Merraptau, Athylsulfhydrat, Schwefelalkohol CHs5(SIU), ist ein Athylalkohol, in welchem der Sauerstoff der Hydroxylgruppe durch Schwefel vertreten ist. Die wasserhelle, leicht bewegliche Flüssigkeit von höchst widerwärtigem Geruch, siedet bei 36 C., spezifisches Gewicht 0,881, ist in Alkohol und Äther löslich und wird dargestellt durch Destillation einer Lösung von Natriumsulfhydrat mit ätherschwefelsaurem Kali. Mercator (eigentlich Gerhard Kremer), berühmter Geograph, geb. 5. März 1512 zu Rupelmonde in Flandern, widmete sich erst in Herzogenbusch, dann in Löwen (1520) philos. und mathem. Studien, erlernte daneben auch bei Gemma Frisius die Kunst des Kupferstichs. Durch Granvella, für den er einen schönen Globus gefertigt, 1541 dem Kaiser Karl V. empfohlen, arbeitete er in dessen Auftrage eine Erdkugel und eine Himmelskugel, welche nach dem Urteil der Zeitgenossen alles übertrafen, was in diesem Fache bis dahin geleistet worden war. Um 1559 wandte sich M. von Löwen nach Duisburg, wo er zuletzt den Titel eines Kosmographen des Herzogs von Jülich führte und 2. Dez. 1594 starb. M. hat sich durch seine geogr., insbesondere aber kartogr. Leistungen in der Geschichte der Erdkunde einen bleibenden Namen erworben. Er (nicht Delisle) lehrte zuerst, wie wahrheitsgetreu Erdflächen der gemäßigten Zone auf die Ebene sich übertragen lassen, wenn man sie wie die Flächen eines Kegels behandelt, den man sich unter zwei Polhöhen durch die Kugel gestoßen denkt, sodaß die Mittagskreise als gerade Linien, die Breitenkreise als Kurven erscheinen. Noch scharfsinniger ist seine nach ihm Mercators Projektion benannte Erfindung (s. unter Projektion). Letztere kam zuerst auf der Weltkarte von 1569 zur Anwendung und ist seit der Mitte des 17. Jahrh. für Seekarten ausschließlich in Gebrauch. M.s Hauptwerke sind die Tabulae geographicae ad mentem Ptolemaei restitutaes (Köln 1578— 1584) und vor allem der Atlas, sive geographicae meditationes de fabrica mundi et fabricati figurao (Duisb. 1595). Die Platten zu letzterer Kartensammlung, aus welcher schon vorher mehrere Blätter einzeln (wie Europa 1572, Frankreich 1585) erschienen waren, kamen nach M.s Tode in den Besitz des Kupferstechers Jodocus Hondius (geb. 1543 zu Wackene in Flandern, gest. 16. Febr. 1611) in Amsterdam, der sie wiederum auf seinen Sohn Hendrik Hondius (auch als geschickter Kupferstecher bekannt) vererbte. Beide haben M.s Werk in den vielen von ihnen veranstalteten Auflagen kaum verbessert, sondern nur erweitert. Im hohen Alter beschäftigte sich M. auch mit theol. Studien und veröffentlichte mehrere Schriften über die Bibel, die aber auf den Index gesetzt wurden. Sein Denkmalin Duisburg wurde 2. Sept. 1878 (Merte Mereia, das Land der Mercier (Merce), eines Stamms der Angeln, hieß das von diesen bei der Eroberung Britanniens zuletzt (um 585) durch Creoda (Cridda), einen Abkömmling Wodans, gestiftete Reich, das sich von dem Meere auf beiden Seiten des Trent bis an die Gebirge von Wales erstreckte, im N. an Northumbrien, im O. an Ostangeln und Esser, im S. an Wessex grenzte. Im J. 823 suchten die Ostangeln gegen die Mercier Hilfe bei Egbert, dem König der Westsachsen; der Sieg bei Ellendoune, den dieser erfocht, und die bald darauf (825) folgende Unterwerfung Wiglafs, des mercischen Königs, war der erste Schritt zur Vereinigung der angelsächs. Reiche unter Egberts Herrschaft. Mercier (Louis Sôbastien), geistvoller franz. Schriftsteller, geb. zu Paris 7. Juni 1740, war vor der Revolution Advokat in Rheims und beim pariser Parlament. Mehrere seiner Dramen, z. B. „Le déserteuro, L'habitant de la Guadeloupes, (L'indigento, welche unter dem Titel Théstrey (4 Bde., Amsterd. 1778—84) gesammelt Whrt. wurden eine Zeit lang mit Beifall aufgeführt. In der Revolutionszeit wurde er in den Konvent gewählt, wo er gegen den Tod Ludwigs XVI. stimmte; später trat er in den Rat der Fünfhundert. Er wurde dann Professor der Geschichte an der Centralschule und Mitglied des Nationalinstituts und starb zu Paris 25. April 1814. Seine litterarische Bedeutung erlangte er durch seine frischen Skizzen aus dem Volksleben. Den ersten Versuch dieser Art machte er mit L'an 24405 (Par. 1771). Größeres Interesse gewährte das „Tableau de Parisp (12 Bde., Amsterd. 1782—88). Die Fortsetzung bildet Le nouveau Pariso (5 Bde., Par. 1797), worin er die Sitten der Pariser während der Revolutionszeit schildert. Mit Interesse werden noch jetzt sein KBonnet de nuito (4 Bde., Amsterd. 177884) und Bonnet de matin (2Bde., Par. 1786) gelesen. Seine stilistischen Freiheiten und sein Abweichen vom Sprachgebrauche verteidigte er in der Néologies (2 Bde., Par. 1801).