstalt. In der Umgegend wird ausgezeichnetes Obst und guter, teilweise veredelter Landwein gezogen. Der innern Stadt geben die Arkaden der Laubengasse ein ital. Ansehen. Die Pfarrkirche mit dem höchsten Turme Tirols, die got. Spitalkirche und die neuerdings renovierte Landesfürstliche Burg sind durch ihr Alter merkwürdig. Unter den vielen alten Schlössern der Gegend sind am bekanntesten die Zenoburg, Schönna mit der got. Grabkapelle des Reichsverwesers Erzherzog Johann, Lebenberg und Schloß Tirol (Teriolis), das dem Lande den Namen gab. Schon im 1. Jahrh. n. Chr. wird an der Stelle von M. ein Castrum Majense erwähnt. Daß dasselbe an der Stelle des heutigen Mais gelegen habe und durch einen Erdsturz verschüttet sei, ist nach neuern Forschungen unwahrscheinlich. (Vgl. Schönherr, Küber die Lage der angeblich verschütteten ömerstadt Majav, Innsbr. 1873.) Im Mittelalter war M. Sitz der Grafen von Andechs. Meinhard I. von Görz, vermählt mit der Erbtochter derselben, vereinigte das Land und hieß Herzog von Dalmatien und Tirol. Margarete Maultasch wohnte häufig in M., bis sie ihr Land an Ssterreich abtrat. Bis zur Eröffnung der untern Brennerstraße ging der Weg aus Deutschland nach Italien über den Jaufenpaß durch das Passeyerthal, und M. war ein bedeutender Handelsplatz. Später zog sich der Verkehr nach Bozen. 5 Vgl. Stampfer, Chronik von M.» (2. Aufl., Innsbr. 1867); derselbe, 4Geschichte der Stadt M.v (Meran 1872); von Rheinsberg-Düringsfeld, „Kulturhistor. Studien aus M.» (Lpz. 1871); Kuhn, „Die Kurmittel von M.v (Wien 1875); Sigmund, „Südliche klimat. Kurortey (3. Aufl., Wien 1874); Pircher, M. als klimat. Kurorto (4. Aufl., Wien 1884); Knoblauch, «Führer durch M. und Umgegendo (6. Aufl., Meran 1885); Reimer, «Klimat. Winterkurortey (3. Aufl., Berl. 1881).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 630Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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