FeedMerode (Grafen von)
GeschichteBrockhaus 1882

Merode (Grafen von), eine der ältesten und reichsten belgischen, einst reichsgräflichen Adelsfamilien. Ihr Name kommt von M'her Rode, der abgekürzten Formel von Myn Heer von Rode. Das jetzige Haupt ist Karl Anton Ghislain (geb. Aug. 1824%, der als solches die Titel Graf von M., Marquis von Westerloo, Fürst von Rubempré und Grimberghe und Grand von Spanien erster Klasse führt. Seit 1849 ist er mit der Prinzessin Maria von Arenberg vermählt und seit w1867 Mitglied des belg. Senats. — Sein Vater war Heinrich Maria Ghislain, Mitglied des belg. Senats, geb. 15. Aug. 1782, gest. 23. Sept. 1847. Vgl. 4Souvenirs du comte de M.-Westerloo (2 Bde., Brüss. 1864). Graf von M., Bruder des letztgenannten und als belg. Staatsmann bekannt, geb. 13. April 1791, nahm am brüsseler Septemberaufstand Anteil und betrieb als Mitglied der Provisorischen Regierung die Gründung einer konstitutionellen Monarchie. Vom 15. März bis 20. Mai 1832 war er interimistischer Kriegsminister, nachdem er schon 12. Nov. 1831 zum Staatsminister ohne Portefeuille ernannt worden war. Der Deputiertenkammer gehörte er seit ihrem Zusammentritt als Mitglied der kath. Partei an. Er nahm später seinen Abschied als Staatsminister und starb 7. Febr. 1857 in Brüssel. Vgl. Thonissen, «Vie du comte Félix de M. (Löwen 1861); Juste, Le comte Félix de M.v (Brüss. 1872). Ludwig Friedrich Ghislain, Graf von M., Bruder des vorigen, geb. 9. Juni 1792, nahm 1830 teil am Revolutionskampfe und starb 4. Nov. jenes Jahres an einer in Berchem vor Antwerpen erhaltenen Wunde. Ein schönes ihm zu Ehren errichtetes Denkmal (von W. Geefs) ziert die St. Gudulakirche in Brüssel. Friedrich Kaver Ghislain, Graf von M., jüngerer Sohn des Grafen Felix, geb. 26. März 1820, diente eine Zeit lang im belg. Grenadierregiment, trat 1847 in den geistl. Stand und wurde einige Jahre darauf geheimer Kämmerer des Papstes und Mundschenk. Im Mai 1860 übernahm er interimistisch das Kriegsministerium und unterstützte eifrig die weltlichen Interessen des röm. Stuhls. Mit dem Fall seiner Partei, infolge der Konvention vom 15. Sept. 1864, erhielt er einen dreimonatlichen Urlaub und nahm dann seine Entlassung 14. Okt. 1865. Im J. 1866 zum Geh. Almosenier des Papstes und zum Erzbischof von Mytilene ernannt, starb er zu Rom 11. Juli 1874. Vgl. Ideville, Monseigneur de M. (Par. 1874). Unter den direkten Ahnherren der Grafen von M. verdient noch Erwähnung der 1732 verstorbene kaiserl. Feldmarschall Johann Philipp Eugen, Graf von M., Marquis von Westerloo, dessen Memoiren der obengenannte Graf Heinrich (2 Bde., Brüss. 1840) herausgab. Vgl. Richardson, «Geschichte der Familie M.v (2 Bde., Prag 1877—81).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 639Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 4

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Geschichte 6